Tag 12: Die Schweinebucht

Anarchistenherz

2007 02 19 11.13.18 edited

Sonntag, 18. Februar 2007
La Habana â€“ Playa Larga

Unser Bus fährt zwar erst um 11:40 Uhr, aber man muss bereits eine Stunde frĂĽher an der Busstation sein, um noch ein Ticket zu bekommen.
Zum FrĂĽhstĂĽck gibt’s wieder Spaghetti und FrĂĽchte. Diosdado ist lustig und gutgelaunt wie immer, und selbst Hermelinda wirkt heute entspannter und kooperativ. Ihre Taktik, uns mit weiterer Panikmache als Gäste halten zu wollen, hat sie offensichtlich aufgegeben. Sie hat uns sogar ein Casa Particular in der Schweinebucht organisiert. Zu unserer Freude gar eines, das auf unserer »Wunschliste« steht, die wir zwei Tage zuvor mithilfe des Internets erstellt hatten. Wäre das Wetter nicht so beschissen â€“ es ist kalt, windig und regnerisch â€“, könnte man glatt von einem »guten Morgen in Havanna« sprechen.

Diosdado & HermelindaDiosdado & Hermelinda

Der Busfahrer ist gekleidet wie ein Pilot: sehr schicke Uniform. Die Reise dauert knappe sechs Stunden und jeder zweite Kubaner an Bord scheint erkältet zu sein. Zumindest erleben wir ein sechs Stunden andauerndes Schniefkonzert.
Unsere Route führt an Matanzas vorbei und dann nach Süden in Richtung Jagüey Grande. Das Ziel ist die Ortschaft Playa Larga, welche sich direkt in der Bahía de Cochinos, der legendären Schweinebucht, befindet.

»Operation Pluto«
Am 17. April 1961 landeten hier mehrere tausend von den USA mit Kriegsschiffen und vom Geheimdienst unterstĂĽtzte Exilkubaner in der Schweinebucht. Ihre Ziel war, die Castro-Regierung zu stĂĽrzen. Obwohl die Bucht tief eingeschnitten ist und damals lediglich von vereinzelten Köhlern bewohnt wurde, verbreitete sich die Kunde des Angriffs wie ein Lauffeuer. Den Kubanern, die aus allen Himmelsrichtungen herbeieilten, gelang es, die von den mächtigen Amerikanern geplante Invasion innerhalb von nur 50 Stunden zu stoppen.
Gänzlich unerwartet kam die Invasion allerdings nicht, gingen der »Operation Pluto« doch einige Bombardierungen wichtiger Ziele voraus. Rund 2.000 Exilkubaner wurden gefangen genommen und der US-Flugzeugträger vor der KĂĽste verdĂĽnnisierte sich schnellstmöglich wieder. Der Sieg des »kleinen Volkes« gegen Kennedys Supermacht war der Wendepunkt Kubas zum Sozialismus.

In Playa Larga empfängt uns ein Mann mit Fahrrad. Er gibt sich als Enrique zu erkennen und ist unser neuer Gastgeber. Enrique führt uns zu unserer neuen Herberge, einem sehr schönen, kleinen Häuschen direkt am Meer. Innen ist es genauso schön wie von außen bereits zu erahnen ist. Enrique hat eine Tochter und eine Frau namens Dahlia. Beide scheinen sehr einfach gestrickt zu sein.
Als wir den Strand und die riesige Schweinebucht hinter dem Haus erstmals zu sehen bekommen, kommen wir aus dem Staunen kaum noch heraus: Die Schweinebucht ist wunderschön und riesengroĂź. Selbst den Ort, der sich 20 Kilometer entfernt von uns, auf der anderen Seite der Bucht befindet, können wir noch erahnen. Das Wasser ist strahlend blau, ruhig wie ein Ententeich und â€“ das muss man seit Havanna auch dazusagen â€“ total sauber.
Eine Tauchschule befindet laut Enrique auch in der â€“ naja â€“ »Nähe«: Es sind circa 15 Kilometer bis zur Basis. Ein Tauchgang mit komplett gemietetem Equipment kostet gerade einmal 25 CUC! Scheint ja alles perfekt und paradiesisch zu sein. Das optimale Erholungsprogramm nach La Habana.
… bis wir den Preis fĂĽr die Ăśbernachtung erfahren: 50 CUC soll uns der SpaĂź kosten, was doppelt so viel ist, wie erwartet. Zum zweiten Mal werden wir in der BahĂ­a de Cochinos ins Staunen versetzt. Dieses Staunen trĂĽbt die Stimmung allerdings etwas, bis uns Enrique erklärt, dass wir dafĂĽr quasi ein »All-inclusive-Luxuspaket« geboten bekommen: FrĂĽhstĂĽck, Abendessen und »offener KĂĽhlschrank«. AuĂźerdem könne man hier sowieso nirgendwo sonst sein Geld ausgeben, da es in Playa Larga nichts weiter gibt. So wie damals, 1961: AuĂźer ein paar Anwohnern ist hier nicht viel los. Auf ein Auto kommen im Dorf beispielsweise geschätzte zehn Pferdekutschen. Und als wir dann zum Abendessen zehn randvolle Teller mit den köstlichsten Köstlichkeiten hingestellt bekommen, können wir ĂĽber den Preis nun wirklich nicht mehr meckern. Hier lässt es sich ein paar Tage aushalten.

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