Tag 43: Cucuruchu und La Playa

Anarchistenherz

Mittwoch, 21. März 2007
Baracoa

Der Sturm hat letzte Nacht ordentlich gewĂĽtet. Der komplette Strand ist voller Treibholz, KokosnĂĽssen und anderem Angeschwemmten. Einige Einheimische suchen inmitten des natĂĽrlichen Chaos’ nach Brauchbarem. Solange wir hier sind, werden wir den Strand jedoch mit Sicherheit nicht mehr „aufgeräumt“ erleben.

Strand

Beim Anblick des Himmels wird uns zudem klar, dass so schnell nicht mit Besserung zu rechnen ist. Die Wellen peitschen heute zwar etwas weniger, doch so weit das Auge reicht, sind nur dicke Gewitterwolken in Sicht.

Wir spazieren den MalecĂłn entlang, als uns ein Mann mit bierglasdicken Brillengläsern etwas ziemlich Unverständliches zustottert. Dabei wackelt er wie wild mit zwei ĂĽberdimensionalen „EistĂĽten“ herum. Cucuruchu nennt sich die in konisch verpackte Bananenblätter eingerollte Köstlichkeit, die der Mann fĂĽr 20 Peso Cubano verkauft. Cucuruchu ist ein aus Kokosmilch, FruchtpĂĽree und Zucker bestehender brauner Brei, der eine Spezialität in Ostkuba ist. Wir kaufen natĂĽrlich sofort eine der BananentĂĽten. Man sollte Cucuruchu ĂĽbrigens nur mit einem geliebten Menschen oder mit Löffeln essen. Wir haben keine Löffel und stecken von daher abwechselnd unsere Finger in den Brei, um diese dann abzulecken. Lecker!

Cucuruchu Bekki

Cucuruchu Dennis

Vor der „Kathedrale“, ein sich kurz vor dem Einsturz befindliches Kirchlein, ist dem „ersten Rebellen Amerikas“, dem Indianer Hatuey, ein Denkmal gesetzt worden. Dieser bekämpfte die Spanier und weigerte sich nach seiner Gefangennahme Christ zu werden, woraufhin ihn die Spanier 1512 in Baracoa verbrannten. Nach den zigtausend BĂĽsten von JosĂ© MartĂ­ etc. ist dies endlich mal eine, die uns neu ist und auch noch einen gewissen Coolnessfaktor aufzuweisen hat.

Hatuey
Hatuey, el primer rebel de America

In der kaputten Kirche, die amüsanterweise den gleichen Namen wie die opulente Kathedrale in Santiago trägt[1], befindet sich eine äußerst wertvolle Sehenswürdigkeit: La Santa Cruz de la Parra, das einzige der insgesamt 29 Kreuze, die Kolumbus 1492 hinterließ, das noch existiert.

La Santa Cruz de la Parra
La Santa Cruz de la Parra

Wir entschließen uns dazu, in Richtung El Yunque zu spazieren. Der Tafelberg ist zwar zu weit entfernt, um ihn bei diesem Wetter zu Fuß zu erreichen, doch die Straße dorthin führt in den Stadtteil hinter dem Hügel, auf dem das Hotel El Castillo steht. La Playa, so der Name des Viertels ist sehr ursprünglich. Dieser Ort scheint sich mehr dem Regenwald anzupassen als umgekehrt. Ausgebaute Straßen sind nicht immer vorhanden, Hühner laufen umher, kleine Bäche winden sich zwischen den Häusern und die Brücken, die darüber führen, sind oftmals mehr als provisorisch.

La Playa

La Playa (2)     La Playa (3)

La Playa (4)

Viele Touristen verirren sich bestimmt nicht hierher, obwohl ein Spaziergang durch La Playa absolut zu empfehlen ist. Rebekka und ich haben zumindest noch nichts Vergleichbares gesehen. Die Menschen hier sind auch durchaus hilfsbereit und grĂĽĂźen freundlich. Die Kinder spielen Baseball und lassen sich von Fotoapparaten faszinieren.
Wir lassen uns indes von Bambuszäunen und Treppen, die in einen Felsen geschlagen wurden, faszinieren.

La Playa (5)

Es ist schön hier, auch wenn es doch sehr ursprünglich zugeht. Die kleine Schule ist vom vielen Regen geflutet worden, trotzdem spielen die Schüler im Pausenhof in knietiefen Pfützen.
Trotz fehlender Prunkbauten oder irgendwelcher anderer „typischer“ SehenswĂĽrdigkeiten ist dieser Ortsteil Baracoas das vielleicht Faszinierendste, das wir bisher in Kuba gesehen haben. Das liegt vielleicht auch daran, dass dies das wohl offensichtlichste „Armenviertel“ ist, trotzdem werden wir kein einziges Mal angeschnorrt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass La Playa so ganz anders ist, so „unkubanisch“.

Im Internet müssen wir lesen, dass das Wetter bis einschließlich Sonntag schlecht bleiben soll. Das ist furchtbar. Hinzu kommt noch, dass wir uns am 26. März mit meinen Eltern treffen wollen, welche seit ein paar Tagen ebenfalls auf Kuba sind. Das Problem hierbei ist mal wieder so typisch kubanisch: die Busverbindung. Wir wollen uns in Holguín mit ihnen zusammenschließen, doch um dort hinzukommen, müssen wir wohl bereits am Sonntag und nicht wie eigentlich geplant erst am Montag Baracoa verlassen.
Baracoa ist der schönste Ort auf Kuba, doch leider werden wir seine Umgebung wohl nie kennen lernen und erleben ihn wohl auch kein einziges Mal bei gutem Wetter. Man kann zwar bekanntlich nicht alles haben, unser „Fluch der Karibik“ könnte sich aber langsam mal zum Teufel scheren.
Zum Abendessen gibt es zudem das gleiche wie gestern.

Buenas noches,
Dennis y Rebekka

Stylishes Baracoa
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