Tag 52: Von roten Fahnen, einer Autowäsche und Zaubertricks

Anarchistenherz

Freitag, 30. März 2007
Banes – Guardalavaca

Das Wetter bleibt gut, was ein GlĂĽck!
Wir fahren wieder morgens zum Hotel meiner Eltern, erneut in der Hoffnung, dass ich heute endlich mal wieder tauchen kann. Es ist schlieĂźlich erbärmlich, dass ich nach so langer Zeit auf einer Insel erst zu drei Tauchgängen gekommen bin â€¦
Wie so oft schlägt jedoch unser „Fluch der Karibik“ wieder zu, und die blöde rote Fahne weht nach wie vor am Strand. Wieder nichts. Morgen dĂĽrfte es auch nicht viel besser sein (Boote dĂĽrfen erst bei grĂĽner Fahne fahren, dazwischen gibt es noch „gelb“), und so finde ich mich langsam aber sicher damit ab, in zwei Monaten Kuba nur dreimal getaucht zu sein. Ich könnte heulen …
Zudem weht heute so ein blöder Wind, dass der Strandaufenthalt nicht all zu viel Spaß macht. Mir schießt sogar ein dickes Sandkorn ins Auge, so dass ich für den Rest des Tages mit einem tränenden Auge zu kämpfen habe.
Nach nicht all zu langer Zeit beschlieĂźen wir, den Strand wieder zu verlassen. In unmittelbarer Nähe befindet sich die BahĂ­a de Naranjo, eine Bucht, in der sich auch ein Delphinarium befindet[1]. Wir hoffen, dass wir dort irgendetwas Interessantes oder Schönes entdecken, dem ist aber leider nicht so. Man kann nur einen Steg entlang laufen, an dem alle paar Minuten das Schnellboot, das einen fĂĽr 12 CUC (!) in geschätzten zwei Minuten zum Delphinknast fährt, Halt macht. Nach wenigen Minuten verlassen wir diese „Bahia“ wieder.
Nächster Halt ist die nahe gelegene Tankstelle. Gestern habe ich mit der Kassiererin ausgemacht, dass wir heute zum Autowaschen kommen. Das ist nötig, da wir befĂĽrchten, dass die Autovermietung sich den Wagen ganz genau angucken könnte, wenn wir ihn so zurĂĽckgeben, wie er momentan aussieht (u.a. mit den Teerflecken). Und da wir ja mittlerweile ĂĽber so manche „StraĂźe“ gefahren sind, fĂĽr die der kleine Ĺ koda mit Sicherheit nicht gebaut wurde, vermuten wir, dass irgendwo irgendwas kaputt gegangen sein könnte. Wer weiĂź …
AuĂźerdem ist da auch noch dieses rote Zeichen, das manchmal aufleuchtet, das Rebekka und ich uns aber nicht erklären können. Meine Eltern haben es ĂĽbrigens bisher noch nicht bemerkt. Und wir wollen sie ja nicht nervös machen, höhö â€¦
Der Tankwart hat hart zu arbeiten. Wir trinken in der Zwischenzeit etwas, essen Schokolade aus Baracoa, die man hier kaufen kann und lästern ĂĽber die Kassiererin des Imbisses, die wie so viele hier den „Schuss“ wohl nicht gehört haben dĂĽrfte. Die Arme ist so was von hohl.

Das Auto ist wieder sauber und uns fällt nichts Besseres ein, als uns wieder an den Strand zu legen. Dort ist es jedoch aufgrund des noch immer blasenden Windes ziemlich kühl. Die Sonne geht langsam unter, und so fahren Bekki und ich auch bald danach zurück nach Banes.
Dort erwartet uns dann schon freudestrahlend der Enkel unseres Casa-Vaters. Rebekka fĂĽhlt sich auf einmal nicht mehr all zu wohl und legt sich gleich ins Bett, während ich noch ein wenig mit dem Kleinen herumalbere. Wir tanzen äuĂźerst dämlich aussehende Tänze, unter anderem fĂĽr einen Mann, der nur mal kurz unseren Casa-Vater sprechen wollte. Ich glaube, dass er mich nun fĂĽr ziemlich bescheuert hält. Ich muss das Auto mehrmals auf- und abschlieĂźen, da der Junge das Blinken so phänomenal findet. „Discoteca!“, jubelt er laut und tanzt vor den Blinklichtern einen seiner „Tänze“.
Zwischendurch teile ich unserem Casa-Vater noch mit, dass wir bis zum 01.04. bei ihm bleiben werden, was er wiederum absolut grandios findet. All zu viele Touristen verirren sich offenbar nicht nach Banes und wenn dann gleich welche fĂĽr fĂĽnf Nächte bleiben, eieiei â€¦ Er schĂĽttelt begeistert meine Hand.
Dann zeige ich dem Niño noch den ein oder anderen „Zaubertrick“ (Finger ins Ohr stecken und dann mit der Zunge so tun, als käme er im Mund wieder raus, knackende Nase u.ä.) und werde schlieĂźlich noch dazu gedrängt, spanische Comics vorzulesen. Der Text der zweiten Sprechblase wird von einer Frau gesprochen, so dass ich meine Stimme selbstverständlich „feminisiere“, was der Kleine unglaublich schräg findet. Auf einmal hört man eine Melodie aus dem Nebenhaus erklingen, in dem der Enkel mit seinen Eltern wohnt. Er schreckt auf, ruft „La novela!“ und rennt weg. Die Telenovela aus Brasilien beginnt, und ganz Kuba versammelt sich vor den Bildschirmen. Wie jeden Abend.

Buenas noches,
Dennis y Rebekka

El Niño
… und wir kennen noch nicht einmal seinen Namen â€¦

  • [1]
  • Welches wir natĂĽrlich nicht besuchen: veganisch unkorrekt!

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