Tag 26: Faulenzen und das spezielle »Menu«

Curry-Competition

2010 03 21 11.53.51

Sonntag, 21. März 2010
Phuket

Am heutigen Tage des Jahres 2553, in dem wir uns im buddhistischen Thailand befinden, unternehmen wir nichts. Da ich noch das Niederschreiben einiger Erlebnise nachholen muss, sitzen wir den halben Tag im gemĂĽtlichen Rezeptionsbereich des On On Hotels, checken E-Mails und beobachten die Leute.
Wie erwähnt, lebt man in Thailand nach einem anderen Kalendersystem. Zwar hat sich Thailand, was die Tage und Monate angeht, offiziell dem westlichen Kalender angepasst, die Jahreszahlen aber richten sich nach der Geburt Buddhas, 543 Jahre vor Christi Geburt. Nun kommt noch hinzu, dass in Thailand nicht nur Thais leben, sondern auch eine groĂźe Anzahl Chinesen und natĂĽrlich die touristischen Massen â€¦Â und jeder hat ein anderes Datum fĂĽr sein Neujahrsfest. Unser Neujahr wird bekanntlich am 1. Januar jeden Jahres zelebriert, wohingegen sich die Chinesen nach dem Neumond orientieren und demnach immer zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar Neujahr feiern. Die Thais wiederum richten ihr »Songkran« nach dem traditionellen Mondkalender aus, welcher das neue Jahr zwischen dem 13. und 15. April beginnen lässt. Ăśber vier Monate hinweg wird hier also immer mal wieder von einer anderen Volksgruppe das neue Jahr gefeiert, weswegen man sich wohl dachte, dass man den Neujahrsschmuck einfach von Ende Dezember bis Mitte April hängen lassen kann. Folglich sieht man ĂĽberall goldene »Happy New Year«-Girlanden.
Erst am Abend zieht es uns wieder auf die Straßen Phukets und wir entdecken zu unserem Entsetzen thailändische Christen. Ach du Scheiße. Die Phuket-Christen sind aber durchaus amüsant und auch irgendwie süß: Wir werden Zeugen eines Gottesdienstes, der in einem ziemlich unhübschen Raum mit großen Schaufensterscheiben abgehalten wird. Gerade stimmt die dicht beieinandersitzende zehnköpfige Gemeinde zum Gesang an, als der Chorleiter Rebekka und mich ungläubig durch die Scheiben spähen sieht. Das motiviert den Mann offenbar: Farangs! Christen aus Europa!
Der Mann wedelt wie wild mit seinen Armen und dirigiert mit höchstem Elan den schüchtern klingenden Chor. Dabei schaut er durch seine dicke Hornbrille immer wieder zu uns heraus, nickt uns voller Freude zu und lässt einmal mehr seinen kompletten Körper den nächsten Takt anstimmen.
Das Highlight des Tages erleben Rebekka und ich, als wir uns auf Nahrungssuche begeben. Da wir heute etwas spät dran sind, ist die Auswahl an Restaurants oder Straßenimbissen noch kleiner als sie in Phuket sowieso schon ist. Erschwerend kommt noch hinzu, dass man in Thailand wider unserer Erwartungen extrem viel Fleisch, speziell Hühnchen, isst. Irgendwann finden wir dann aber doch noch einen Laden, in dem sehr viele Einheimische sitzen. Na, das ist doch ein gutes Zeichen, denken wir uns und pirschen uns zum Eingang vor, um einen Blick auf die Speisekarte zu werfen. Ein Thai kommt uns zuvor und stellt sich breit vor den kleinen Zettel. Da wir keine Eile haben, warten wir geduldig, bis der Kollege die Karte in- und auswendig studiert hat. Ein anderer Thai kommt währenddessen freundlich lächelnd auf uns zu und fragt uns, was wir hier wollen.
»We’d like to see the menu«, lasse ich ihn wissen. Daraufhin strahlt er über beide Backen und ruft fast schon aus: »Wanna see menu? Follow me, follow!« Wenn wir schon so freundlich aufgefordert werden mitzukommen, können wir das schlecht ablehnen. Wir folgen dem kleinen Mann also ins Lokal, wobei ich mich leicht wundere, warum neben dem Eingang so viele der kleinen Speisekarten zusammengeknäuelt im Mülleimer liegen. Merkwürdig. Auch fällt uns erst jetzt auf, dass keiner der Thais Essen vor sich stehen hat, dafür aber jeder die Speisekarte.
»Menu! Menu!«, ruft unser Freund und verschwindet. Andere Thais blicken uns in einer Mischung aus Neugierde und Überraschung an.
»What you want?«, fragt man uns.
»Well â€¦Â something to eat?« Hier scheint es seltsamerweise nichts zu Essen zu geben und Rebekka kapiert als Erste von uns, was hier lost ist: »Das ist kein Restaurant, das ist ein WettbĂĽro.«
Und jäh bekommt die Unterhaltung vor der Eingangstür einen völlig neuen Sinn:
»What you want?«
»We’d like to see the menu.«
»Wanna see Man U? Follow me! Follow! Man U! Man U!«
Das Wetten lassen wir sein und jetzt verstehe ich auch, warum hier jeder seine »Speisekarte« nach dem »Essen« wegwirft.

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