Tag 27: Der SĂĽden der Stadt

Curry-Competition

Soi Rommanee

Montag, 22. März 2010
Phuket

Der blöde Engländer, der uns vorgestern versetzt hat, sieht uns im On On sitzen und scheint ernsthaft und angestrengt zu ĂĽberlegen, ob er uns kennt und wenn ja: woher? Vorsichtshalber grĂĽĂźt er uns aber mal und uns wird klar, dass er a) vorgestern in der Kneipe wohl schon ordentlich weggeschossen war und er b) danach im Club wohl noch ordentlich nachgegossen hat.
Wir wollen an unserem letzten Tag in Phuket noch möglichst viel von der schönen Kleinstadt sehen und beginnen unseren Spaziergang mit dem Besuch eines in der direkten Nachbarschaft zum On On Hotel gelegenen Tempels. In einem kleinen Garten hinter den Häusern der Phang Nga Road versteckt sich Phukets ältester Tempel, der 1889 erbaute Ting Kwan Tang. Man sieht dem Tempel sein Alter an, was toll ist: An den Wänden des sehr kleinen Tempels sind Malereien an mittlerweile stark verfärbten Fliesen zu bestaunen, die eine Geschichte zu erzählen scheinen. Ein taoistischer Comic aus dem 19. Jahrhundert â€¦

Danach flanieren wir durch die Soi Rommanee. »Soi« ist das thailändische Wort für Gasse und dieses Sträßchen ist die erste Gasse Phukets, die komplett saniert wurde und heute knallbunt daherkommt.

Wir erkunden den Süden der Stadt und stellen fest, dass man sich diesen Teil der Stadt auch sparen kann: Sämtliche Touristen, die entweder von den Stränden kommen oder sich ziellos durch die Stadt streifend von Taxifahrern mitnehmen lassen, kommen hier an.

Bei unserer Ersterkundung vorgestern wollten uns die in Phuket ziemlich nervigen und teils auch aufdringlichen Tuk-Tuk-Chauffeure und â€“ auch das gibt es â€“ Motorradtaxi-Fahrer bereits ständig hierherkarren. Dieser Teil der Stadt ist in den Augen der Taxifahrer der interessanteste fĂĽr Farangs. Warum? Ganz einfach: Hier steht ein groĂźes Einkaufszentrum. Tragischerweise scheinen die Taxifahrer damit vollkommen recht zu haben, da das Einkaufszentrum tatsächlich vollkommen in touristischer Hand ist. Lediglich vor dem Fernseher in der Multimediaabteilung sitzen einige einheimische Kinder und schauen sich gemeinsam mit den Verkäufern »Tom & Jerry«-Cartoons an.
Wir laufen durch die Kosmetikabteilung und beobachten das, was uns bereits mehrfach erzählt wurde: Die Thais stehen auf helle Haut und beneiden die Westler darum. Damit ihre Haut möglichst blass bleibt, ziehen sich sehr viele Menschen hier lange Kleidung an â€“ egal wie heiĂź es ist. Eine andere Methode, um einen blasseren Teint zu erhalten, ist die, sich mit sogenanntem Whitener einzucremen, der im Supermarkt neben der Sonnenmilch und der Bräunungscreme zu finden ist. Die Mädels aus der Kosmetikabteilung in Phukets Einkaufsparadies schminken sich zudem blass, was wir bislang nur auf thailändischen Hochzeitsfotos bewundern konnten. Und so, wie die Verkäufer der Multimediaabteilung vor ihrem Fernseher stehen, sitzen die Damen der Kosmetikabteilung mit Make-up bewaffnet vor den Spiegeln ihrer Abteilung und sind fleiĂźig am Herumexperimentieren.
Als wir das Einkaufszentrum wieder verlassen, wird einmal mehr der Beweis erbracht, dass mein Orientierungssinn, den ich selbst als ausgesprochen zuverlässig beschreiben würde, durch Reizüberflutung massiv gestört werden kann. Es passiert mir oft, allerdings nur beim Verlassen von Kaufhäusern durch eine andere Tür, als die, durch die ich es betreten habe, dass mir die Orientierung etwas schwer fällt. Und so wundere ich mich nach einigen Minuten, dass Phuket noch einen zweiten Hügel am südlichen Ende der Stadt hat, der dem im Norden absolut gleicht. Als wird dann plötzlich in der Straße stehen, in der sich das On On Hotel befindet, wird klar, dass Phuket doch nur einen Hügel hat.
Wir machen also wieder kehrt und wenig später einen Abstecher ins Thavorn Grand Hotel, wo wir, in der Hoffnung, einen schönen Ausblick ĂĽber Phuket zu bekommen, mit dem Aufzug in den 16. Stock hochfahren. Leider hat das Restaurant im obersten Stockwerk des Hotels geschlossen. Die restlichen Stockwerke des Hauses sind fensterlose, dunkle Flure. Schade. Einen Versuch war es wert und wenn das Restaurant geöffnet hat, hat man von hier aus sicherlich den besten Ausblick ĂĽber die Kleinstadt. Danach suchen wir den taoistischen Bang Niaw Wat, den Tempel des Vegetariergottes auf und huldigen dem Allvater kurz.

Später treffen wir den Engländer in der Lard-Yay-Bar wieder, wo wir sehr leckeren Massaman Curry zu Abend essen. Nun kann der Brite uns endlich wieder in den Wirren seines Gehirns finden und korrekt zuordnen. Da er dazu nun in der Lage ist, pisse ich ihm kurz ans Bein und frage, wieso er vorgestern nicht auf uns gewartet hat. Die Info, dass er uns versetzt hat, spuckt sein Hirn offensichtlich nur in Hieroglyphen aus: Der Mann ist eindeutig verwirrt. Der Froschfresser, der zusammen mit dem fertigen Engländer nicht auf uns gewartet hatte, ist noch etwas frischer zwischen den Ohren und erinnert sich wieder. Höflich entschuldigt er sich bei uns und schiebt die Schuld auf den bösen Alkohol. Wir sind nicht weiter nachtragend, sondern setzen uns zu den Jungs, einigen Thais und zwei Deutschen an den Tisch und feiern kurz den 28. Geburtstag des Franzosen mit.

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