Tag 40: »The laaaaaady rentssss the roooooom to youuuu.«

Curry-Competition

Tapae Gate

Sonntag, 4. April 2010
Chiang Mai

Gegen 6:30 Uhr erreichen wir endlich Chiang Mai. Es sieht diesig aus, was wohl an der etwas höheren Lage Chiang Mais liegen mag â€“ wobei 314 Meter ĂĽber Normalnull noch nicht wirklich hoch ist. Verglichen mit Bangkok, das im Schnitt nur zwei bis fĂĽnf Meter ĂĽber Normalnull liegt, befindet sich Chiang Mai dann aber doch schon in vergleichsweise hohen Gefilden. Rund um Thailands zweitgrößte Stadt, die rund 150.000 Einwohner hat, erheben sich auch tatsächlich einige Berge, wovon der sĂĽdwestlich von Chiang Mai gelegene Doi Inthanon mit seinen 2565 Metern der höchste des Landes ist. Chiang Mai selbst liegt in einem Flusstal.
Die gesamte Busladung wird mit Tuk-Tuks zum in der Altstadt gelegenen Nice Guesthouse gefahren. Dort bekommen wir erst einmal eine Einweisung in die touristischen Möglichkeiten, die Chiang Mai, die »Rose des Nordens«, seinen Gästen zu bieten hat. Wir hören nicht wirklich hin, denken an Schleppergebühren und Massentourismus, und werfen lieber einen Blick auf den Stadtplan. Wir wollen ein Hostel im Nordosten der von künstlichen Wasserbecken und teilweise noch von einer Stadtmauer umgebenen Altstadt finden. Die Zimmer im Nice Guesthouse inklusive Swimming Pool sind erstaunlich billig. Wie da noch eine Schleppergebühr versteckt sein soll, können wir uns nicht erklären. Trotzdem wollen wir nicht hier bleiben. Es gibt sicherlich noch stylishere Unterkünfte in dieser sehr beliebten Stadt.

Als wir die Straßen der Altstadt entlang laufen, passieren wir bereits den einen oder anderen Tempel. In der kompletten Stadt soll es über 200 buddhistische Wats geben! Diese Anzahl können wir uns bei dieser Tempeldichte auch durchaus vorstellen.
Noch nicht jedes Hostel hat geöffnet, weswegen die Suche dann doch etwas länger dauert als gewünscht. Entweder sind die Häuser zu teuer oder ziemlich uncool. Dann finden wir doch noch ein putziges kleines Häuschen, in dem ein dicker alter Farang hinter einem schaufenstergroßen Fenster vor seinem Fernseher sitzt und frühstückt. Wir klopfen vorsichtig gegen die Scheibe, woraufhin der ulkig aussehende Rentner zur Türe trottet und uns freundlich lächelnd begrüßt: »Hellooo«, heißt er uns mit lang gezogenem »o« und aquariumdicken Brillengläsern willkommen.
»Sawadie krap!« Ich mag ihn jetzt schon. »Do you have a free room?«
»Yessss. But, I do not rent themmmm. There is a laaaady!«
Oha.
»The laaaaaady rentssss the roooooom to youuuu.«
Hihi â€¦Â Der ist cool!
»Look, if there’s a laaaady.«
Er deutet mit seinem Doppelkinn links hinter uns. Ich schaue kurz neben meine Schulter, will dann aber die Show nicht weiter verpassen und richte meinen Blick wieder auf den Opi.
»Is there a laaady? You have to look!«
Ach so. Ja â€¦Â Ich schaue um die Ecke und tatsächlich: »Yes, there’s a lady.«
»So, ask heeeer. Bye bye.«
Und schon watet er wieder, einer Schildkröte gleich, zurĂĽck zu seinem FrĂĽhstĂĽck. Die Lady dĂĽrfte seine Frau sein. Vermutlich ist sie Thailänderin, wobei sie dafĂĽr dann doch schon fast zu groĂź und ihre Haut zu dunkel ist. Vielleicht ist sie Laotin oder kommt aus Myanmar? Die Lady ist extrem schĂĽchtern und flĂĽstert immer nur. Die geschätzt 60-jährige, zierliche, aber wie gesagt relativ hoch gebaute Dame, strahlt uns immerzu an. Da muss man wie immer automatisch zurĂĽcklächeln. Sie zeigt uns kurz das Zimmer im ersten Stock, zu dem man als 120-Kilo-Koloss, aufgrund des sehr engen Flures, wohl nie gelangen könnte, und schon wohnen wir fĂĽr 200 Baht in Napa’s House. Napa ist der Name der Laaaady.
Es ist Sonntag, weswegen auch in Thailand sehr viele Geschäfte geschlossen bleiben. Trotzdem erkunden wir die Stadt und erfahren auch, dass sich sonntags ab 17 Uhr der offenbar riesengroĂźe Sunday Market quer durch die Altstadt erstreckt. Wir sind gespannt. Im Lanna House trinken wir Soja-Eisschokolade und Soja-Ice-Moccha. Hm, lecker. Ăśberhaupt scheint man sich in Chiang Mai sehr auf das herbivore Publikum eingestellt zu haben: Viele Restaurants werben mit ihrem »vegetarian« oder gar »vegan food« und es soll auch rein vegetarische Restaurants geben. Chiang Mai gefällt uns bisher sehr gut.
Der späte Nachmittag bricht an und wir schlendern zum Tapae Gate, einem Tor in der Stadtmauer, wo der Sunday Market anfangen soll.

Der Markt besteht angeblich aus gut 4000 Ständen! Was das fĂĽr AusmaĂźe sind, erfahren wir, als wir mehrere Stunden durch dichtes Gewusel auf dem mit Abstand schönsten Markt, den wir in Thailand gesehen haben, spazieren. Unglaublich! Der Markt nimmt kein Ende, zieht sich ĂĽber mehrere StraĂźenzĂĽge und durch die Höfe sämtlicher Wats, die sich in den entsprechenden StraĂźen befinden. Ăśberall gibt es Interessantes zu entdecken: Chiang Mais berĂĽhmtes Kunsthandwerk in all seinen Facetten (Holz, Schmuck, Textilien), dazu Essen, Musikinstrumente etc. Zwischendurch sitzen immer wieder Musiker, alleine oder in der Gruppe, und beschallen einen kleinen Abschnitt der StraĂźe. Blinde Sänger, wie wir auch in Krabi ein Mädel gesehen haben, Musiker mit exotischen Instrumenten, aber auch Soft-Rock- und Thai-Pop-Bands scheinen an jeder Ecke zu stehen. Auf dem Platz vor dem Chiang Mai City Arts & Cultural Centre ist eine groĂźe BĂĽhne aufgebaut worden, auf der in Popstar-Manier ein Sänger im weiĂźen Anzug mit einem halben Dutzend Tänzerinnen und Tänzern die Masse unterhält. Darauf folgen ein anderer KĂĽnstler und wieder neue Tänzer in anderen KostĂĽmen. Chiang Mais Sunday Market bietet einen unglaublich vielfältigen Unterhaltungswert. Es macht einfach nur SpaĂź!
Zu meiner persönlichen Freude entdecken wir auch eine Gruppe Punks! Yeah, es gibt sie also doch: Thai-Punks! Bunte Haare, hohe Stiefel und einer sogar mit hochgestelltem Iro. Chiang Mai rockt!
Als uns die FĂĽĂźe wieder höllisch brennen und die Verkäufer langsam mit dem Abbau ihrer Stände beginnen, setzen wir uns in die Barli Bar, hören gute Musik aus den 60er- und 70er-Jahren, trinken etwas und schauen den liebenswĂĽrdigen Thais beim Zusammenräumen ihrer Waren zu. Es ist 22:30 Uhr und kleine Kinder von drei Jahren helfen fleiĂźig beim Abbau, während sie zwischendurch neckisch vom Papa â€“ der groĂźe Ă„hnlichkeit mit Jackie Chan hat â€“ mit der Wasserspritzpistole geärgert werden. Ein absolut sĂĽĂźes Bild und ein toller Tag, um Chiang Mai in kĂĽrzester Zeit ins Herz zu schlieĂźen. Das werden bestimmt ein paar tolle Tage hier â€¦

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