Tag 42: Fieber, Red Shirts, Hell’s Angels und Pandapolizisten

Curry-Competition

Panda auf rot

Dienstag, 6. April 2010
Chiang Mai

Die Nacht ist nicht so geil. Uns beiden tut alles weh und ich habe obendrein noch den DĂĽnnschiss massiert bekommen. Ob unser Trip nach Pai mit geplantem Zwei-Tages-Trekking durch den Urwald so realisierbar ist, ist fraglich. Toll gemacht, die Frauen Masseurinnen.
Bis auf einen kleinen Spaziergang die Moon Muang Road herunter, bei dem wir erstmals Zeugen einer Red-Shirt-Demonstration werden, erleben wir nichts Aufregendes.
Nach den Red Shirts brettern ĂĽbrigens noch die Hell’s Angels oder irgendeine andere Harley-Gang mit Weltuntergangsbassmotorengeräuschen die StraĂźe herunter, bevor der skurril-spannende HauptstraĂźenspaziergang dann noch von einer Demonstration der Polizei auf seine bizarre Spitze getrieben wird: Mit Blaulicht und als Pandas verkleidet â€“ ja, als Pandas verkleidet! â€“, fahren die Polizisten an uns vorbei und winken den Passanten zu. Na, halleluja. Rebekka bestätigt mir, dass ich nicht unter Fieberwahn leide â€¦Â und ihr geht’s bis auf Gelenkschmerzen hier und da und ĂĽberall eigentlich soweit ganz gut â€¦
Abendessen gibt es im Nice Kitchen. Es ist lecker dort, aber ich bekomme nicht mehr als fĂĽnf Gabeln runter und lasse mir den Rest einpacken.

Wer oder was sind eigentlich die Red Shirts?
Wir schreiben das Jahr 2010 beziehungsweise 2553. Die »National United Front of Democracy Against Dictatorship«, kurz UDD, bewegt Zehntausende dazu, Bangkok seit März 2010 mit Massendemonstrationen in roten Shirts in den Fokus der Weltöffentlichkeit zu rücken. Ihr Ziel ist es, Neuwahlen zu erzwingen. Recht viele der Rothemden würden zudem den 2006 gestürzten Präsidenten Thailands Thaksin Shinawatra gerne wieder im Amt sehen. 2006 wurde Thaksin vom Militär und einer Flut in Gelb demonstrierender Thais zu Fall gebracht, die damals wochenlang sämtliche Flughäfen des Landes besetzten, um seine Rückkehr aus dem Ausland zu verhindern und um dem Land durch die Behinderung des Tourismus’ wirtschaftlich zu schaden. Seitdem lebt er im Exil und muss bei seiner Rückkehr nach Thailand mit seiner Verhaftung (unter anderem wegen Wahlbetrugs und Korruption) rechnen. 2008 wurde er in Abwesenheit zu zwei Jahren Haft wegen Amtsmissbrauchs verurteilt. Diese Tatsache macht es unwahrscheinlich bis unmöglich, dass er jemals wieder nach Thailand zurückkehren und erneut die Präsidentschaft übernehmen wird.
Thaksin ist sicherlich kein Opfer und schon gar kein Politiker, wie man ihn sich wünscht: korrupt, populistisch, nationalistisch, autoritär und reich. Er ist der reichste Mann Thailands, dem auch viele TV-Sender gehörten. Der Berlusconi Südostasiens könnte man meinen. Trotzdem ist er speziell bei der ärmeren Landbevölkerung beliebt. Bei den momentanen Protesten wird er persönlich übrigens als Drahtzieher und Geldgeber vermutet, der die Demonstranten in Söldnermanier bezahlt, was den leicht faden Beigeschmack dieser Revolte ausmacht.
Die allermeisten Red Shirts gehören den unteren Schichten des Landes an. Die Provinz Chiang Mai ist laut Medien die Hochburg der Rothemden in Thailand.
Die aktuelle Regierung unterstützt vor allem die Interessen der Bangkoker Elite. Der amtierende Präsident Abhisit Vejjajiva gilt als diktatorisch angehauchter Herrscher, der nicht rechtmäßig gewählt, sondern vom Militär an die Macht geputscht wurde.
König Bhumibol, der in Thailand gottgleich verehrt wird und dessen Wort demnach viel Gewicht hat, schweigt bislang.

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