Tag 18: Im Reich der wilden Tiere

Kaffee, Kiffer, Killerkatzen

Samstag, 28. August 2004
Kona, Hawaii

Samstagmorgen, 6:30 Uhr: der scheiĂź Wecker klingelt â€¦Â Ă¤chz.
All zu lange verfluche ich das frühe Aufstehen aber nicht, denn der erste Tauchgang des heutigen Tages, der mit Kugel- und Trompetenfischen, Muränen, Zackenbarschen, einer Sternschnecke und einer Zwergmuräne schon als äußerst erfolgreich verbucht werden kann, wird tatsächlich noch zu einem meiner bisher eindrucksvollsten Tauchgänge überhaupt: Hier in Amerika scheint es kein Zeichen zum Auftauchen zu geben. Zumindest zeigt der Diveguide nie an, wann aufgetaucht werden soll. Da ich noch sehr viel Luft übrig habe, bleibe ich noch etwas länger unter dem Boot und tauche als Letzter auf. Die anderen Taucher haben bereits alle ihre Flaschen abgelegt, als ich oben ankomme und Captain John und Frank, den Diveguide, gerade irgendetwas von Delfinen reden höre.
»Dolphins?«
»Yes! They’re coming in our direction.«
Captain John dirigiert mich vom Deck aus: Er meint, ich mĂĽsste knapp 50 Meter vom Boot wegschwimmen. Mit etwas GlĂĽck kann ich vielleicht den ein oder anderen Delfin sehen. Okay, eventuell klappt’s ja.
Ich schwimme also los, tauche ab und an mal mein Gesicht unter Wasser und auf einmal â€¦Â zwei Delfine! Circa zehn Meter von mir entfernt schwimmen zwei wilde Delfine! So genial! Ich gucke weiter in diese Richtung und sehe: Delfine! Noch mal zwei StĂĽck! Acht Meter entfernt! Ich drehe mich um, um dem Boot Zeichen zu geben, als ich plötzlich während meiner Drehung sehe, dass eine komplette Delfinschule direkt auf mich zuheizt! Hilfe! Göttlich!
Ich lasse die Luft aus meinem Jacket und tauche ab. Um mich herum â€“ und das ist wirklich nicht ĂĽbertrieben â€“ tummeln sich plötzlich mindestens fĂĽnfzig Delfine! Hier ist schlagartig so viel los, dass mir ein Delfin gerade noch so im letzten Moment ausweichen kann, bevor er mich ĂĽber’n Haufen schwimmt. Ăśberhaupt kommen mir einige Tiere so nahe, dass ich sie problemlos anfassen könnte. Genial! Phänomenal! Unglaublich! Unfassbar! Fantastisch! UnĂĽbertrefflich! â€¦ Perfekt.
Und ich bin ganz alleine mit ihnen â€¦

E Malama I Na Nai’a I Me Na Kohola!
Rettet die Wale und Delfine!

Nachdem Captain John mir feierlich sagt, dass ich nun endgültig ein Mann sei, geht es weiter zu unserem nächsten Tauchspot. Auf dem Weg dorthin sehen wir erneut die Delfine, die sich mittlerweile in einer Bucht austoben. Eine viertel Stunde lang beobachten wir, wie freie und wunderschöne hawaiianische Delfine Salti schlagen und Schrauben in der Luft drehen. Was für ein Erlebnis!
Den Rest vom Tag verbringen Bekki und ich am Strand. Abends kochen wir uns in unserem Hostel etwas. So ein Hostel ist eine äuĂźerst geniale und luxuriöse Sache: Neben einem sehr gemĂĽtlichen Zimmer haben wir noch ein Wohnzimmer und eine KĂĽche zur VerfĂĽgung. Ăśberhaupt wirkt dieses Hostel eher wie eine »Kurzzeit-WG«, da man bei sich auf dem Stockwerk höchstens zwei weitere Mitbewohner hat, mit denen man sich Bad, Wohnzimmer und KĂĽche teilen muss. Saugut! Wir fressen uns voll und gehen runter zum Ali’i Drive was trinken. Seltsamerweise machen an diesem Tag sämtliche Kneipen schon um 23 Uhr zu, sodass wir zuerst aus der Kavabar und danach noch aus einem Sushi-Restaurant, in dem wir japanisches Bier bzw. kalifornischen Wein trinken, »vertrieben« werden. Feiertag? Oder ist was passiert? Hier gibt’s ja keine internationale Presse! AuĂźerdem haben wir am Donnerstag feststellen mĂĽssen, dass unser toller Satellitenfernseher auf der Farm lediglich DVDs abspielen, aber keine TV-Sender empfangen kann. Super.
Dass heute nichts los ist, ist aber auch halb so wild, da Bekki von der Sonne und ich vom frĂĽhen Aufstehen und Tauchen doch sehr mĂĽde sind.

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