Tag 26: Die Kealakekua Bay

Kaffee, Kiffer, Killerkatzen

Sonntag, 5. September 2004
Kona, Hawaii

Unser Ziel des Tages ist ein Ort namens Captain Cook. Hier soll es den angeblich schönsten Schnorchelplatz der Welt geben.
Zunächst nimmt uns ein ziemlich cooler Musiker mit, fĂĽr den Rest der Strecke sammelt uns Kai Schwarz aus Flensburg bzw. Seattle bzw. Kona vom Wegesrand auf. Kai ist oder war Deutscher, ist mit drei Jahren allerdings von seinen Eltern in die USA, genauer nach Seattle, verschleppt worden. Vor einigen Jahren ist Kai dann vom Mainland mit seinem Boot nach Hawaii geschippert und hat sich dort niedergelassen. Kai ist wirklich extrem nett. In Captain Cook fährt er uns zu einem »Rent-a-Snorkel«, bei dem wir uns mit Flossen, Schnorchel und Maske fĂĽr zwei eindecken. Vor dem Laden wartet Kai auf uns und chauffiert uns auf einer traumhaft schönen StraĂźe den Berg herunter zum Manini Point Beach Park in der unglaublich schönen Kealakekua Bay â€“ der wohl schönsten Bucht, die ich je gesehen habe. Die Bucht ist umringt von grĂĽnen Bergen und scheint trotz ihrer immensen Größe doch irgendwie versteckt zu liegen. Phänomenal â€¦

Einziger kleiner Wermutstropfen ist, dass die Bucht nur einen kleinen Sandstrand hat, der sich auch noch unglĂĽcklicherweise auf der gegenĂĽberliegenden Seite der Bucht befindet.
Bevor Kai wieder abdĂĽst, erzählt er uns noch â€¦

Die Geschichte des berĂĽhmten Captain Cook
– nicht unbedingt 100 % korrekt, aber im GroĂźen und Ganzen so, wie Kai sie uns erzählte â€“
Captain Cook machte sich 1776 auf seine dritte SĂĽdseereise auf. Wie schon auf der Reise zuvor (1772–1775) segelte er auf der Resolution durch den Pazifik. Als Begleitschiff segelte die Discovery mit in Richtung Alaska. Da der Handel mit dem fernen Osten stark zugenommen hatte, mussten die Frachten schneller nach Europa transportiert werden können. Somit war das Finden einer kĂĽrzeren und in Kriegszeiten sichereren Route im Norden das Ziel seiner Expedition: Heute kennt man diese Route als die Nordwestpassage.
Auf der Suche nach der Nordwestpassage entdeckte Cook am 20. Januar 1778 die hawaiianischen Inseln; Kaua’i, um genau zu sein. Die Expedition reiste weiter in Richtung Norden, scheiterte jedoch am Packeis und musste vor dem einbrechenden Winter 1778/1779 wieder in Richtung SĂĽden segeln.
In der Kealakekua Bay feierten die Hawaiianer ein Fest zu Ehren des Gottes Lono. Eine Prophezeiung besagte, dass der Gott der Fruchtbarkeit und der Musik eines Tages erscheinen werde. Tja, und pĂĽnktlich zur Feier Lonos, am 17. Januar 1779, crashte Captain Cook mit seinen Mannen die Party der sicherlich ziemlich verdutzt dreinblickenden Hawaiianer. Ein weiĂźer AnfĂĽhrer mit groĂźen Schiffen und einer ihm folgenden Crew weiĂźer Männer â€¦ So etwas hatten die Bewohner Hawaiis noch nie gesehen. Klare Sache, Cook musste Lono sein: Aloha Gott!
Die logische Konsequenz war eine mehrtägige Party, gegen die sich Gott Cook und seine Getreuen natĂĽrlich nicht wehrten: massenhaft Schweinefleisch, ein paar Zeremonien, gute Stimmung. Irgendwann mussten Cook und Co. dann aber doch mal weiter, um die Mission zu erfĂĽllen. Drei, vier Tage nach dem Verlassen der Bucht geriet die Expedition in einen Sturm â€“ vermutlich im ?Alenuih?h? Channel, dem Kanal zwischen der Big Island und Maui. ?Alenuih?h? heiĂźt ins Deutsche ĂĽbersetzt »groĂźe zertrĂĽmmernde Wellen«. Der Name hielt was er verspricht: Während des Sturms wurde der Mast der Resolution beschädigt. Da dachte sich der Captain wohl: »War doch ganz nett bei den Wilden. Man hat uns wie Götter behandelt â€¦ Fahren wir doch einfach wieder zurĂĽck!«
Als sie die Bucht am 11. Februar wieder erreichten, war das Fest zu Ehren Lonos vorbei. Das Essen war weg, die Leute verkatert â€¦ whatever. SchlieĂźlich hatte man ’ne ganze Zeit lang ordentlich gefeiert. Und plötzlich tauchen da diese WeiĂźen wieder auf, wollen Essen, wollen Holz fĂĽrs Schiff. Irgendwie ziemlich nervig â€¦ und auch nicht so richtig â€¦ göttlich!?
Die Hawaiianer hatten zudem keine wirkliche Vorstellung von Besitz. Wenn man was brauchte, lieh man es sich vom Nachbarn und fragte noch nicht einmal groĂź nach. So geschah es dann auch, dass sich die Hawaiianer ein Beiboot ausliehen, was die »Götter« dummerweise als Diebstahl betrachteten. Cook, in all seiner Weisheit, entschied, den Ali?i, also den von den Göttern abstammenden Häuptling der Hawaiianer als Geisel zu nehmen, um das Beiboot zurĂĽckzubekommen. Die Hawaiianer empfanden die EntfĂĽhrung des Kalani??pu?u als nicht sonderlich cool, griffen Cook an â€¦ und töteten ihn.

Dass Kai uns diese Geschichte erzählt, hängt damit zusammen, dass in der Kealakekua Bay das berühmte Captain Cook Monument errichtet wurde, welches sich auf ganzen zehn Quadratmetern englischen Bodens befindet. Das Denkmal soll, laut Kai, auch des Captain letzte Ruhestätte sein, welche »every now and then« mal von daherschippernden Briten aufpoliert wird.
»Im Wasser neben dem Monument«, erklärt Mister Schwarz auĂźerdem, »befindet sich auch eine bronzene Tafel. Das ist der Ort, an dem Captain Cook getötet wurde. William Bligh gehörte ĂĽbrigens zu Cooks Crew. Es heiĂźt, dass er ihn retten wollte. Bligh war der spätere Kapitän der Bounty-Expedition â€¦ It’s an interesting story. You should read it some time.«
Man kann das Denkmal nur zu Wasser oder über Trampelpfade erreichen. Wenn wir noch mehr Zeit hier in Kona hätten, würden wir uns mit Sicherheit ein Kanu leihen und übersetzen.
Schnorcheln in der Kealakekua Bay ist wirklich genial! Leider haben wir keine Delfine, Schildkröten oder gar Wale gesehen, die es dort wohl tatsächlich öfter mal geben soll, aber dennoch wird die Bucht unter Wasser ihrem Ruf als El Dorado fĂĽr Schnorchler gerecht: Extrem viele kleine bunte Riffe reihen sich aneinander, das Wasser ist nicht tiefer als fĂĽnf Meter, sehr gute Sicht, wellengeschĂĽtzt â€¦Â traumhaft!

Als wir in der Kealakekua Bay noch ein paar Fotos und Kameraaufnahmen, unter anderem von der äußerst unspektakulären Ruine eines Tempels aus Lavagestein, machen, werden wir von Michelle, einer Texanerin, gefragt, ob wir einen Ride den Berg hinauf in den Ort brauchen. Klar doch. Auf dem wunderschönen Weg nach oben passieren wir einen Lei-Stand. Anscheinend habe ich so neugierig nach diesem Stand geschaut, dass Michelle uns fragt, ob wir denn schon Leis bekommen hätten. Nein, drei Wochen Hawaii und wir haben noch keine Blumenkette erhalten. Schweinerei. Michelle meint, dass das ja nicht sein kann, dreht um und kauft uns zwei Leis.
Der Stand steht am StraĂźenrand, kein Mensch weit und breit, nur eine Kasse, eine KĂĽhlbox und ein Schild: »Fresh Leis 2 $«
Michelle öffnet die Kühlbox, holt einen Lei heraus, hängt ihn Rebekka um, gibt ihr zwei Küsse auf die Wange und sagt: »Welcome to Hawaii.«
Dann erklärt sie Bekki, dass sie nun mir einen Lei aussuchen und umhängen müsse. Gesagt getan, zwei Küsse und wunderbar: zwei grandios duftende, frische Leis als Geschenk von Michelle für uns.
Michelle will eigentlich gar nicht auf den Berg fahren, wie sie uns mitteilt. Sie hat uns aber mit den Rucksäcken und ohne Auto in der Kealakekua Bay stehen sehen und dachte sich: »Die wollen irgendwie hoch.«
Die sympathische Texanerin bringt uns direkt zu unserem Schnorchelverleih und verabschiedet sich von uns.

In Kailua-Kona gehen wir ins Hard Rock-Café Burger essen. Als ich mir ein Bier bestelle, fragt die Kellnerin doch tatsächlich nach meinem Ausweis. Okay.
»I’m sorry, but you have to choose something different.«
What?!
»You’re too young to drink beer.«
»Six weeks left and I’m from Germany. We start drinking beer when â€¦Â«
»I’m sorry.«
Dass ich das noch einmal erleben darf bzw. muss: Sechs Wochen vor meinem 21. Geburtstag wird mir tatsächlich noch einmal der Alkohol verweigert. Ich bin schockiert.

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