Tag 29: Dennis vs. The Incredible Telephone Secretary

Kaffee, Kiffer, Killerkatzen

Mittwoch, 8. September 2004
Kona, Hawaii

Es gibt keine Māmakiblätter mehr!
Heute Morgen wollen wir eine Stunde Pseudoarbeit verrichten, da wir wieder einmal in Richtung Kailua-Kona abhauen wollen. Aber zu unserem Entsetzen haben wir keine Māmakibäume mit einigermaĂźen akzeptabel groĂźen Blättern mehr gefunden. Von daher beschlieĂźen wir, einfach direkt abzuhauen. Hier oben ist heute sowieso scheiĂź Wetter.
Unser Weg nach unten gestaltet sich so einfach und komfortabel wie noch nie, da uns drei Maler mitnehmen, die eine Kühltruhe Bier an Bord haben, in die Bekki und ich dann gleich mal reinlangen dürfen. Die lustigen Handwerker, die sich bereits vormittags auf dem Weg zur Arbeit ordentlich die Kante zu geben scheinen, trinken zudem noch ein äußerst stylishes Bier: St. Pauli Girl!
Das Etikett dieses lustigen Biers wird von einer dirndltragenden Blondine mit groĂźen Hupen und Heidizöpfen geziert, die zwei MaĂźkrĂĽge in des Trinkers Richtung stemmt und ihn dabei freundlich anlächelt. NatĂĽrlich kommt das Bier aus â€¦Â Ă¤hm â€¦Â Bremen. Einer der Maler war auch schon mal in Deutschland. In Hamburg. St. Pauli. Da hat er auch eine Heidi kennengelernt, die total lieb zu ihm war.
In Kailua-Kona saufen wir erst mal weiter, sprich: Wir gehen zum »Abschiedstrinken« ins Lu Lu’s. Ich starte einen letzten Versuch, dort etwas zu essen und es nicht zehn Minuten später wieder ausscheißen zu müssen. Mit etwas Selbstdisziplin klappt es sogar, die weniger guten Zwiebelringe in meinem Bauch zu konservieren. Ich Tier.
Danach heißt es: Internetcafé besuchen und Touri-Stuff einkaufen.
Als auch das geschafft ist, versuchen wir mein Tauchgepäck bei den etwas vom Zentrum abgelegenen Kona Honu Divers abzuholen. Letztes Wochenende hatten wir dies bereits einmal versucht, standen allerdings vor verschlossenen Türen. Heute also der nächste Versuch:
An unserem Strand, der ĂĽbrigens offiziell Kamakahonu Beach und inoffiziell King Kam Beach heiĂźt, versuche ich die Tauchschule von einem MĂĽnztelefon aus zu erreichen, da mir die Ă–ffnungszeiten ihres Shops, in welchem sich mein Tauchzeug befindet, nicht bekannt sind und wir keine Lust haben, schon wieder umsonst die relativ weite Strecke zur Tauchschule zu laufen. Am Telefon meldet sich eine weibliche Stimme. Ich gehe davon aus, dass es die Stimme von Maggie, Captain Glenns Frau, ist. Auf meine Frage, ob die Basis denn geöffnet sei, schickt sie mich erst einmal in eine Warteschleife, aus der ich jäh von einer männlichen â€“ mir absolut unbekannten Stimme â€“ gerissen werde. Gleiche Frage, gleiche Reaktion. Hä? Wie vor einigen Wochen bereits erwähnt, kostet von einer Telefonzelle aus, ein zeitunabhängiges Ortsgespräch nur 50 Cent, was sich auf der Big Island auf die komplette Insel bezieht. Und so kommt es, dass einige Minuten vergehen, bis sich erneut die unbekannte maskuline Stimme meldet. Was folgt, ist diese filmreife Kommunikation:

TELEFONZELLE, KAILUA-KONA – AUSSEN / TAG

DENNIS greift nach dem Telefonhörer und wählt. Die »6« will nicht so recht funktionieren und muss mehrfach gedrückt werden. Nach kurzer Zeit wird am anderen Ende der Leitung der Hörer abgehoben.

DENNIS:
(freundlich, mit deutschem Akzent)
Hy! I just wanted to know, when â€¦

Fremder:
(fällt Dennis recht harsch ins Wort)
What’s your name, please?

DENNIS:
Ă„hm, Dennis.

Fremder:
And your last name?

DENNIS:
Knickel â€¦Â why?

Fremder:
(routiniert, fast schon maschinenhaft)
Could you spell it, please?

DENNIS:
K-N-I-C-K-E-L, but â€¦

Fremder:
Okay, I will tell Dennis that you tried
to call him.

DENNIS:
(fürchtet, der Fremde könnte einfach auflegen)
No! No! I â€¦Â I am Dennis and I just want to â€¦

Fremder:
(unterkĂĽhlt)
No, Dennis is the owner of this company.

DENNIS:
Hä? â€“ No â€¦Â Glenn is the owner.

Fremder:
No, Dennis is. And I will tell him that
you tried to call him.
What’s your number, please?

DENNIS:
I’m in a phone booth and I don’t have a phone,
but â€¦Â Who are you?

Fremder:
I am the telephone secretary.

DENNIS:
(sich wundernd)
Okay â€¦
(schnell, fürchtet, der Fremde könnte auflegen)
So just tell me, whether the shop’s opened
or not, please.

Telephone Secretary:
I’m sorry, but I can’t give you that information.

DENNIS
Hä? Why not?

Telephone Secretary:
I’m not there.

DENNIS
And you don’t know, whether it’s opened or closed?

Telephone Secretary:
No.

DENNIS
Ă„h â€¦

Arsch:
Bye.

DENNIS
Ă„h â€¦

Aufgelegt.

Was zur Hölle ist ein telephone secretary? Die menschliche Variante des Anrufbeantworters? Ein totaler Volldepp meiner Tauchschule? Und wieso ist Dennis der Besitzer welcher Company? Oder bin ich jetzt Besitzer irgendeiner Company? Werde ich mein Tauchgepäck jemals wieder sehen? Und haben diese unidentifizierbaren Tiere, die wir schon seit Wochen ständig in einiger Entfernung zu uns über die Straße huschen sehen und die aussehen wie eine eklige Kreuzung aus Ratte und Leguan ein Fell oder doch Schuppen?
Diese und weitere Fragen werden sich wohl hoffentlich nicht all zu lange in meinem Kopf aufhalten, da ich gleich schlafen möchte.

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