Tag 42: Von Schwererziehbaren und Kopfgeldjägern

Kaffee, Kiffer, Killerkatzen

Dienstag, 21. September 2004
Pahoa & Hilo, Hawaii

Heute sind wir exakt eine Woche Gäste in Pete’s Place Hostel in Pahoa. Aus diesem Grunde wollen wir weitere 50 Bucks für die kommende Woche zahlen. Allerdings können wir niemanden finden, der abkassieren könnte. Keine Torey, kein Jeremiah und kein Pete – wobei wir sowieso vermuten, dass der nette, langhaarige Pete nichts mit seinem Hostel zu tun hat, bis auf dass er sein Haus zur Verfügung stellt und jeden Morgen Pfannkuchen und/oder Omelett für sich, Jeremiah und Joe, den offenbar hauseigenen Carpenter, zubereitet. Joe arbeitet nicht nur im Hostel, er wohnt auch hier. Sein Cousin spielt oder spielte bei den Lakers und sein Vater hat Haut von seinem eigenen Arsch am linken Unterarm.
Da wir also niemanden finden, der unser Geld haben möchte, machen wir uns auf den Weg nach Hilo. Wir treffen auf Amé, das verlorene Hippiemädchen vom Sonntag, das erstaunlicherweise nicht genau weiß, ob sich ihr Name Amé oder Amê oder sonst wie schreibt. Hä!? Egal. Auf jeden Fall erklärt sie uns, wo wir in Hilo unbedingt hin müssen: zu den Rainbow Falls und zu den Boiling Pots.
Na dann. Nichts wie hin da!
Auf dem Weg nach Hilo erleben wir eine Premiere! Ein Mensch – zum Leben zu dämlich, zum Wählen somit vermutlich auch –, der extrem auf die Autoaufkleber à la »Freedom Isn’t Free« abfährt, gibt uns den Ride nach Hilo. Mit ihr, einer total bekloppten Schwachsinnigen, fliegen noch vier Hunde mit nach Hilo. »Fliegen«, da sie mit »deutscher« Geschwindigkeit, also mit 90 anstelle von maximal 55 mph, über den Asphalt fegt. Die Hündchen, allesamt noch extrem jung und extrem süß, knallen nur so von einer Seite zur anderen und der Schwarze, der neben dem Bremspedal Platz genommen hat – … Hilfe!? –, scheint mir durch intensiven Blickkontakt folgendes mitteilen zu wollen: »Help me out of here, bruddah!«
Was wir so in Hilo machen, will Ryanne – was wie »Rebekka« mit »R« beginnt: »Coooool!« – wissen. »Tja, wir gehen da immer in so einen Supermarkt, Abundant Life, und setzen uns da ins Café und trinken Smoothies.«
Da dumme Leute einem nie etwas vormachen können, verstehen wir sofort, dass wir ja so was von uncoooool sind. Das ist uns aber auch egal. Schlimm genug, dass uns die Alte nicht in Richtung Rainbow Falls fährt, sondern in den Osten Hilos – zu ihrem Strand, yeah! Dort will sie nur eben mal für fünf Minuten mit uns ins Wasser springen und uns dann in Richtung Downtown fahren.
»I’m sorry, bruddah dog, but I gotta help myself!«
Denn als uns die ständig aus dem Auto rotzende Schwererziehbare – drei Jahre Heimaufenthalt haben aus ihr einen ganz anderen Menschen gemacht; jetzt verkauft sie Gras in Kailua und ist ja so reich! – an ihrem Strand – yeah! – all ihre FreundInnen zeigt, wird uns klar, dass diese fünf Minuten auch sehr schnell zu fünf Stunden mutieren können. Also helfen wir uns tatsächlich selbst und lassen die armen Hündchen im Stich, indem wir der debilen, dreifach Zungengepiercten – »Did you ever see something like that … bäääh!?« – mitteilen, dass wir noch etwas zu erledigen haben.
Das ist noch nicht einmal gelogen, denn auf dem Weg zu ihrem Strand – yeah! – fahren wir auch an Arnott’s Lodge vorbei. Arnott’s Lodge wird unser Hilo-Campingplatz werden, wenn wir Pahoa verlassen. So viel steht fest. Allerdings wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht für wie lange. Arnott’s Lodge scheint wie Cluburlaub für Arme zu sein, da Onkel Arnott auch Touren anbietet, die wir – ganz touristenstylish – natürlich auch in Anspruch nehmen werden. Mit Arnott, dem Gönner, werden wir für billiger als anderswo auf den Mauna Kea fahren und das Observatorium besuchen sowie einen Discount bei den Island Hoppers bekommen, die uns die Akaka Falls und den Vulkan K?lauea Caldera mit ihrer Cessna von oben zeigen werden. Rock und Roll!
Bei Arnott darf man nicht länger als sieben Tage campen. Von daher wissen wir nun, wann wir frühstens nach Hilo ziehen werden: eben maximal sieben Tage bevor wir nach Honolulu abhauen.
Nachdem all das geklärt ist, nimmt uns die nächste Extremperson mit: Glenn stiehlt Autos, um zu überleben.
»… bitte was!?«
Ja, Glenn hat eine Liste bzw. ganze sechs Listen voll mit Nummernschildern von Autos, deren Besitzer Schulden bei der Bank haben. Macht er solche Autos auf der Straße ausfindig, verfolgt er sie und lässt sich die Schlüssel geben. In Las Vegas musste er dafür ab und an mal einiges austeilen. Auf Hawaii sind die Leute allerdings viel naiver und einsichtiger. Außerdem ist Glenn Kopfgeldjäger:
»… bitte wie?«
Ja, Glenn jagt entflohene Häftlinge.
Wie? So richtig wie im Wilden Westen?
»Yes … similar.«
Und ist das gefährlich?
»I got shot!«
Okay …
Als er uns fragt, weshalb wir auf Hawaii sind und für wie lange, denken wir uns bereits zum zweiten Mal am heutigen Tage: »We gotta help ourselves!«
Freundlicherweise fährt uns Glenn Eastwood bis zu den Rainbow Falls, die sich allerdings enttäuschenderweise als nur ein einziger, relativ kleiner Fall herausstellen … und das auch noch ohne Rainbow!
Jeremiah erklärt uns aber später, dass es derzeit zu trocken ist … hier, auf der regnerischen Seite Hawaiis. Heute ist es aber auch tatsächlich extrem heiß. Keine Wolke ist zu sehen. Aus diesem Grunde und weil uns keiner den Berg in Hilo zu den Boiling Pots mit hinaufnehmen will, beschließen wir, uns diese ein anderes Mal anzusehen. Was genau die Boiling Pots sind, haben wir auch nicht so ganz verstanden. Anscheinend handelt es sich dabei wieder um badewannenwarme Becken.
Stattdessen gönnen wir uns Smoothies:

Strawberry SurpriseTropical TreatPeanut Butter
 Eiswürfel, klein gemixt  
 Erdbeeren
 Bananen
 Apfelsaft
 (Soja-)Joghurt
 Eiswürfel, klein gemixt  
 Ananas
 Bananen
 Papaya Nektar
 Kokosnussmilch
 Eiswürfel, klein gemixt  
 Erdnussbutter
 Bananen
 Sojamilch
 Vanille

Des Weiteren melde ich mich für morgen früh beim Nautilus Dive Center für zwei Tauchgänge an. Ich bin ja mal gespannt, da der Laden echt strange wirkt. Zum Beispiel kostet heute ein Two-Tank-Dive 85 Dollar. Vor vier Tagen waren es noch 75 Dollar. Weil aber einige Schüler mitkommen werden, erhalte ich – ohne darum zu bitten – einen kleinen aber feinen Rabatt: Ich bezahle morgen für zwei Tauchgänge 65 Dollar. Korrekt.
Auf unserem Weg durch die Stadt hilft uns ein Schülerlotse über die Straße und unser Gratis-Taxi nach Pahoa wird von Sean gelenkt, einem Typen, der uns, als er anhält, fragt, ob wir die Deutschen seien, die in Pahoa im Hostel leben:
»Äh … yes!?«
Die Deutschen, die Probleme mit einer Farm hatten?:
»Äh … yes!?«
Und die nun auf der Suche nach einer neuen seien?:
»Äh … no.«

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