Tag 48: Im Süden am Punalu’u Black Sand Beach

Kaffee, Kiffer, Killerkatzen

Montag, 27. September 2004
Pahoa – Volcanoes National Park – Punalu’u Black Sand Beach, Hawaii

Am Morgen machen wir uns auf den Weg in Richtung SĂĽden. FĂĽr diesen Trip planen wir von vorneherein zwei bis drei Tage ein. Wir starten von daher auch schon recht frĂĽh. Um acht Uhr morgens machen wir uns bereit und kommen dann auch ziemlich schnell voran.
Nach kurzer Zeit finden wir uns bereits am ersten interessanten Punkt wieder. Von der Glennwood Road aus, welche kurz hinter dem Dorf Mountain View liegt, sieht man in einiger Entfernung den rauchenden Vulkankrater K?lauea Caldera. Schon aus dieser Distanz sieht der Vulkankrater spannend und verheiĂźungsvoll aus. Als wir uns von der Glennwood Road aus wieder in Richtung Highway aufmachen, fährt auf einmal ein roter Jeep an uns vorbei. Am Steuer sitzt ein lustig aussehender Typ, der sich, voller genussvoll daran riechend, eine Hand voll Gras unter die Nase hält. Als er uns mit ausgestrecktem Daumen am StraĂźenrand erblickt, winkt er uns mit ebendieser Hand voll Gras freundlich breit zu und â€¦Â fährt einfach weiter. Einen guten Kilometer weiter, ĂĽberdenkt er aber anscheinend sein Weiterfahren und kommt im RĂĽckwärtsgang zurĂĽckgefahren. Allerdings will er uns nach wie vor nicht mitnehmen, sondern sich nur von uns filmen lassen. AuĂźerdem hat er noch einen Deal anzubieten. Der Ganjafarmer hat ĂĽbrigens auch seinen RĂĽckspiegel mit einem Marihuana-Lei geschmĂĽckt. Sieht schick aus â€¦
Den nächsten Ride gibt uns ein Surfboy unseren Alters, der die Sandwichinseln noch nie verlassen hat und dies in seinem Leben auch nicht mehr vorhat. Stattdessen hat er so manche publizierungswürdige Lebensweisheiten auf Lager:
»People work their whole life to get to Hawaii â€¦Â and I am already here!«
Oder:
»Surfing isn’t just a sport or an activity: It is a lifestyle!«
Kurz vor dem Volcanoes National Park müssen wir uns die nächste Mitfahrgelegenheit angeln. Zunächst nimmt uns eine Touri-Familie ein paar Meilen mit, bevor uns dann ein Kleinbus einsammelt, dessen Insassen mich stark an die Familie rund um die Hauptdarstellerin aus dem Film »Luna Papa« erinnern:
Der Fahrer des Kleinbusses ist der Chefkoch des Vulkanpark Golfclubs: »I’m a chef!«
AuĂźerdem befinden sich seine beiden Töchter, die beide maximal 16 Jahre jung sind und sein knapp einjähriger Enkel im Bus.
In »Luna Papa« geht es darum, wie sich die Hauptdarstellerin gemeinsam mit ihrem Vater und Moritz Bleibtreu auf die Suche nach dem Mann machen, der sie geschwängert hat. Und genauso wirkt diese Familie! Sogar optisch passt der Spaß irgendwie zusammen.
Egal. Die vier scheinen sich nicht auf die Suche nach dem Papa gemacht zu haben. Auch wenn der vermutlich wirklich nicht Teil der Familie ist. Vielmehr fahren die vier zum Punalu’u Black Sand Beach, dem Strand, an dem wir zelten wollen. Perfekt.
»There are a lot of turtles!«
Ă„h! Echt? Fett! Diese Info ist uns neu. Rock und Roll!
Gerade einmal zweieinhalb Stunden nach unserem Aufbruch in Pahoa erreichen wir den Punalu’u Black Sand Beach, der 60 bis 65 Meilen von unserem Wohnort entfernt ist.
Uns offenbart sich uns ein wunderschöner schwarzer Sandstrand. Was aber noch viel genialer ist: Tatsächlich sonnen sich drei Hawksbill Turtles am Strand! Die drei 60 bis 80 Zentimeter groĂźen Schildkröten liegen einfach so am Strand, an dem im Ăśbrigen praktisch nichts los ist.
Nach einiger Zeit bekommen Bekki und ich allerdings Hunger. Also trampen wir in das südlichste Dorf der USA, nach Na’alehu.
In Na’alehu werfen wir einen Blick in die Punalu’u Sweetbread Bakery, der sĂĽdlichsten Bäckerei der USA, und essen in einer verdammt stylishen local Pizzaria. »Pizzaria« ist ĂĽbrigens kein Tippfehler, so steht es auf dem Schild, des ansonsten namenlosen Hybrids aus Pizzeria, Bäckerei und Groceries Store. FĂĽr 3,50 Dollar bekommt man dort richtig leckere Pizza Sandwiches.
Der SĂĽdzipfel der Big Island ist ĂĽbrigens trocken, windig und heiĂź. Von daher ist die Landschaft, je sĂĽdlicher man kommt, teilweise Steppe oder sogar richtige WĂĽste.
Kaum sind wir aber im Kau District, gibt es den ersten Regen seit Wochen. Na toll. Feucht kommen wir dann wieder zurĂĽck zum Punalu’u Beach, an dem immer noch eine Schildkröte liegt, und verbringen in unserem Zelt eine ruhige und doch noch trockene Nacht im SĂĽden â€“ mit Wellengeräuschen und nicht mit quakenden Fröschen und zwitschernden Vögeln â€¦

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