Tag 51: Mallrats

Kaffee, Kiffer, Killerkatzen

Donnerstag, 30. September 2004
Pahoa & Hilo, Hawaii

Heute fahren wir in den Orchideen Garten! Ab nach Mountain View zu den Akatsuka Orchid Gardens! Denkste â€¦
Auf halber Strecke, um genau zu sein in Kea’au, fängt es dermaßen an zu schütten, dass wir noch an Ort und Stelle umdisponieren müssen. Also, was machen wir?
Strand? Geht nicht, es regnet.
Ins Freibad? Da regnet es auch.
Nach Waimea trampen? Zu spät, zu regnerisch.
Im Zelt herumhocken? Nee.
Wo kann man einen kompletten Tag verbringen, ohne nass zu werden und ohne sich zu langweilen?
NatĂĽrlich in einer Mall. Und die einzige Mall hier in der Gegend â€“ ich glaube sogar die einzige richtige Mall auf der kompletten Big Island â€“ ist die Prince Kuhio Plaza. Also ab in Hilos »Neustadt«, ab zum Wal Mart und zur PKP und dabei versuchen, so trocken wie möglich zu bleiben, denn in der PKP herrscht bekantlich die absolute Air-Condition.
In einer kurzen Regenpause trauen wir uns aus dem Kea’au Shopping Center heraus auf den Highway. Kurz darauf erbarmt sich unser ein Rechtsanwalt in Rente: »The only foreign language I speak is law!«
Der nette Herr fährt uns direkt vor die Uni-Bibliothek, wo wir noch kurz unsere Mails checken. Das Gespräch mit dem ehemaligen Lawyer ist zunächst ganz nett und unterhaltsam, bis er mich auf einmal fragt, ob ich manchmal Fall- oder Flugträume habe. Äh, ja. Manchmal knalle ich eine Klippe runter. Wieso?
Tja, und ab dieser Gegenfrage wird das Gespräch â€¦Â noch unterhaltsamer!
»WeiĂźt du, was das heiĂźt? Jede Nacht verlässt dich etwas, was sich zwischen deinen Ohren befindet. Manche Menschen nennen es die Seele. Wenn du in deinen Träumen fliegst, heiĂźt das, dass deine Seele sich in andere Dimensionen aufmacht. Sie reist weit, weit weg. Und wenn du fällst, dann kommt sie wieder zu dir zurĂĽck. Deshalb schlägst du nie auf. Denn sobald du â€“ kurz vor dem Boden â€“ aufwachst, ist deine Seele wieder hier: zwischen deinen Ohren.«
Ă„h â€¦Â aha.
Dann dreht er sich um und meint: »I can talk to dead people.«
Oh oh.
»Yes, this guy for example.«
Er deutet auf sein Radio.
»Marvin Gaye. He’s talking to me. Everybody is talking to me â€¦Â Tupac Shakur! They are all around me. All of the time.«
He he â€¦Â Ă¤h, ja?
»You know, they all want to talk to me, ’cause I can hear them. I can understand them. There are people from all around the world who come to visit me â€¦Â because they were dreaming of me.«
Ein Alptraum.
»And one day, you will dream of me as well. Then, I will tell you where you can find me as I will give you my adress!«
Hähä!? Ja? Okay â€¦
Der sich in Rente befindliche 42-jährige Anwalt schenkt Bekki zum Abschied bzw. vielmehr zum Schutz noch eine goldene Dollarmünze und bemerkt abschließend: »You know, I don’t write books or have my own TV show. Those who need my help are going to dream of me.«
Wieso hängt ein Mann wie dieser seinen Beruf als Anwalt bereits im zarten Alter von gerade mal 42 Jahren an den Nagel?
Hat er schon so viele Millionen verdient oder gibt es etwa Leute, die ihm nicht glauben? Leute, die denken, er hätte mehr Seele als Hirn zwischen den Ohren? Ungläubige, pah!
Nach dem Lesen unserer E-Mails und den News of the Day (Mainz 05 wird tatsächlich Deutscher Meister wenn sie so weiter machen und »President« Bush und Herausforderer Kerry diskutieren heute im Fernsehen), geht es zu FuĂź â€“ zum GlĂĽck im Trockenen â€“ zur Prince Kuhio Plaza. Dort machen wir einen auf Mallrats, beobachten also die Leute und shoppen ein wenig.
Allerdings hört es draußen nicht auf zu regnen!
Von daher organisieren wir uns einen Busplan, um zu schauen, ob und wann heute ein Bus nach Pahoa fährt. Heute wollen wir also mal etwas alternativer nach Hause fahren.
AuĂźer der Tatsache, dass der Hele-On Bus maximal zehn bis 20 Minuten zu frĂĽh oder zu spät kommt, ist das Tolle an diesem Bus, dass man scheinbar nur dann zahlen muss, wenn man zufällig gerade Lust dazu hat. Wir haben keine Lust. Allerdings auch keine »bösen« oder illegalen Absichten. Da wir noch einige Tickets von unserer Fahrt im August ĂĽbrig haben, als wir von Hilo nach Kailua fuhren, wollen wir diese fĂĽr unsere heutige Heimreise nutzen. Der Busfahrer jedoch kontrolliert und verkauft keine Billets, und einen Kontrolleur gibt es erst gar nicht. Stattdessen muss man ehrlich sein und so viele Tickets, wie fĂĽr die gewĂĽnschte Fahrt nötig sind, in einen Kasten hinter dem Fahrer einwerfen. Ich sehe den Kasten erst gar nicht und Bekki, die sich genauso wie ich wundert, dass der Fahrer nicht so etwas wie: »Three tickets, please«, gesagt hat, durchschaut das System auch erst, nachdem wir uns hingesetzt haben.
Der nächste Clou der Hele-On-Buslinie ist der Fakt, dass man â€“ wann immer man will â€“ an einer Leine ziehen kann, um so dem Busfahrer deutlich zu machen, dass man an genau dieser Stelle den Bus verlassen möchte. Somit hält der Bus genau vor unserer HaustĂĽr, und wir können uns trockener Haut schlafen legen.
Ăśbrigens: Falls ihr heute Nacht von einem gut gebräunten Mittvierziger mit braunem Haar und dunklen Augen träumen solltet, handelt es sich hierbei wohlmöglich um â€¦Â The Lawyer of the Dead!

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