Tag 43: Erste, letzte … einzige Vorbereitungen für den Road Trip

Serendipity – Teil 1

Einstein Bros. Bagels

Samstag, 22. Dezember 2012
Portland

Wir haben die Apokalypse also überlebt. Die Nacht war lang und dementsprechend spät beginnt der Tag. Joshua ignoriert mich noch immer wie ein Kleinkind. Ist mir aber auch egal. Cari und ich gehen zu den Einstein Bros., um zu frühstücken und unseren Trip zu planen. Zunächst mieten wir ein Auto. Das von mir zuvor bereits entdeckte Angebot von Hertz bleibt das preiswerteste. Das Wichtigste, das Fortbewegungsmittel, hätten wir nun also schon einmal. Als Nächstes versuchen wir unser Glück mit Couchsurfern. Cari schreibt über ihren Account zwei Jungs aus Eureka an. Eureka liegt im Humboldt County in Kalifornien und ist eines der Städtchen, das an den Redwood National Park angrenzt. Erstaunlicherweise antworten die zwei Angeschriebenen sehr schnell … und sagen uns beide zudem direkt zu. So schnell und einfach ging das über mein Profil nie. Frau muss Mann sein. Jetzt haben wir also die Qual der Wahl. Cari telefoniert mit den beiden und gibt mir – da ich nur Cari, nicht aber die potenziellen Gastgeber hören kann – einen Bericht samt Analyse der Gespräche.
Das erste Gespräch führt sie mit Nicholas, der schon einige gute Referenzen in seinem Profil stehen hat. Als Cari ihm mitteilt, dass sie gerade von Arizona nach Portland gezogen ist, fragt er sie, ob sie ein Hipster ist. Außerdem hat er letzte Nacht gesoffen und nun einen ordentlichen Kater. Laut Cari, die den Spruch mit dem Hipster nicht wirklich lustig findet, wirkt er generell etwas strange.
Connor hat keinerlei Referenzen in seinem Profil stehen, wirkt aber sehr nett und arbeitet im Nationalpark. Cari schreckt es etwas ab, dass er wohl noch nie einen Gast hatte, der ihm eine Referenz hinterlassen hat. Ich weise sie aber daraufhin, dass Brian noch nicht einmal ein einziges Wort in seinem Profil stehen und auch kein Bild von sich hochgeladen hat, geschweige denn eine Referenz vorweisen kann, und mir dennoch ans Herz gewachsen ist. Diese blöden Profile sagen doch letztlich herzlich wenig aus. Außerdem sind wir zu zweit. Da kann ich sie schon vor referenzlosen Drecksäcken beschützen.
Wir erklären Connor somit zu unserem Favoriten und sagen ihm zu. Sicherheitshalber sagen wir Nicholas aber nicht ab. Wer weiß, ob nicht noch irgendwas passiert und Connor uns plötzlich in letzter Minute absagt.
Unsere Nächte in den Redwoods sind also schon mal gesichert. Rock und Roll. Jetzt kommt San Francisco an die Reihe: Wir schreiben neben mehreren Couchsurfern auch das »Embassy Network« an. Brendan hat uns von dem Projekt erzählt. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus WG und kostenlosem Hostel. Man schreibt den Betreibern eine Mail, in der man sich vorstellt und erklärt, was man zur Gemeinschaft beisteuern kann. Klingt auf der einen Seite sehr spannend, auf der anderen Seite könnten einen da aber auch nervige Avantgardisten erwarten, die aus unserem als entspannt angelegten Trip eine Art Workshop und Philosophierunde machen. Die Risikobereitschaft und das Interesse sind allerdings höher als die Befürchtung, weswegen wir es einfach mal probieren. Um es vorwegzunehmen: Wir werden nie eine Antwort bekommen. Avantgardistenpack.
In der Hawthorne Rose sortiert Cari ihre Sachen. Sie packt nicht nur für unseren Trip, sondern auch für ihren Auszug, den sie mit unserer Abfahrt morgen Nachmittag besiegelt. Eine neue WG, in die sie ab Januar einziehen können, haben Melissa und sie bereits gefunden. Keine Ahnung, wie sie das so schnell geschafft haben. Den Rest des Tages verbringen wir im Bett.
Am Abend treffen wir uns mit Ulric im Sweet Hereafter, der veganen Bar mit der leckeren Pizzeria nebenan. Wir trinken ein, zwei oder drei PBR, quatschen und verabschieden uns voneinander. Allzu spät gehen wir heute nicht schlafen, denn morgen wird ein Tag mit langer Autofahrt â€¦

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