Tag 68: Shake the Glitter Off Your Clothes … It’s Vegas, Baby! Oder: Vom Venetian bis zur Fremont Street

Serendipity – Teil 2

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Mittwoch, 16. Januar 2013
Las Vegas – Sunrise Manor – Paradise – Las Vegas – ???

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Nachdem ich mir â€“ aufs Neue höchst erstaunt â€“ das flugzeugtaugliche Sicherheitsvideo im Megabus reingezogen habe, schlafe ich während der nächtlichen Fahrt nach Las Vegas so viel und gut es geht. Besser und wärmer als auf der Straße ist das allemal.

Die Geschichte von Las Vegas
In der Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte das Wüstengebiet des Las Vegas Valley noch zu Mexiko. Nach der Annektierung durch die Staaten wurde die Gegend von Ureinwohner missionierenden Mormonen heimgesucht. Zunächst wurde nur ein Fort als Zwischenstopp für Reisende errichtet. Die Mormonen verloren relativ schnell wieder das Interesse an den Paiute und dem Valley, da die Bewegung 1857 plötzlich einen kalten Krieg mit der US-Regierung an der Backe hatte. Es gab Gerüchte, wonach sich die Mormonen mit ihren Gebieten â€“ was hauptsächlich Nevadas östlichen Nachbarstaat Utah betrifft â€“ von den USA abspalten und einen eigenen Staat gründen wollten. Außerdem wollte US-Präsident Buchanan »those twin relics of barbarism« verbieten: Sklaverei und Polygamie. Bis auf ein Massaker der Mormonen an 120 bis 150 Siedlern wurde in dem nicht ganz eineinhalb Jahre schwelenden Konflikt kein Blut vergossen und schließlich eine diplomatische Lösung gefunden, die den Mormonenführer und damaligen Gouverneur Brigham Young sein Amt kostete und die Trennung von Staat und Kirche in Utah zur Folge hatte.
Knapp 50 Jahre später, im Jahre 1905, übernahm die Los Angeles and Salt Lake Railroad das Valley und gründete Las Vegas als Eisenbahnsiedlung. Als durch die starke Zunahme an Bahnverbindungen Las Vegas wieder in der Versenkung zu verschwinden drohte, sorgte der 48 Kilometer entfernt errichtete Hoover Dam 1935 wieder für Aufschwung. Den bis heute spürbarsten Effekt auf die Erfolgsgeschichte der Wüstenstadt brachten aber zweifellos die Legalisierung des Glückspiels 1931, als auch das Ende der Prohibition 1933. Ebenfalls 1931 wurde das Scheidungsverfahren vereinfacht. War eine Scheidung damals im Rest der Staaten noch eine komplizierte Angelegenheit, musste man in Nevada auf einmal nur noch sechs Wochen irgendwo im Bundesstaat verbracht haben und neun mehr oder weniger nachzuweisende Rechtsgründe aufzählen, um sich scheiden lassen zu dürfen. Am häufigsten wurde übrigens die »seelische Grausamkeit« als Scheidungsgrund verwendet. Final kamen noch durchschnittlich sechs Minuten vor dem Richter auf die Liste und schon war man im liberalen Nevada geschieden. Bis diese neuen Fakten ins öffentliche Bewusstsein rückten, sollte es allerdings noch bis zur Scheidung von Clark Gable und dessen zweiter Frau Ria im Jahre 1939 dauern. Ria feierte sechs Wochen lang ihre »finest and shortest vacation I ever had in my life«, und Ex-Gatte Clark heiratete bereits drei Wochen nach der Scheidung Carole Lombard in Kingman, Arizona. Erst jetzt wurde vielen Scheidungswilligen so richtig bewusst, dass man sich in Nevada rein theoretisch morgens scheiden lassen und abends schon wieder heiraten kann. In Kalifornien musste man beispielsweise drei Tage lang warten und zudem noch einen Bluttest machen, um wieder heiraten zu dürfen. Dies sollte spontane Hochzeiten im Alkoholrausch verhindern. Wenige Monate nach der Aufmerksamkeit erregenden Scheidung der Gables eröffnete mit der Boulderado Ranch das erste Etablissement, das neben herrlichen Unterkünften und Reitausflügen auch Scheidungen anbot. Der Beginn eines wahren Booms, dessen Potenzial man in Reno allerdings schon früher erkannt hatte. Es sollte noch bis in die 50er Jahre dauern, bis Vegas Reno in Sachen Scheidungen eingeholt hatte. In den 60ern gingen dann die Hälfte aller Trennungen in der neuen »Divorce Capital of the World« vonstatten. Heutzutage kommen jährlich circa 39 Millionen Touristen in die Stadt der Sünden â€¦ darunter auch viele, die sich nicht scheiden lassen oder (spontan) heiraten.

Gegen halb sechs erreicht der Megabus das RTC South Strip Transfer Terminal in Las Vegas. Das Terminal liegt direkt neben dem Flughafen. Lediglich eine Straße und ein Baseballfeld liegen dazwischen. Wegen des kleinen Stadions stehen Warnschilder an den nordseitigen Haltestellen des Terminals: »Beware of danger of flying balls from sports park next door.«
Ob wohl schon viele Reisende von der Ambulanz anstelle des Busses vom Terminal weggekarrt wurden?

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Da ich Ford mein »Kleingeld« geschenkt habe, habe ich nur noch einen Hunderter einstecken. Der Ticketautomat nimmt aber keine so großen Beträge an und das Kreditkartenlesegerät ist defekt. In einer Stadt wie Las Vegas hätte ich solch technisches Versagen nicht erwartet. Dementsprechend verpasse ich den ersten Bus in die City und muss warten, bis die Wartehalle öffnet, in dem sich der zweite Automat des Terminals befindet. Im Bus selbst kann man sich kein Ticket kaufen, da die Fahrer stets bargeldlos operieren. Das schützt vor Ãœberfällen, vermute ich mal. Die Wartehalle öffnet um sechs. Ich schlappe zum Fahrkartenautomaten und stelle fest, dass auch dieser defekt ist. Am Serviceschalter gibt man mir zudem auch kein Wechselgeld, weswegen ich gezwungen bin, neue Asche aus dem Geldautomaten zu ziehen. Meine Fresse â€¦
Der Ticketautomat bietet ein Tagesticket für acht Dollar, den 3-Tages-Pass für 20 Scheine und für 34 Lappen ganze 15 Tage uneingeschränkten Nahverkehr an. Ich gebe der Maschine Essen für drei Tage und steige kurz darauf in den Deuce Bus. Der Deuce hält an jedem einzelnen Hotel, wodurch er gewiss nicht zu den schnellen Bussen der Stadt zu zählen ist. Da ich aber alles andere als Eile habe, gönne ich mir im gemächlichen Tempo eine erste Sightseeingtour in der vordersten Reihe des Obergeschosses des Doppeldeckerbusses. Yeah. Das verschafft einen ersten Ãœberblick über das, was mich in den nächsten â€¦ na, mindestens drei Tagen erwartet.
Das Erste, was ich vom Las Vegas Boulevard, dem berühmt berüchtigten Strip, zu Gesicht bekomme, ist das stylishe Schild »Welcome to Fabulous Las Vegas«, das als eine der wenigen Konstanten der schnelllebigen Stadt bereits seit 1959 im unverwechselbaren Googie-Design die aus dem Westen kommenden Besucher in der Stadt begrüßt. Das Schild befindet sich einen Kilometer vor dem ersten beeindruckenden Hotel-, Konferenz- und Kasinokomplex des Boulevards: dem Mandalay Bay, einem selbst in der Dunkelheit bereits golden strahlenden, dreiflügligen Hochhaus mit 44 Stockwerken. Wie muss die Fassade erst reflektieren, wenn die Sonne darauf scheint?
Apropos Sonne: Die scheint mir hier verdammt schnell aufzugehen. Innerhalb von zehn Minuten ist aus der dunklen Nacht helllichter Morgen geworden. Liegt das daran, dass sich Las Vegas inmitten der Mojave-Wüste befindet, das Land flach ist und es weit und breit keine andere Stadt gibt?

Zahlen und Fakten zu Las Vegas und Nevada
Las Vegas liegt im Wüstenstaat Nevada. Nach Kalifornien, Oregon und Washington bereise ich nun also bereits den vierten Bundesstaat der USA. Obwohl Vegas die mit Abstand größte und berühmteste Stadt Nevadas ist, darf sie sich nicht Hauptstadt nennen. Diese liegt 700 Kilometer weiter nordwestlich, hat nicht einmal ein Zehntel der Einwohner, die Las Vegas aufzubieten hat, und heißt Carson City. Die Ausmaße der selbst ernannten »Entertainment Capital of the World« lassen sich sowohl in der Fläche als auch in der Einwohnerzahl mit Dresden vergleichen: Auf 340 km² â€“ wovon 339,8 km² Land und nur 0,2 km² Wasser sind â€“ leben über 550.000 Menschen. Zählt man die Metropolregion hinzu, die nur politisch von »Sin City« getrennt ist, ansonsten jedoch nahezu unmerklich in eigenständige Gemeinden übergeht, kommt das Ballungsgebiet auf mehr als 1,8 Millionen Einwohner und über 1200 km². Das ist eine Fläche, die fast so groß ist wie Berlin und Köln zusammengerechnet. Mir fällt auch sehr schnell auf, dass es abseits des Strip quasi kein Haus gibt, das mehr als zwei oder drei Stockwerke hat. Das erklärt, weshalb sich vergleichsweise wenige Menschen auf solch einer riesigen Fläche ausbreiten. Der komplette Staat Nevada, dessen Areal drei Vierteln von Deutschland entspricht, kommt notabene nur auf 2,7 Millionen Bürger und belegt damit gerade einmal Rang 35 im Vergleich mit den anderen 49 US-Bundesstaaten. Der »Silver State« wurde 1864 der 36. Bundesstaat der USA und steht flächenmäßig an siebter Stelle. Um noch mehr zu verdeutlichen, dass Nevada eine eher unwirtliche Umgebung ist, sei noch zu erwähnen, dass sieben der zehn größten Siedlungen des Staates zum eben angesprochenen Ballungsgebiet von Las Vegas gehören. Die anderen drei Städte â€“ Carson City, Reno und Sparks â€“ liegen allesamt wiederum in unmittelbarer Nähe zum Lake Tahoe. Wüste, Wüste, Wüste und lediglich zwei Ballungsräume auf einer Gesamtfläche, die größer ist als die BRD vor der Wiedervereinigung â€¦ da bleibt genügend Platz für neue Bürger â€“ die Population ist seit 2000 um mehr als ein Drittel angewachsen â€“, das Militär, Atomwaffentests und natürlich Aliens. Große Teile Nevadas sind Sperrgebiet. Die mysteriöse Area 51 dürfte jedem aufgrund der UFO-Theorien bekannt sein, die primär wegen der Tests neuer und geheimer militärischer Flugkörper entstanden sind. Weniger bekannt ist vielleicht, dass sich ebenfalls nördlich, aber weniger von Las Vegas entfernt, die Tonopah Bombing Range befindet, in der die meisten amerikanischen Atombomben getestet wurden.

Nun, in Las Vegas strahlt es mittlerweile auch. Glücklicherweise ist es nur die Sonne, die mir heftigst auf der Carsons Avenue ins Gesicht scheint. Sie ist riesig und taucht die komplette Straße in ein gleißend goldenes Licht. Wow! Ich habe fraglos schon schlechtere Sonnenaufgänge erlebt.

In der Zwischenzeit haben wir den Strip hinter uns gelassen und ich verarbeite noch meine ersten Eindrücke. Die waren so intensiv, dass ich nicht wie geplant beim Bonneville Transit Center (BTC) aussteige, sondern bis zur kurz darauffolgenden Endstation an der Ecke 4th und Fremont Street fahre. Ja, was habe ich auf der 16 Kilometer langen und knapp einstündigen Fahrt vom RTC South Strip Transfer Terminal bis zur Fremont Street Experience alles gesehen? Da wären beispielsweise die gigantische schwarze Pyramide des Luxor oder das vollkommen bescheuerte Excalibur, das wie eine hässliche Burg aus einem Comic aussieht. Direkt daneben ist die Skyline des Big Apple in nur einem einzigen Gebäude verewigt. Zusätzlich verläuft eine Achterbahn darum. Es ist das New York-New York. Auf den Big Apple folgt das antike Rom: Caesars Palace. So hoch haben die damals allerdings noch nicht gebaut. Mit dem Mirage folgt edler Glanz. Auf diese Weise geht es weiter und weiter, vorbei an den verrücktesten Gebäuden und vielen Googie-Kunstwerken. Ich gehe stark davon aus, dass meine nächsten Tage primär darin bestehen werden, ein jedes dieser Hotels und Kasinos genauer unter die Lupe zu nehmen. Demnach sei nun einfach nur verkürzt gesagt: Diese Stadt ist beim ersten Durchqueren wahnsinnig beeindruckend und vollkommen bekloppt zugleich. Las Vegas muss total gaga sein. Ich freue mich drauf!

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Da ich an der Endhaltestelle nicht rausgeschmissen werde, bleibe ich einfach im Bus sitzen und warte, bis er sich wieder in Bewegung setzt und mich zum BTC zurückkutschiert. Neben dem Bus befinden sich die überdachte Fremont Street Experience, die eine reine Fußgängerzone ist, und ein Restaurant namens Heart Attack Grill.

Heart Attack Grill
Der Schuppen darf sich zweifellos »Hoffnungen« auf den Preis für das perverseste Restaurant der Welt machen, denn der Name ist Programm: Der Gründer dieses makabren Restaurants machte es sich 2005 zur Aufgabe, Essen zu servieren, das so schlecht ist, dass es schockierend ist. Ich untermauere dieses ethische Geschäftsprinzip einmal mit Fakten: Die angebotenen Burger heißen »Bypass Hamburger« und werden wahlweise mit einer, zwei, drei, vier oder acht Fleischstücken belegt. Die Pommes, die zudem die einzig vorrätige Beilage darstellen, werden in reinem Schweinefett frittiert. Es werden Shakes aus Milchfett sowie massenhaft Alkohol angeboten und selbst die im Restaurant erhältlichen Zigaretten sind filterlos. Auf einem Plakat, das an der Fassade des Hauses angebracht ist, wird darauf hingewiesen, dass Gäste, die über 160 Kilo wiegen, gratis speisen dürfen. Auf dem Poster, das für das Gratisessen für Kolosse wirbt, ist ein Mann in einem Krankenhauspatientenkittel zu sehen, der mit sportlich angestrengtem Gesichtsausdruck und auf einer Waage stehend, den Vierfach-Burger in seiner Hand anschaut. Dabei wird er von einer sexy Krankenschwester »betreut« und lüstern angeschaut. Der Mann ist nicht etwa fett gezeichnet, sondern überzeugt mit dicken Muckis. Dass die Schwester ein heißer Feger nach aller sexistischer Stereotypie ist, muss wohl kaum erwähnt werden. Nur blond ist sie seltsamerweise nicht.
»Ask about our liposuction lottery!«, steht neben den beiden Hübschen geschrieben. Was zum Geier â€¦? Kann man in dem Laden etwa eine Fettabsaugung gewinnen? Wahrscheinlich auch noch während man sich den einen Kilogramm schweren »Quadruple Bypass Burger« reinpfeift? Besucher des Heart Attack Grill werden überdies als Patienten bezeichnet und die Kellnerinnen rennen tatsächlich als Krankenschwestern verkleidet umher. Bestellungen werden nicht aufgenommen, sondern Rezepte ausgestellt. Hat man sich seine Medikation selbst verschrieben, bekommt man ein Armbändchen angelegt, das dem nun antanzenden Doktor zeigt, wie krank man ist. Eine Stethoskopuntersuchung später kommt der Burger auf den Tisch. Jon Basso, das »Mastermind« hinter dem Heart Attack Grill, hat seinen Vorsatz in die Tat umsetzen können. Dies belegen mehrere â€“ ich scherze nicht â€“ Todesfälle, die sich seit der Eröffnung der ursprünglich einmal drei Restaurants ereignet haben. Die Ableger in Texas und Arizona schlossen daraufhin ihre Pforten, sodass man sich jetzt nur noch in Las Vegas die ultimative Kalorien- und Cholesterinvergiftung geben kann. Ein Indiz dafür, dass in Nevada die Uhren anders ticken?

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Der Bus setzt sich wieder in Bewegung. Ich möchte zum BTC, da ich davon ausgehe, dass ich von hier aus problemlos vom Strip wegkomme und mit einem anderen Bus in eine der Wohngegenden der »Sin City« vorstoßen kann. Ich habe nämlich ein bestimmtes Ziel vor Augen: Ich muss unbedingt meine Wäsche waschen. Ich erkundige mich am Infoschalter und frage nach einem Waschsalon, der bestenfalls auch noch Wi-Fi anbietet. Zu meiner Ãœberraschung bekomme ich anstelle eines: »Hä?«, wahrhaftig eine Antwort. Die Damen und Herren hinter der Glasscheibe beraten sich schnell untereinander und raten mir daraufhin, mit der Linie 206 East bis zur Ecke Charleston und Palm zu fahren. Fett.
Der Charleston Boulevard ist schnurgerade. Ich kann die sich mehr als elf Kilometer lang in Richtung Osten ziehende Straße quasi bis zu ihrem Ende sehen. Dahinter hört die Metropole auf und steinige, rote Wüstenhügel erheben sich. Wow, das ist eine ziemlich eindrucksvolle Kulisse. Erstmals wird mir richtig bewusst, dass ich letzte Nacht mit dem Bus quer durch eine Wüste gefahren bin und mich nun in einer riesigen, menschgemachten Oase befinde.
Wenig später, mittlerweile ist es neun Uhr, verlasse ich den Bus und habe â€“ ohne es zu wissen oder zu bemerken â€“ Las Vegas verlassen. Fortan befinde ich mich in Nevadas fünftgrößter Stadt, Sunrise Manor. Den Waschsalon mit dem kreativen Namen »Super Wash« finde ich schnell â€¦ Seife dafür nicht. Der Automat, aus dem eigentlich Waschpulver kommen sollte, ist leer und außer mir ist kein Mensch anwesend, den ich freundlich anschnorren könnte. Deswegen rufe ich die »Notfalltelefonnummer« an. Der Typ am anderen Ende der Leitung entschuldigt sich und teilt mir mit, dass ich in den Supermarkt auf der anderen Straßenseite gehen und dort Waschpulver kaufen soll.
Im Supermarkt frage ich die Angestellte Barbara, ob sie auch Waschmittelrationen für Menschen wie mich im Sortiment haben â€“ also keine ganze Gallone und für den kleinen Geldbeutel bitteschön.
»No«, beantwortet sie den ersten Teil der Frage. Dafür zeigt sie mir eine Reihe von Flaschen, die nur einen Dollar kosten. Den Rest soll ich einfach im Waschsalon stehen lassen. Irgendwer wird sich sicherlich darüber freuen. Ja, das passt. Die schätzungsweise 50-jährige Barbara ist inzwischen neugierig und will wissen, woher ich komme und was ich in Vegas so treibe. Wie ein erfolgreicher Spieler sehe ich wohl nicht aus. Ich gebe ihr einen kurzen Abriss von meinem bisherigen Trip. Das findet sie super und spricht mir prompt die Einladung aus, bei ihr und ihrem Mann zu Hause auf der Luftmatratze zu schlafen. Cool! Ich lasse mir ihre Nummer geben und verspreche ihr, darauf zurückzukommen, falls ich keine partywilligen Couchsurfer finde. Serendipity is back, I guess. Die Zeiten der Obdachlosigkeit sind endgültig vorbei. Das fühlt sich gut an. Meine Fingernägel sind von den drei Nächten auf der Straße übrigens immer noch dreckig. Ich fühle mich gebrandmarkt.
Wieder im Waschsalon mache ich mich so nackig wie möglich und stopfe alles, was ich an Textilien bei mir habe, plus 1,75 Dollar in die Maschine. Ich bin noch immer der Einzige im Laden, weshalb ich auch problemlos meine Unterhose wechseln kann. Oh, yeah. Wäre es nicht so kalt, würde ich noch mehr blankziehen. Stattdessen behalte ich aber sogar meinen Mantel an, anstatt ihn zu waschen und stehe nun mit dem hübsch hässlichen T-Shirt vom Monarch Film Festival, dem gestreiften Longsleeve aus Istanbul, meinen heiß geliebten roten Fisherman’s Pants aus Thailand und spanischen Flip Flops nebst Socken, die politisch unkorrekt aus Bangladesch stammen dürften, vor meiner Maschine. In meiner so noch nie zur Schau gestellten Kombination fühle ich mich wahrlich speziell gekleidet â€“ und durchaus sexy. Zu schade, dass es kein Publikum gibt.
In der Sonne ist es derweil recht warm. Lediglich im Schatten und im Waschsalon ist es noch ziemlich kühl. Daher gehe ich raus in die Sonne und präsentiere dem Charleston Boulevard die neueste Mode aus Europa und tanke Wärme. Doch auch im Freien ist niemand unterwegs. Ich gehe wieder rein und stelle fest, dass ich es mit dem Dosieren etwas zu gut gemeint habe. Mögen meine Klamotten vor der Waschung einen Hauch von Leben in ihrem Odeur getragen haben, fürchte ich nun, dass ich beim nächsten Regen Schaum schlage. Tja, zu spät. Vielleicht schmeiße ich danach einfach noch eine Maschine ohne Waschmittel an.

Ich bekomme Besuch! Zunächst gesellt sich ein Schwarzer mit einer äußerst wirr zerzausten Afrofrise im besten Homeless-Style zu mir. Ihm folgt kurz darauf eine nette ältere Dame aus Brasilien, die französische, spanische und portugiesische Wurzeln hat. Wir unterhalten uns kurz auf Spanisch und Französisch. Ich glaube, sie mag mich. Ich mag sie auch, weshalb sie mein restliches Waschmittel geschenkt bekommt. Findet sie gut.
Auf eine zweite Maschine verzichte ich schließlich doch. Dafür muss ich gleich drei- oder viermal den Trockner anschmeißen, bis endlich alles trocken ist. Der riesige 30-Pfund-Trockner kostet pro Runde einen Dollar. Meine Schuhe finden die ganze Aktion nicht so geil und lösen sich leicht in ihre Bestandteile auf. Da war eine Metallschiene drin? Sachen gibt’s. Die Treter sind aber noch tragbar â€¦ obwohl sich beim rechten Schuh eine Naht gelöst hat und mein kleiner Zeh durch ein Loch ab sofort in die große weite Welt hinausschaut.
Cari meldet sich und heißt mich in ihrer unverwechselbaren Art im Sündenpfuhl Las Vegas willkommen: »Shut up and shake the glitter off your clothes now, that’s what you get for waking up in Vegas!«
Woher weiß sie nur, dass ich gerade meine Wäsche wasche?
»Have fun out there and make sure you keep it classy.«
Aber, klar doch. Wo denkst Du denn hin?
Sie empfiehlt mir, zu checken, ob im Cosmopolitan eine kostenlose Show angeboten wird. Sie habe dort einmal Jamie Lidell gesehen â€“ wer auch immer das ist.
»Only like 15 other people were watching and it was bad ass! Also, if you still want to do the theme park thing: Circus Circus has an underground roller coaster, New York-New York has one that goes in and out of the hotel mid-level, but Stratosphere is the most epic, the tallest sky scraper in Vegas with freaky rides at the very tippy top.«
Circus Circus, New York-New York, tippy top â€¦ Wie soll ich mir all das nur merken? Cari ist ein Fan von Vegas und vergisst nicht, mir regelmäßig mitzuteilen, dass sie mich beneidet. Dann komm endlich nach!
»I’m not positive that Stratosphere still has the needle ride that drops you down, but if they do you gotta do it â€“ scariest ride ever! The Luxor has the best arcade though, and is still my favorite hotel just because it is so cool; kind of like the Shanghai Tunnels in Portland. There are tunnels underneath Vegas, too. People live down there, so if you ever find yourself without a place to sleep, maybe try looking for an entrance to the underground city.«
Aha.
»The Bellagio is a good place to take pictures. They have glass artwork in the ceiling. Caesars Palace has an amazing mall â€“ the best part is the art galleries. We happened to be wandering through Caesars Palace going into random galleries, and we ended up getting to meet my favorite artist of all time: Vladimir Kush!«
Wer?
»He just happened to be showcasing his work at this gallery â€¦ Also, we saw Jennifer Lopez.«
Yeah.
»But Vladimir Kush was fucking incredible!«
Gut.
»Too bad his paintings sell for hundreds of thousands of dollars. No matter what though, you can get drunk going to the galleries, they will all shower you with wine.«
Okay.
»Don’t forget, you never have to pay for drinks in Vegas.«
Das hat sie mir schon des Öfteren erzählt.
»Sit at quarter slots, look like you’re playing when waitresses come by, and you get free drinks.«
So wird’s gemacht.
»And it’s legal to drink on the street!«
Echt? Europäische Zustände? Viva Las Vegas!

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»How long are you staying in Vegas?«
Na, mindestens mal drei Tage.
»I should just come. Haha!«
Ja. Ja!
Ich erzähle Cari von Barbara und meinen Schuhen. Ich soll unbedingt in der Nähe des Strip bleiben und mir neue Schuhe kaufen, empfiehlt sie mir und wundert sich, ob Barbara und ihr Mann Swinger sind. Ähm, toll. Ich schlage Cari vor, mit mir das Vegan Casino zu eröffnen, um damit die Milliarden zu scheffeln.
»Right, we just need billions in startup money. Also, I think you’re forgetting that the proportions of vegans of Vegas are almost nonexistent compared to Portland â€¦Â«
»Congratulations Miss B., you just reached a new level in our brain research program! Your new status from now on is â€¦ smartass!«
»I am definitely a smartass, if nothing else.«
Ich bitte Cari, mir im Internet herauszusuchen, wie lange die öffentlichen Verkehrsmittel in Vegas operieren. So wie’s aussieht, gibt’s auf dem Strip einen durchgehenden Service. Abseits davon gibt’s wohl aber nur die üblichen Fahrzeiten von fünf Uhr morgens bis ein Uhr nachts.
»But you should be partying from one to five anyway. So seems like perfect timing to me! It sucks that you’re alone, most people go in groups and take cabs.«
Dann muss ich mir wohl neue Freunde anlachen. War bisher ja noch das geringste Problem auf meiner Reise.

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Ich fahre wieder zurück zum BTC, steige in den Deuce und fahre den Strip hinunter in Richtung Starbucks. Es ist mal wieder Zeit, nach einer Couch Ausschau zu halten. Ich steige am Fashion Show Drive aus. Dort habe ich vorhin vor der Fashion Show Mall einen Starbucks gesehen. Vor der Mall steht »The Cloud«. Hierbei handelt es sich um eine Art futuristisch anmutendes Vordach, das wie ein Zeppelin aussieht, bei dem man die Luft rausgelassen hat. Das Dach schwebt in 39 Metern auf zwei Säulen und ist 150 Meter lang.

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Die Mall selbst zählt zu einem der größten Konsumtempel der Welt. Überrascht in einer Stadt wie Las Vegas nicht unbedingt.

Vegas ≠ Vegas
Wesentlich überraschender ist die Tatsache, dass ich mich gar nicht in Vegas befinde. Hä? Wie jetzt? Hat da einer dem Knickel lustige Drogen in den Kaffee gemischt, oder was? Nein. Das ist nämlich so: Der Großteil des Strip befindet sich gar nicht in der City of Las Vegas, sondern in Nevadas sechstgrößter Siedlung, die den schönen Namen Paradise trägt. Zu Paradise gehören auch die Fashion Show Mall und sogar der südlich des Strip gelegene McCarran International Airport sowie das »Welcome to Fabbulous Las Vegas«-Schild. Das Paradies endet einen Block nördlich der Fashion Show Mall an der Desert Inn Road. Nun beginnt das 28.000 Einwohner zählende Winchester, das eine Meile weiter nördlich an der Sahara Avenue seine Grenze zum eigentlichen, dem offiziellen Las Vegas hat. Allerdings gelten Städte wie Paradise als census-designated place, kurz CDP und auf Deutsch: »ein zu Statistikzwecken definiertes Siedlungsgebiet«. Dieser bürokratische Quatsch bedeutet, dass CDP nicht selbstständig sind, sondern in der Regel vom County, also dem Landkreis, verwaltet werden. Verrückt.

Ich schreibe Rachel und Lucas, dem Pärchen aus Flagstaff, das ich im Yosemite National Park kennengelernt habe. Ich teile ihnen mit, dass ich mich mittlerweile in Vegas aufhalte und als Nächstes Flagstaff ansteuern möchte. Sie antworten mir, dass sie mich eigentlich nur noch bis Freitag beherbergen können. Verdammt. So schnell kann und will ich da eigentlich nicht hin. Das heißt somit wohl, dass ich mir für Flagstaff eine neue Couch organisieren muss und die beiden nicht treffen werde. Ärgerlich, sehr ärgerlich.
Ein anderer Couchsurfer, der auf eine meiner Couchanfragen in Los Angeles geantwortet hatte, und sich mit Ford und mir treffen wollte, es aber nie gebacken bekommen hat, schreibt mir. Er ist in L.A. als Filmemacher â€“ als was auch sonst â€“ tätig und teilt mir mit, dass er am Sonntag ein Filmfestival in Long Beach hosten wird. Er lädt Ford und mich dazu ein, woraufhin ich ihn frage, ob er nicht auch noch meinen Film ins Programm aufnehmen kann: »If it has anything to do with porn or bicycles â€¦Â«
Ähm â€¦ nö.
Ein Norweger, der höchstens mein Alter hat, fragt vornehm, ob er sich zu mir an den Tisch setzen darf. Klar doch. Wir kommen ins Gespräch. Er erzählt mir, dass er ein professioneller Pokerspieler ist und bei einem Turnier mitmacht. Der Junge ist mir nicht wirklich sympathisch. Er wirkt wie ein hochnäsiger Spross einer britischen Adelsfamilie. Ich erkläre ihm daher im Gegenzug, dass ich professioneller Backpacker bin und noch keinen Plan habe, wo ich heute Nacht pennen soll. Daraufhin schläft die Unterhaltung etwas ein â€¦ Er hat den Braten gerochen und will mir offensichtlich die Fragen nach dem Kasino, in dem das Turnier stattfindet und dem Hotel, in dem er seinen feinen Hintern bettet, nicht beantworten. Schnösel.
Mein viel zu langes Suchen nach einer Couch wird von Erfolg gekrönt: Ken meldet sich per SMS und will mich bei sich aufnehmen. Ich überlege: Soll ich zur Supermarkt-Barbie oder zu Couchsurfing-Ken? Ich entscheide mich für Ken, weil das, was ich auf seiner Profilseite über ihn herausfinden kann, verheißungsvoll klingt: Er zeigt seinen Gästen offenbar auch gerne mal die Natur rund um Las Vegas und weiß, wie man kostenlos an Showtickets kommt. Er will mich später am Abend abholen und schreibt lustige und lockere Textnachrichten. Ich glaube, mit Ken werde ich gut klarkommen. Bis zum Abend sind’s noch ein paar Stunden. Dementsprechend beginne ich mit einer ersten Tour über den Strip. Das erste Kasino, das ich mir gebe, ist das direkt neben der Mall befindliche Treasure Island. Ãœber eine Rolltreppe im Freien komme ich auf eine Fußgängerbrücke, die über die Spring Mountain Road zum Kasino führt. Rolltreppen, die im Freien auf Fußgängerüberwege führen â€¦ sagenhaft.

Treasure Island (TI)
Das Treasure Island hat denselben Propellergrundriss wie das Mandalay Bay. Die drei Flügel des Gebäudes ragen 36 Stockwerke weit in den Himmel. Jedes der berühmten Kasinos der Stadt ist übrigens auch ein Hotel und versucht, mit imposanten Shows die Massen anzuziehen. Das Treasure Island kann sich damit rühmen, die erste Show des Cirque du Soleil nach Las Vegas gebracht zu haben. 1993, zwei Monate nach der Eröffnung des mit vier Sternen ausgezeichneten Hotels, wurde darin »Mystère« uraufgeführt und läuft heute noch. In Vegas werden übrigens drei Viertel des Umsatzes durch Eintrittskarten für Shows, Souvenirs und Luxusartikel eingenommen, aber nur ein Viertel in den Kasinos. Wer hätte das gedacht?

Ich betrete das Kasino. Es ist riesig und mit unzähligen Spielautomaten ausgestattet. Interessanterweise darf man in den Kasinos dieser Stadt rauchen. Auf den insgesamt 8800 m² gibt es einen riesigen Bereich für Sportwetten, der mit Sofas und natürlich massenhaften und überdimensionalen Monitoren ausgestattet ist. Ãœberall hört man Münzen klingeln, nervige Melodien aus den Automaten ertönen und Leute jubeln, lachen und fluchen. Die meisten Menschen sitzen jedoch ruhig, geradezu gebannt vor den Automaten. Roulette, Blackjack, Poker: Es gibt nichts, was es nicht gibt, um sein Geld aufs Spiel zu setzen.

Es ist recht düster im Kasino. Fenster, durch die Sonnenlicht in die Spielhölle eindringen könnte, gibt es nicht. Sämtliches Licht ist Kunstlicht, sodass man als Spieler sicherlich sehr einfach den Sinn für die Tageszeit verliert.
Die Spielbank versprüht weniger bis überhaupt nicht den Charme einer karibischen Schatzinsel. Bis auf einen Bereich, in dem man eine nicht zugängliche, zweite Etage als Piratennestkulisse inklusive Galionsfigur errichtet hat, enttäuscht die lieblose und nicht themengebundene Aufmache. Das hatte ich mir außergewöhnlicher, bescheuerter vorgestellt. Das 450-Millionen-Dollar-Hotel war wohl auch mal abgedrehter. Allerdings entschied man sich 2003 dazu, seriöser zu wirken und verabschiedete sich größtenteils von der Piratenromantik.

»Implosion Capital of the World«
Ende 2008 wechselte das Treasure Island für lässige 775 Millionen Dollar den Besitzer. Phil Ruffin, der neue Besitzer, war neun Jahre lang der Besitzer des New Frontier, einem Hotel und Kasino, das thematisch dem Western zuzuordnen war und sich auf dem Grundstück nördlich der Fashion Mall befand. Es eröffnete 1942 und wurde 2007 mit einer Implosion dem Erdboden gleichgemacht.

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Dieses Schicksal erleiden viele ausrangierte Hotels, weswegen Vegas nicht nur als »Entertainment Capital«, sondern von manch einem auch als »Implosion Capital of the World« bezeichnet wird.

Größenwahn à la Vegas am Beispiel der dicken Eier des Donald Trump
Ruffin hatte vor der Zerstörung des altehrwürdigen New Frontier einen kleinen Teil des Grundstücks an Donald Trump verkauft. Die restlichen 15 Hektar des Grundstücks konnte Ruffin zu einem abartigen Rekordpreis abstoßen: 1,2 Milliarden Dollar! Noch nie wurde in der Geschichte des Strip so viel Geld pro Quadratmeter ausgegeben. Als ich mich im Treasure Island in den Ãœbergang zum Parkhaus verirre, kann ich durch die â€“ hier dann auch mal vorhandenen â€“ Fenster das 2008 eröffnete Trump Hotel sehen. Der Turm sieht eher nach den hässlichen 1960er Jahren aus. Ein arrogant daherkommender goldener Klotz, an dessen Fassadenoberkante fett »Trump« zu lesen ist. Ein genauso hässlicher Zwilling ist bereits in Planung.
»Ich will überhaupt nicht schön oder kreativ sein«, grinst mich der Kasten fies an, »sondern mit meiner 24-karätigen Goldfassade einzig und alleine Macht, Größenwahn und dicke Eier demonstrieren.«
Ich mag ihn nicht.

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Als Trump mit dem Bau des 64 Stockwerke zählenden Turms begann, machten Gerüchte die Runde, dass er tatsächlich einen auf dicke Hose machen möchte, indem er sein Hotel drei Meter höher sprießen lässt als das bis dahin höchste, bereits bewohnbare Gebäude der Stadt: das Wynn, welches sich nur wenige Meter entfernt, genau gegenüber der Fashion Mall befindet. Als man Trump jedoch darauf ansprach, dass der Stratosphere Tower mit seinen 350 Metern noch immer nahezu doppelt so hoch sei, entgegnete er: »That’s not a building.«
Auf besagten restlichen 15 Hektar des ehemaligen New Frontier ist bis heute noch nichts entstanden. Eigentlich wollten die neuen Besitzer an dieser Stelle für â€“ Achtung, es wird mal wieder abartig â€“ fünf bis acht Milliarden Dollar das Las Vegas Plaza hinzaubern, das ein Replikat des Plaza Hotels in New York werden sollte. Wegen der Finanz- und Immobilienkrise, die ab 2007 die USA heimsuchte, musste man das Vorhaben 2011 jedoch endgültig stoppen. Das Land liegt seither brach.

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Über die nächste Fußgängerbrücke mit Rolltreppe gelange ich auf die andere Straßenseite des Las Vegas Boulevard, in den Nordflügel des Venetian, das sich selbstredend an Venedig orientiert. Vor dem Hauptgebäude, das den in Vegas offenbar üblichen Propellergrundriss aufweist, stehen originalgetreue Nachbauten des Campanile di San Marco, der Ponte di Rialto und des Palazzo Ducale. Ich kann verstehen, wenn einem dieser Anblick nicht zusagt. Ich persönlich finde es amüsant und vollauf spektakulär.

Der Teil des riesigen Komplexes, den ich betrete, ist weder Hotel noch Kasino, sondern ein edler Shoppingpalast. Die Decke ist reich mit Gemälden und zumeist aufgemaltem Stuck verziert. Die Sixtinische Kapelle lässt grüßen. Prächtige Kronleuchter, ein Boden aus Marmor und Brunnen mit Statuen darin und Löwen als Wasserspeiern lassen das Venetian ganz schön edel wirken.

So richtig ins Staunen komme ich, als ich auf einmal vor einem knietiefen Kanal stehe, in dem eine Gondel mit Gondoliere an mir vorbei schippert. Das kann doch nicht euer Ernst sein? Na, immerhin singt er nicht »’O sole mio«. Die Kanäle, engen Gassen und Brücken ziehen sich wie ein Labyrinth durch den Komplex. Wie groß ist das denn bitteschön? Die Raumhöhe beträgt locker zehn Meter und die Decke ist himmelblau gestrichen â€“ inklusive weißer Wölkchen. Das ist so herrlich bekloppt! Die Läden der Shoppingmeile, die von Swarovski bis Bulgari alles abstecken, was ich mir nicht leisten kann, sind in kleinen venezianischen »Häusern« untergebracht, die lediglich aus ihrer Frontfassade samt Balkonen als solche existieren. Die Obergeschosse dieser falschen Häuser sind für den Kunden nicht zugänglich. In jedem Fenster brennt jedoch ein Licht, was den Eindruck erweckt, sich in einer belebten italienischen Stadt zu befinden. Straßenlaternen gibt es auch. Mamma mia.

Das Venetian geht unmerklich in das Schwesterhotel The Palazzo über. Die Grenze dürfte die Piazza sein, wo aus den kleinen zusammenlaufenden Gassen ein großer Raum mit Restaurants und natürlich weiteren Luxusshops wird. Auf einem Balkon sehe ich Luciano Pavarotti stehen. Er sieht aus, als wolle er jeden Moment lossingen, ist aber genauso echt wie das Venedig, durch das ich gerade laufe.

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The Venetian & The Palazzo
Das Venetian gibt es seit 1999 und ragt 145 Meter in die Höhe. Keine drei Jahre zuvor ließ man das Sands Hotel implodieren, um Platz für die italienische Romantik im Wert von 1,5 Milliarden Dollar zu schaffen. Das Kasino ist mit 11.000 m² noch größer als das Treasure Island Casino. Die derzeit präsentierte Show ist »Rock of Ages«.

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Der Uploader des Videos erlaubt kein Einbetten, daher gibt’s hier nur einen Link zur Sands Implosion.

Das einen Tag vor Silvester 2007 eröffnete Palazzo ist mit 196 Metern das derzeit höchste fertiggestellte Gebäude der Stadt â€“ abgesehen vom Stratosphere Tower â€¦ aber das ist ja kein Gebäude. Das Kasino hat eine Fläche von 9800 m². The Palazzo ist mit 645.581 m² das Bauwerk mit der größten Nutzfläche in den Vereinigten Staaten und verdrängte das Pentagon vom Spitzenplatz. Weltweit belegt es in dieser Statistik derzeit den 11. Platz. In der westlichen Hemisphäre hat nur ein Gebäude eine höhere Nutzfläche: das Blumenauktionshaus im holländischen Aalsmeer. Ich werd’ verrückt. Addiert man die knapp 3000 Zimmer des 1,8 Milliarden teuren Palazzo zum Venetian, ergibt sich daraus zudem noch mit über 7100 Zimmern der größte Hotelkomplex der Welt. Impresssionante. Ãœberhaupt befinden sich derzeit 14 der weltweit 20 Hotels mit den meisten Zimmern in Las Vegas.

Im Palazzo sind die Räume hoch, sehr hoch sogar. Ich spaziere eine Galerie entlang und blicke hinab in die beeindruckende Halle. Ich bin leicht überfordert, als ich mich selbst frage, ob ich im Obergeschoss bleiben oder den Anblick von unten bestaunen möchte. Mein Weg führt mich von einer gut und gerne 20 bis 30 Meter hohen Halle in die nächste. Hier steht ein Kunstwerk, das einen Baum in der ewigen Mandel- oder Kirschblüte zeigt und dort ein Brunnen, der von einem Arkadenring umgeben ist und eine rot beleuchtete, zehn Meter hohe Installation in der Mitte trägt. Die Kronleuchter sind nicht wie im Venetian klassisch, sondern höchst modern mit herabhängenden Glitter- und Diamantstreifen, zwischen denen kleine LEDs versteckt sind. Solch eine Lichtinstallation zieht sich dann auch mal die komplette Rolltreppe entlang. Sieht schon stark aus â€¦

Ich verlasse das Edeleinkaufszentrum des weltgrößten Hotelkomplexes an dessen Nordseite. Es ist kurz vor sechs. Die Sonne ist untergegangen und mit ihr die Temperatur stark gefallen. Das ist wohl das Wüstenklima.

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Vor dem Treasure Island steigen Rauchschwaden auf. Ich höre Kanonen knallen und sehe in lila getauchtem Licht ein Piratenschiff, das gerade auf der anderen Straßenseite â€¦ versinkt. Okay? Vor dem Treasure Island gibt es täglich eine kostenlose Show zu bestaunen, die sich »Sirens of TI« nennt. Um 19 Uhr, 20:30 Uhr und 22 Uhr findet im Wasserbecken vor dem Hotel der Schiffskampf statt. Im Winter gibt es um 17:30 Uhr, im Frühling und Sommer um 23:30 Uhr eine zusätzliche Show. Das schaue ich mir demnach bei Gelegenheit noch einmal genauer an.
Anmerkung: Die Show wurde im November 2013 abgesetzt!

Weiter geht’s vorbei an einem kleinen Wasserfall in den flachen Vorbau des Wynn.

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Das Wynn misst 187 Meter, ist dynamisch sichelförmig geschwungen und hat eine beeindruckende Glasfassade mit Farbübergang: Glänzen die unteren Stockwerke in Goldtönen, geht die Farbe dezent zu einem lilaschimmernden Purpurrot in den oberen Regionen über. Der Pomp des Palazzo wird im Wynn fortgeführt, wenn nicht sogar noch übertroffen. Dieses Einkaufszentrum kann man sich wie die nobelste Indoor-Fußgängerzone der Welt vorstellen. Hohe Gänge mit Kuppeldächern, Vorhängen, Perserteppichen und Marmorfußboden.

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Selbst die Toiletten sind aus Marmor und die Wasserhähne golden. Einzelne Waschbecken gibt es nicht, dafür eine stylishe marmorne Piss- â€¦ äh, Waschrinne. Beim Anblick dieses Prunks und dem erstmaligen Erlebnis, vor Staunen mit offenem Mund gepinkelt zu haben, frage ich mich, ob ich mich tatsächlich legal in diesem Tempel bewegen darf. Ich komme mir leicht fehl am Platz vor. Gleich werden sie kommen und mich rausschmeißen â€¦
In Los Angeles fragte mich vor einigen Tagen jemand, was ich an den USA »weird« finde. Da mir spontan nichts wirklich Seltsames einfiel, erzählte mir mein Gesprächspartner, dass er es während seines Aufenthalts in Deutschland als äußerst merkwürdig empfand, dass man für die Nutzung öffentlicher Toiletten zahlen muss. Stimmt: In Amerika kann man überall aufs Klo gehen und bekommt überdies stets Einwegtoilettensitzabdeckungen angeboten. Somit fühle ich mich wieder sicher, wenn nicht sogar â€¦ willkommen.

Ich komme an einer chinesisch anmutenden Bar mit wunderschönen Stofflampen vorbei. Eine halbrunde Rolltreppe führt zur Bar hinab.

Ich bleibe im oberen Bereich, verlasse durch eine der Türen das Gebäude und finde mich vor einer 12.000 m² großen Lagune samt zwölf Meter hohem Wasserfall wieder, dem »Lake of Dreams«.

Wieder zurück im Gebäude, spaziere ich durch einen mit Blumen geschmückten chinesischen Wald, durch den ein roter Drache fliegt.

Ich verlasse den Luxusbau durch den Haupteingang. Die Auffahrt für die schweren Limousinen ist überdacht. Die Decke ist kunstvoll mit Blumen und Ranken bemalt. Ein riesiger, eher rustikal gehaltener Leuchter hängt darunter. Die Straße ist mit schwarzem und braunem Stein gefliest und ich wette, dass auch das Marmor ist.

Wynn
Das Wynn mit seinem 10.200 m² großen Kasino gibt es seit 2005. Weichen musste dafür das 1950 eröffnete Desert Inn, welches das erste Resort in Vegas war, das Howard Hughes jemals gekauft hatte. Hughes erstand das Kasino-Hotel 1967. Nachdem er im Vorjahr zu Thanksgiving eincheckte und die kompletten beiden oberen Etagen mietete, das Hotel aber mit Ablauf seiner zehntägigen Buchung nicht verließ, bat ihn die Hotelleitung, die beiden Stockwerke für die anrückenden High Roller zu räumen. Er verschwand nicht, sondern begann mit den Verhandlungen. Drei Monate und 13 Millionen Dollar später war Hughes der neue Chef des Desert Inn, bis es ihm der damals 29-jährige Steve Wynn 1971 wieder abkaufte. 2001 ließ dieser nun 59-jährige Geschäftsmann das Desert Inn teilweise und 2004 schließlich komplett implodieren.

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2005 war das Hochhaus â€“ nach diesen Eindrücken wenig überraschend â€“ das teuerste Hotel der Welt, das sich der Erbauer und Namensgeber lockere 2,7 Milliarden Dollar kosten ließ. Allerdings wurde es kurz darauf bereits vom über drei Milliarden teuren Empire Palace Hotel in Abu Dhabi übertrumpft. Peanuts.

Ursprünglich wollte Wynn sein Hotel nach Picassos »La Rêve« benennen, das sich in seinem Privatbesitz befindet. Schlussendlich fand er seinen eigenen Namen und seine Unterschrift als Logo wohl aber doch cooler. Dafür heißt die Show, die seit der Hoteleröffnung konstant im Wynn läuft »La Rêve«. Der Regisseur dieser und drei weiterer Shows in Vegas ist Franco Dragone, der durch den Cirque du Soleil Weltruhm erlangte und letzten Endes seine eigene Produktionsfirma, Dragone, gründete. Die Shows, die er vor »La Rêve« leitete waren »O«, »Mystère« und »A New Day â€¦Â« mit Celine Dion.

Wer ist dieser Steve Wynn?
Wynn wurde 1942 als Stephen Alan Weinberg geboren. Als Little Steve sechs Monate jung war, änderte sein Vater den Familiennamen, um antisemitischen Diskriminierungen auszuweichen. 1963 starb der Vater und hinterließ 350.000 Dollar â€¦ Spielschulden. Bis zu seinem Tod verdiente er seine Brötchen mit der Unterhaltung mehrerer Bingo-Stuben in Maryland, die Steve nun übernahm. Offensichtlich machte dieser seine Sache als Geschäftsführer ordentlich, da er sich mit rund 25 Jahren bereits Anteile am New Frontier in seiner neuen Heimat Las Vegas aneignen konnte. Durch den Import von Wein und Schnaps sammelte sich weiterer Reichtum an, sodass er den Chef des Golden Nugget in der Fremont Street von seinem Posten verdrängen konnte und mit 31 Lenzen zum jüngsten Kasinobesitzer der Stadt wurde. Er baute die Spielhölle zu einem noblen Hotel um, was mit einem Male ein völlig neues Klientel anzog. Mit diesem Coup stieg Wynn zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten der Stadt der Sünden auf. Das Mirage war in der Folge das erste Kasino-Hotel, an dessen Bau und Design Wynn beteiligt war. Es galt als großes Risiko, da sich das Konzept voll dem Luxus verschrieben hatte. Doch der Geschäftsmann sollte mal wieder ins Schwarze treffen: Das Mirage wurde ein riesiger Erfolg und löste einen Bauboom am Strip aus, der nicht weniger als zwölf Milliarden Dollar verschlingen sollte. Wynn baute im Laufe der folgenden Jahre noch das Treasure Island, das Bellagio und 2008 das Encore. Das 2,3 Milliarden teure Encore sieht dem Wynn sehr, sehr ähnlich und schließt direkt daran an. Es soll rund 5300 Arbeitsplätze geschaffen haben und sammelte gemeinsam mit dem Wynn so viele Forbes Five-Star Awards wie kein anderes Kasino-Resort dieser Welt. Da kann man es sich als Besitzer auch mal leisten, ein paar Millionen Dollar an Profizocker zu verschenken, um das Kasino feierlich zu eröffnen. Auch die zweimalige Scheidung von derselben Frau, mit der er über 40 Jahre verbrachte, dürfte Wynn weggesteckt oder auch selbst eingeleitet haben, indem er einfach seine wesentlich jüngere Affäre Andrea Hissom ehelichte. Dazu noch Clint Eastwood als Trauzeuge â€¦ ach, es gibt Schlimmeres. Auch die Tatsache, dass Wynn seinen Picasso aus Versehen mit dem Ellenbogen beschädigte, als er ihn für 139 Millionen Dollar verkaufen wollte, kann man dann mal verkraften und sogar eine gewisse Symbolik reininterpretieren. Er behielt das gute Stück, ließ es reparieren, verklagte seine Versicherung, einigte sich außergerichtlich und wird es im März 2013 doch noch verkaufen â€¦ für lässige 155 Millionen. Im Leben des Herrn Wynn lief und läuft also vieles mal so richtig gut. Serendipity.

Ich setze mich auf den obersten Balkon der Fashion Mall und lasse meinen noch immer ungläubigen Blick über den Strip streifen.

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Als ich den Strip in Richtung Norden entlanggehe, will mir ein Alki eine Goldkette verkaufen. Die ist laut seiner fachmännischen Aussage eigentlich 900 Tacken wert. Er bietet sie mir aber für unschlagbare 150 an. Das ist ja geschenkt, freue ich mich und renne zum nächsten Geldautomaten. So muss sich der Gute das zumindest vorgestellt haben, als er auf mich zugetorkelt kam. Er lockert die Belagerung nicht und wankt, noch immer die Kette wild anpreisend, neben mir her. Er lässt erst locker, als ich ihm sage, dass ich ein Backpacker bin, der sich noch nicht einmal ein Hostel jede Nacht leisten kann. Mit einem lässigen Fingerzeig auf meinen dicken Rucksack, der auf meinem Rücken klebt, unterstreiche ich meine Behauptung. Sein Interesse sinkt daraufhin innerhalb von Millisekunden auf null und er zieht ab. So leicht geht das.
Ich passiere das Riviera, das mit seiner runden und mit blinkenden Lichtern überzogenen Fassade in meinen Augen ein anderes, längst nicht mehr modernes Las Vegas symbolisiert. Schön finde ich es trotzdem.

Das Riviera und die Mafia
Das Riviera gibt es bereits seit 1955, womit es eines der ältesten Kasino-Hotels der Stadt ist. Damals war es das architektonisch modernste Kasino der Stadt, da es die übliche, eher mit Motels zu vergleichende Bauweise der anderen Spielbanken brach. Im Riviera auftretende Künstler wie Dean Martin und die beiden Marx Brothers Harpo und Gummo hielten Minderheitsbeteiligungen am Riviera. Unter den verschiedenen Eigentümern des Riviera gab es aber auch den einen oder anderen, der mit der Mafia in Verbindung stand. Einer der ersten Manager war beispielsweise der Chicagoer Mafioso Gus Greenbaum, der zuvor das Flamingo nach der Ermordung von Bugsy Siegel erfolgreich übernommen hatte. Aufgrund seiner schlimmer werdenden Drogen-, Frauen- und Spielsucht verlief seine Zeit als Manager im Riviera hingegen nicht sonderlich erfolgreich, weswegen er Geld veruntreute und dafür schließlich im Dezember 1958 gemeinsam mit seiner Frau die Kehle aufgeschlitzt bekam. Der Auftrag zur Hinrichtung Greenbaums kam wohl von einem seiner früheren Chicagoer Weggefährten: Meyer Lansky oder Tony »Big Tuna« Accardo. So kann’s gehen.

Ungeachtet dieser blutigen Geschichte tanze ich derweil unter dem hell erleuchteten Vordach zu Cyndi Laupers »Girls Just Want to Have Fun«.

Ja, ich habe Spaß und will eigentlich auch noch gar nicht weg vom Strip. Allerdings bin ich mit Couchsurfer Ken verabredet und muss zusehen, dass ich mit dem Deuce zum BTC komme, um den letzten Bus zu erwischen, der mich zum vereinbarten Treffpunkt, der Westcliff Station, bringt. Da der blöde Deuce aber einfach nicht aufkreuzt, was eigentlich alle 15 bis 20 Minuten geschehen soll, werde ich â€“ das weiß ich jetzt schon â€“ den Bus verpassen. Verdammt. Was nun? Ich informiere Ken, der erfreulich entspannt reagiert, und auch der Deuce hat mich mittlerweile doch noch aufgegabelt. Wegen der Texterei mit Ken verpasse ich mein eigentliches Ziel, das BTC. Da der Bus aber eh weg ist, juckt das nun wenig. Also springe ich bei der überdachten Fremont Street Experience ab, die ich erstmals im Dunkeln zu Gesicht bekomme und nun ein wenig erkunden kann, bis ich weiß, was Kens Plan ist.

Fremont Street Experience (FSE)
Anfang der 90er war Las Vegas’ Downtown nahezu tot. 80 % der Kasinos befanden sich auf dem Strip. Gute Ideen mussten her. Die erste Idee, das Raumschiff Enterprise in Originalgröße in die Stadt zu setzen, scheiterte am Boss von Paramount Pictures. Also entschied man sich für die FSE. Das Konzept ging auf und die Touristen verirren sich seither wieder in die Downtown. Das Spektakulärste der vier Blocks umfassenden Fremont Street Experience ist zweifelsohne das Dach: ein an seiner höchsten Stelle 27 Meter hohes und 460 Meter langes Tonnengewölbe, dessen Unterseite eine riesige LED-Anzeigetafel ist. Daher ist die 1995 eröffnete FSE auch erst bei Dunkelheit so richtig übertrieben. Dann nämlich verwandelt sich das gewölbte Dach in die weltgrößte Leinwand und zeigt â€“ zumindest momentan â€“ eine eindrucksvolle Light- und Soundshow. An Silvester findet in der Fremont Street die große Party statt, zu dessen Höhepunkt selbst das Feuerwerk animiert wird. Ob das noch romantisch ist, möge jeder für sich selbst entscheiden. Das Dach heißt »Viva Vision« und beherbergt 12,5 Millionen LEDs sowie 220 Lautsprecher, die zusammen lockere 550.000 Watt benötigen. Da in Vegas auch jedes Kasino 24/7 geöffnet ist und demnach nie die Lichter ausgeknipst werden, frage ich mich, wie viel Energie diese Stadt tagtäglich verschlingen muss.

Downtown Las Vegas
Die Fremont Street gilt also als Las Vegas’ Downtown. Hier wurde 1906 mit dem Hotel Nevada, das heute Golden Gate heißt, das erste Hotel der Stadt eröffnet. Es folgten das erste Telefon, die erste befestigte Straße, die erste Glücksspiellizenz der Stadt, Vegas’ erste Ampel, das erste Hochhaus, der erste Aufzug und das erste Kasino mit Teppichboden. Ein Wahnsinn. Heute kann man in der Fremont Street Stevie Wonder, Gene Simmons von KISS, einen bronzenen Cowboy oder auch die Transformers antreffen. Auf einem, im Freien stehenden Tresen, schwingen zusätzlich noch Go-go-Girls die Tanzbeine und vor allen Dingen ihre Hüften. Und wer zu faul zum Laufen ist, kann unter der Decke, in alter Spielplatzmanier, auf einem Pendelsitz per Seilbahn zum anderen Ende der Straße schweben. Mit der temporären Attraktion »Flightlinez« legt man in knapp 18 Metern Höhe gute 250 Meter mit bis zu 50 km/h zurück. Verrückt. Der kleine Junge, der bewegungslos über mir baumelt, hat es mit dem Speed offensichtlich indes nicht so raus. Dumm gelaufen, denke ich mir und frage mich, wie er von da jetzt wieder wegkommt. Vielleicht holen sie ihn ja wieder runter, wenn die »Flightlinez« Ende Juni ihre Zelte beziehungsweise Seile abbrechen und für eine neue Attraktion Platz machen müssen.
Die Kollegen, die einst die erste Ampel auf der frisch befestigten Straße anknipsten, dürften angesichts dessen, was hier heute los ist, leicht überfordert sein.

Als ich das östliche Ende der FSE erreiche, möchte Ken wissen, wo ich nun bin. An der Ecke Fremont und Las Vegas, antworte ich.
»Oh shit.«
Hm? Er schreibt, dass ich in ein Kasino gehen soll und er dort zu mir stoßen wird. Nun bin ich etwas irritiert: Da Ken morgen arbeiten muss, will er eigentlich gegen 21 Uhr in die Heia. Jetzt ist es acht. Ist er plötzlich doch noch partywütig? Die SMS klingt auf jeden Fall mal sehr feierlaunig. Cool!
Die Fremont Street scheint entweder nicht so sein Ding zu sein oder man findet in dieser Gegend schlicht keinen anständigen Parkplatz. Daher bestaune ich nur kurz die markanten Leuchtreklamefiguren am Beginn des Fremont East District, der östlich des Las Vegas Boulevard beginnt, und marschiere alsbald und schnellen Schrittes den Boulevard in Richtung Süden, um rasch ein Kasino für unsere Kennenlernparty klarzumachen.

Zwischen der Fremont Street und dem Strip finde ich wider Erwarten eine große Wüste vor. Nichts los hier! Es ist sogar regelrecht dunkel. Parkplätze und tatsächlich noch unerschlossenes oder wieder platt gewalztes Bauland umgeben mich. Wie weit muss ich denn auf einmal laufen, um endlich das zu finden, wovon ich den kompletten Tag über regelrecht erschlagen wurde? Ken schreibt wieder und fragt, in welchem Kasino ich nun bin. Hm, noch immer auf der Straße.
»Where?«
Bei der 7-Eleven-Tanke an der Ecke Charleston und Las Vegas Boulevard.

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Ich soll mich nicht bewegen. Also warte ich. Wenig später kommt ein weißer Wagen vorgefahren und Jim Carrey steigt aus. Er grüßt mich! Und nein, das ist doch nicht Jim Carrey â€¦ Das ist Ken. Ich packe meinen Rucksack in seinen Kofferraum und los geht’s! Ich frage mich, wo wir wohl mit unserer Party beginnen, wage es aber nicht, Ken zu fragen. Der konzentriert sich nämlich voll und ganz auf den Verkehr. Ich amüsiere mich daher eher darüber, dass er wie Jim Carrey aussieht â€“ mit der übertriebenen Mimik wie in »Ace Ventura«, aber dezenterer Frisur.
Ken biegt hier ab, Ken biegt da ab und plötzlich geht’s auf den Freeway. Hm, das sieht weniger nach Party als vielmehr nach Heimweg aus. Leider soll ich recht behalten. Der Treffpunkt Kasino wurde nicht zum Feiern ausgemacht, sondern um mich abzuholen. Schade.
Ken hat eine seltsame Art zu reden. Er wirkt übertrieben bedacht, wenn er redet und ich werde das Gefühl nicht los, dass er versucht, besonders sexy zu wirken. Ich habe wenig Zweifel daran, dass er schwul ist. Auf jeden Fall ist er, selbst nachdem wir auf den Freeway kommen, schwer konzentriert. So dolle ist der Verkehr doch gar nicht. Ein Auto fährt auf der Spur links neben uns. Grund genug für Ken, um seltsam auszufreaken. Warum, verstehe ich nicht so recht. Er scheint zu befürchten, dass sich der Wagen vor ihm einordnen könnte: »No, you can’t. You can’t«, beschwört er unsinnigerweise in nach wie vor bedacht langsamer Sprache und unglaubwürdig erotischer Stimmlage den anderen Fahrer. Warum auch immer. Der Wagen neben uns macht zudem überhaupt keine Anstalten, die Spur zu wechseln. Ken bleibt unentspannt: »I’m a better driver when I’m drunk.«
»Haha!«, lache ich und frage mich dabei, ob ich langsam auch weniger entspannt sein sollte. Zweimal bin ich bislang nur haarscharf einem Autounfall entkommen. Zum Glück bin ich nicht abergläubisch.
»I’m living in Las Vegas for seven years now â€“ and crashed six cars. I’m a horrible driver.«
»Ha â€¦ ha.«
Der Aberglaube feixt mir ins Gesicht.
»I saw an accident on my way downtown. Right here.«
Er deutet mit dem Finger auf die uns entgegenkommenden Autos.
»A truck fell on a car. The guy in the car died.«
»Hm, shit.«
Letzteres denke ich mir auch jede weitere Meile, die wir uns vom Strip entfernen. Wo wohnt mein Gastgeber denn? Wir fahren und fahren â€¦
Ken ist seit einem knappen halben Jahr Couchsurfer und liebt es. Er hat schon über 40 Leute beherbergt. In einem halben Jahr? Nicht schlecht. Schon wieder so ein Hardcore-Couchsurfer â€¦ Ken war mir wegen seiner SMS anfangs sehr sympathisch. Er schien lustig zu sein. Nach sehr kurzer Zeit ist er mir aber ehrlich gesagt ziemlich unsympathisch und dazu sogar noch ein wenig unheimlich. Die Unterhaltung läuft â€“ nicht zuletzt wegen seiner übertriebenen Konzentration während der Fahrt â€“ schleppend. Zudem erzählt er lieber von sich selbst, als eine echte Konversation zu suchen. Er berichtet, dass seine Familie ihn nicht sonderlich mag und sich alle denken, dass er gestört sei, weil er nach Vegas gezogen ist. Er hingegen freut sich, der Erste zu sein, der es aus dem Heimatkaff in eine anständige Stadt geschafft hat. Ich gehe derweil den Gedanken der Eltern durch und frage mich auch, ob Ken ein wenig gestört ist. Weiter geht’s im Monolog: Diesmal geht’s um Ärsche, Titten und willige Weiber. Seinen dumpfbackenen Machismo kaufe ich ihm ebenso wenig ab wie seine Heterosexualität. Anscheinend will er mir aber irgendwas beweisen, was mir vollkommen egal ist. Was kümmert’s mich, auf welches Geschlecht er steht? Homophobie ist was für Idioten.
Irgendwann ist es endlich geschafft und wir erreichen sein Haus â€“ wo auch immer das nun ist. Die einzige Orientierung, die ich mir während der Fahrt einprägen kann, ist das Suncoast Hotel and Casino, das in einiger Entfernung aus der Landschaft ragt. Das liegt aber auch bereits Meilen zurück. Ich glaube, dass wir in einem Randbezirk von Summerlin sind. Summerlin ist eine Planstadt, die westlich von Las Vegas von der Howard Hughes Corporation aus dem Boden gestampft und nach Hughes’ Großmutter benannt wurde. Quasi direkt hinter Kens Haus erheben sich karge Felshügel. Dahinter dürfte nur noch Wüste sein.
In Kens Haus erwartet uns ein ziemlich hässlicher Hund: Dilbert. Aha, interessanter Name. Noch interessanter ist jedoch, wie Ken mit seinem Hündchen kommuniziert. Das wirkt schon â€¦ seltsam. Ich würde es irgendwo zwischen grenzdebil und pervers einordnen. Er knuddelt den Vierbeiner ununterbrochen und fordert nach Küssen: »Give me a kiss, Dilbert. Kiss, Kiss!«
Oje.
»Now kiss Dennis. Come on, Dilbert. Kiss Dennis!«
Oje!
Als er aufhört, mir Dilbert ins Gesicht zu drücken, erzählt mir Ken stolz, wie er den niemals bellenden Hund bekommen hat. Dilberts Schweigen kann ich in Kens Gegenwart indes uneingeschränkt nachvollziehen. Kens und Dilberts Geschichte ist aber â€“ ausnahmsweise â€“ wirklich mal eine sympathische. Ken ist vor zwei Jahren in ein Tierheim gefahren und hat nach den Hunden gefragt, die eingeschläfert werden sollen, weil sich kein neues Herrchen finden ließ. Die Angestellten waren verwundert, zeigten ihm aber die armen Geschöpfe. Ken macht mir vor, wie er über die »Green Mile« stolzierte, Dilbert erblickte und sich sofort für ihn entschied. Die kurze Theatereinlage des »Strange Man Walking« ist ebenfalls leicht wunderlich. Als er fertig ist, schnappt er sich wieder den kleinen Dilbert und knuddelt ihn: »I saved your life, Dilbert. They wanted to kill you, but I rescued you. You’re alive because of me â€¦Â«
Oje. Vielleicht ist die Geschichte doch nicht vollkommen liebreizend. Ich werde das Gefühl nicht los, dass Ken von seiner Umwelt auf ekelhafte Art und Weise Gefolgschaft und Verehrung verlangt. Mit Dilbert scheint’s zu klappen.
Wir setzen uns auf seine Couch im ersten Stock. Ken bewohnt ein komplettes Haus. Deswegen konnte er auch bereits zehn Couchsurfer auf einmal beherbergen. Zehn Gäste zur selben Zeit? Oje. Das war aber auch für ihn zu viel, ergänzt er. Der sich selbst als Alkoholiker bezeichnende und als Lehrer arbeitende Ken mixt sich eine Whiskey-Cola. Warum sind so viele Lehrer â€“ offensichtlich weltweit â€“ so trinkfreudig beziehungsweise gleich alkoholkrank? Ich habe noch eine Obdachlosenweinflasche aus Los Angeles, im Wert von drei Dollar, in meinem Rucksack und biete sie ihm quasi als Willkommensgeschenk an. Daraufhin erzählt er mir die Geschichte eines Couchsurfers, der ihm Chips und irgendeinen crappy booze geschenkt hat.
»I told him: ›Thank you for the chips.‹ And he said: ›I also brought you alcohol.‹ I repeated: ›Thank you for the chips.‹ He was irritated and showed me the alcohol again. So I let him know that I don’t drink such a shit. â€“ Not enough alcohol. I drink whiskey.«
Nett.
Nachdem er mit dem Mixen seines Drinks fertig ist, fragt er mich, was ich trinken möchte. Ich deute höflich auf seine Whiskeyflasche. Er reagiert nicht.
»Do you want the shit the other couchsurfer brought me?«
»Uhm â€¦Â«
»Or we open your wine!«
»Okay?«
Also bekomme ich meinen ungekühlten Weißwein eingeschenkt. Keine Chance auf Whiskey-Cola. Was soll’s. Ich will mir sowieso nicht die Kante geben. Dafür fühle ich mich bereits jetzt zu unwohl in Kens Haus.
»What kind of music do you listen to? Do you like Whitney Houston?«
Ähem â€¦ »I’m more into punk and hardcore«, antworte ich wahrheitsgemäß.
»I love Whitney«, entgegnet er unbeeindruckt. Wahrscheinlich hat er gar nicht erst zugehört. »Oh, and I miss her! When Michael Jackson died, five shows about his life popped up. But not a single one about Whitney. Isn’t that weird?«
»Hm.«
Ken erzählt mir, dass Whitney ermordet wurde und nicht etwa â€“ wie die Medien einen glauben machen wollen â€“ an einer versehentlichen Ãœberdosis gestorben ist. Ken hatte mir bereits per SMS angekündigt, dass er Sänger ist und mir etwas vorsingen wird, damit ich ihn für meinen nächsten Film engagiere. Tja, mit dem Casting möchte er offensichtlich nicht zu lange warten und legt eine Karaoke-DVD ein. Die ersten Töne erklingen und ich denke mir wenig überrascht, aber dennoch in Schock erstarrend: »Fuck. Whitney Houston.«
Neben mir sitzt ein Mittdreißiger, der wie Ace Ventura aussieht und mir zehn Minuten nach unserer Ankunft »I Will Always Love You« vorsingt. Das ist alles ein bisschen strange â€¦
Nach fünf Minuten ist die Show endlich vorbei. Auf den Bildschirm musste er sich nicht allzu sehr konzentrieren, denn den Text kennt der Musiklehrer auswendig: »I’m working on a show. It’s gonna be a huge show about Whitney.«
»Wow.«
Als Vorortmusiklehrer hat er sicherlich Kontakte in die edelsten Kreise, denke ich mir und freue mich über seinen künftigen Erfolg.
»I hosted a guy from Korea in December. We watched Whitney’s last movie. I sat here â€“ so in love â€“ and this guy always wanted to talk!«
»I also don’t like it when people talk during â€¦Â«, mein Versuch aus dem Monolog einen Dialog zu machen scheitert, denn Ken plaudert einfach weiter: Jedes Mal wenn der Koreaner seinen Mund aufmachte, drückte Ken auf den Pausenknopf und steigerte sich exponentiell in Genervtheit, bis er ihm schließlich das Reden verbot. Alles klar, die Message ist angekommen. Allerdings werde ich mich einfach nicht neben ihn setzen, wenn er sich einen Film angucken will. Ich bin doch nicht nach Vegas gekommen, um mir Whitney-Houston-Filme anzugucken!
»I saved your life, Dilbert. Now, give me a kiss â€¦Â«
Ich habe mein eigenes Bett in meinem eigenen Zimmer. Sogar ein eigenes Badezimmer bekomme ich. Das ist cool und fühlt sich auch sicherer an. Ken holt Bettwäsche. Ich lasse ihn wissen, dass ich mein Bett alleine beziehen kann und er sich keinen Stress machen soll.
»We can make it together.«
»Yeah. Great.«
»I’m looking forward to the weekend. I have to work tomorrow, but we can make party throughout the whole weekend.«
Ach, das wird sicherlich super â€¦ Bin ich jetzt ein Arsch, weil die Dankbarkeit fürs Beherbergen bereits in pure Ablehnung umgeschlagen ist? Ich lasse es Ken nicht spüren â€“ hoffe und glaube ich. Wäre ich doch besser mal zu Barbara gegangen. Die wohnt auch nicht am Wüstenrand, sondern nach eigener Aussage nur unweit des Charleston Boulevard. Ach, Barbara â€¦
Ich schließe die Tür und träume von hässlichen Hunden, die gezwungen werden, mich sexuell zu belästigen, während Jim Carrey sich vor meiner Tierheimtodeszelle Whiskey-Cola hinter die Binde kippt und mir mit verliebtem Blick »I Will Always Love You« vorsingt. Als ich aufwache, liege ich zerstückelt in einer Grube inmitten der Wüste. Jim singt noch immer und neben mir liegen Whitney Houston und Kevin Costner. Na super. Vom Mitfahren bei Fremden wird in Nevada übrigens dringend abgeraten. Ein Glück, dass Serendipity für gewöhnlich auf meiner Seite ist, sonst würde ich kein Auge zubekommen. Süße Träume â€¦

Anmerkung:
Kens Name wurde von mir geändert.

 
Quellen
Infos zu Nevada, Las Vegas, sämtlichen Hotelkasinos, Promis und Gebäuden, sowie dem Heart Attack Grill: Wikipedia
Weitere Informationen zum Heart Attack Grill: heartattackgrill.com
Informationen zum Thema Scheidung und zur Scheidung von Clark und Ria Gable: divorceseekers.wordpress.com
Informationen über Steven Wynn: Wikipedia, forbes.com, reviewjournal.com, divorcesaloon.com

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