Meine Straßenleser-Tour ist vorerst beendet … Ein Bericht.
My Tour as Germany’s First Street Reader Is Over for Now … A Report. [In German Only]
Ich bin wieder zurück in Berlin und habe ein paar schöne und schräge Tage erlebt. Ein Video-Tourtagebuch habe ich diesmal nicht gedreht. Dafür berichte ich gerne schriftlich von den zurückliegenden sechs Tourtagen:
Berlin, 31. August 2016
Nachdem ich 2016 – wie bereits berichtet – mit einigen Rückschlägen und Problemen zu kämpfen hatte, hatte ich bereits die Befürchtung, in diesem Jahr keine Tour mehr starten zu können. Die Entscheidung dann doch wieder auf Tour zu gehen, kam sehr spontan: Meine Freundin Julia musste in Richtung Mainz, von wo aus sie mit Freunden in einen Kurzurlaub gen Süden aufbrechen wollte. Allerdings gab es eine Planänderung bei ihrer Mitfahrgelegenheit, weswegen sie sich eine neue Option suchen musste, um pünktlich in Mainz anzukommen. Da die Optionen allesamt nicht so wirklich geil waren, bot ich ihr an, sie nach Rheinhessen zu bringen.
Das war ungefähr zehn Stunden vor der Abfahrt, die nach zweistündigem Schlaf in aller Frühe beginnt. Kotz.
Mittwoch, 31. August 2016
Alzey
Nachdem ich in der Nacht noch sämtliche Zeitungen meiner anvisierten Städte angeschrieben habe, lautet mein Plan wie folgt: Ich fahre Julia nach Mainz, besuche meine Eltern in Alzey und reise als Deutschlands erster Straßenleser über Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg wieder zurück nach Hause.
Als ich in Alzey ankomme, ist meine Stimme schon reichlich angeschlagen. Grandiose Voraussetzungen für die erste Straßenlesung in meiner rheinhessischen Heimatstadt. Aufgrund der Spontaneität der Tour rechne ich nicht damit, allzu viele Rückmeldungen von den angeschriebenen Zeitungen zu erhalten. Aber wofür gibt es Facebook? Zu meiner Überraschung finden tatsächlich einige Alzeyer den Weg zum Roßmarkt, wo ich ab 17 Uhr aus »Serendipity – Die unverhofften Glücksfälle eines Backpackers in den USA« vorlese. Die Lesung macht Spaß, ich verkaufe Bücher und habe nach meiner Lesung auch etwas Kleingeld in meinem »Spendenrucksack«. Zwei Alzeyerinnen sind besonders cool und drücken mir nach meiner Lesung je fünf Euro in die Hand. Ein: »Vielen Dank für die gute Unterhaltung«, wird ebenso noch dazugegeben wie: »Eine wirklich schöne Lesestimme. Da hört man gerne zu!«
Und ich lese gerne vor solchen Menschen. Kleinstädte! Ich glaube, meine nächste Tour wird eine reine Kleinstädte-Tour.
Als ich nach der Lesung meinen Eltern und meiner Bekannten Ines erzähle, dass ich dummerweise meinen Lesehocker in Berlin stehengelassen habe, bekomme ich von Ines einen Campingstuhl geschenkt. Vielen Dank noch mal, liebe Ines! Der Stuhl war sehr hilfreich und stabil. 🙂
Donnerstag, 1. September 2016
Mönchengladbach
Ich war noch nie in Gladbach. Und ehrlich gesagt, wüsste ich nicht, weswegen ich (für eine Straßenlesung oder in meiner Freizeit) noch mal hinfahren sollte. Die Innenstadt ist unhübsch und die Menschen, denen ich begegne, sind … seltsam. Ich frage beispielsweise ein jugendliches Pärchen, wo denn hier ein zentraler Marktplatz zu finden sei oder ein Ort, an dem viel los ist. Mit Beendigung meiner Frage sehe ich die beiden sich plötzlich in Zombies verwandeln: »Äh … ähä … ääh. Bismarckplatz?«
»Bismarckplatz.«
»Ähä.«
»Wo ist der?«
Die beiden zeigen in Zeitlupentempo in die Richtung, in die ich sowieso gerade spaziere.
»Ich laufe direkt darauf zu?«
»Rechts. Da … äh.«
Der Bismarckplatz stellt sich einige Minuten später als ein verlassener (Park-)Platz ohne Geschäfte, aber mit zwei Bushaltestellen heraus. Toller.
Ich bin den beiden Zombie-Kids vor dem Minto-Einkaufszentrum begegnet. Der Bereich vor der Mall wirkt noch am lebendigsten in dieser Stadt. Die Lesung läuft dennoch sehr zäh. Ich habe zwar den ein oder anderen Zuhörer, Bücher kaufen oder Kleingeld loswerden, will aber offensichtlich niemand. Auch nicht der glatzköpfige Anzugträger, der das Minto verlässt und schnellen Schrittes zu mir gestapft kommt. Der will dann allerdings doch etwas von mir und teilt mir dies in herrlichstem Westfälisch mit: »Du kannst hier nicht vor dem Minto-Center einfach irgend’ne Aktion starten, Sachen verkaufen und rumplärren. Wir haben hier Gastro! Die Leute beschweren sich!«
Ja, fick du dich auch. Die Menschen, die ich in den umliegenden Cafés beobachten konnte, wirkten übrigens sehr entspannt und im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich den Typen nicht einfach gefragt habe, was der Bürgersteig eigentlich mit dem Minto-Center zu tun hat und er sich gerne verdrücken darf. Aber dann wäre vermutlich das Ordnungsamt angerückt und hätte mir ein Bußgeld reingedrückt. Naja. Gladbach? Braucht kein Mensch. Oder um es mit den Worten des weltreisenden Fotografen Patrick Wendt aus Bochum zu sagen: »Gladbach ist seelenlos und voller seltsamer Menschen. Ich wüsste keinen Grund, dort hinzufahren …«
Duisburg
Da ich ab Gladbach in gefühlter Schrittgeschwindigkeit durch den Feierabendstau in den Pott juckele, erreiche ich Duisburg viel zu spät. Zumindest denke ich das. In Wirklichkeit wird sich meine Ankunft gegen 21 Uhr aber als großer Glücksgriff erweisen. Ich schlendere mit meinem vollgepackten Rucksack und meinem vor mir getragenen Schild, welches darüber aufklärt, wer ich bin und was ich mache, durch Duisburgs Fußgängerzone und erreiche den König-Heinrich-Platz. Hier ist noch einiges los. Dummerweise ist es jedoch bereits dunkel. Die Schaufenster von Karstadt beleuchten indessen die Fläche vor dem Geschäft. Optimal, denke ich mir, muss dann aber feststellen, dass ein Dreadlock-Hippie und ein Mann um die 60 und ’ner Bierflasche in der Hand den Platz bereits für sich beanspruchen und auf einer portablen Bank sitzend Musik hören. Verdammt. Ich will mich gerade nach einem anderen Platz umsehen, als beide mir plötzlich hinterherrufen und -pfeifen: »Ey! Typ mit dem Schild! Wir wollen lesen, was da drauf steht! Komm her!«
Als (Straßen-)Künstler sollte man auf solch forsche Forderungen eingehen. Das weiß ich aus Erfahrung. Nicht immer, aber doch öfter als man denkt, entwickeln sich aus solchen Situationen nämlich Erlebnisse. Und diese Situation sollte sich zu genau solch einem Erlebnis entwickeln.
Es dauert keine 20 Sekunden bis ich Ines’ Campingstuhl ausklappe und mich neben die Jungs setze. Der Hippie ist ein Jahr jünger als ich und seit acht Monaten auf Reisen. Als ich ihn frage, wo er herkommt, antwortet er hippiegereicht: »Das ist egal. Ich bin Weltbürger und überall zu Hause.«
Er nennt sich Muffin und verdingt sich ebenfalls als Straßenkünstler. Er jongliert und schleudert bunt leuchtende Pois. Der neben Muffin sitzende Stephan ist ein weitaus ruhigerer Zeitgenosse und ein herzensguter Kerl. Wenn er den Mund aufmacht, verteilt er gerne Komplimente, singt »Schrei nach Liebe« von den Ärzten (allerdings nur »Arschloch«, ansonsten singt er nur »lalala«), offenbart seinem Gegenüber seine Werschätzung oder nimmt ’nen Schluck aus seiner Lidl-Plastikpulle. Die restlichen Flaschen verteilt er großzügig an Muffin, mich und Hartmut, den »Ketzer«. Der Ketzer, 50 Jahre jung, stößt wenige Minuten nach meinem Hinsetzen zu uns. Erst denke ich, dass er Muffins Sozialarbeiter ist, der ihm Ratschläge gibt. Dann geraten der Ketzer und Stephan kurz verbal aneinander, was kurz darauf mit großen Entschuldigungsbekundungen, viel Respekt und Höflichkeit ad acta gelegt wird. Der Ketzer ist kein Sozialarbeiter. Ich habe bis heute keine Ahnung, was der Ketzer macht. Der Ketzer ist wortgewandt und haut eine Lebensweisheit und Affirmation nach der nächsten raus. Seine Sprüche stammen teilweise aus Büchern und teilweise entspringen sie seinem eigenen Hirn. Es macht auf jeden Fall Spaß, ihm zuzuhören – auch wenn man nicht all seine Meinungen teilt.
»Ihr seid alle soweit echt okay«, würde Stephan wohl sagen. Und der Ketzer würde antworten: »Wisst ihr, dass wir alle Siegertypen sind? Alle?«
Muffin, den wirklich jeder in Duisburg zu kennen scheint, hatte in letzter Zeit hingegen viel Pech. Im Laufe des Abends frage ich mich immer öfter, wo er denn nun herkommen mag. Für mich klingt er nach typischem Ruhrpott. Allerdings bin ich in Berlin auch schon einem Saarländer begegnet, der vor zwei Jahren in die Hauptstadt gezogen ist und nun nur noch Berlinisch redet. Was ich übrigens ziemlich affig finde. Muffin macht auf mich aber nicht den Eindruck, einen Dialekt zu kopieren. Also frage ich nach und höre seine Geschichte, die mit einem Seufzer beginnt: »Ach, ich habe ja gesagt, dass ich seit acht Monaten unterwegs bin. Ich komme aus Kamp-Lintfort.«
»Du bist aus Kamp-Lintfort?«, fragt Stepahn ungläubig dazwischen.
»Wo genau liegt das?«, frage ich, bilde mir aber ein, bereits zu wissen, dass es tatsächlich im Pott liegt.
»25 Kilometer von hier.«
Oh.
»Ich hab ein Mädel kennengelernt. Wir sind dann gemeinsam nach Kroatien, was super schön war. Dann ging’s wieder zurück nach Duisburg und gemeinsam nach Ostfriesland. War auch schön. Nur hat mein Mädchen dort einen anderen Typen kennengelernt und zu mir gesagt, dass ich nun alleine weiter muss. Also bin ich wieder zurück nach Duisburg, war dann noch kurz in Wiesbaden und schon wieder zurück nach Duisburg. Was ich auch mache: Ich komme immer wieder hierher zurück. Ich weiß auch nicht, warum ich das mache. Als ich vor acht Wochen wieder hier angekommen bin, lief’s dan total beschissen: Ich weiß nur noch, dass ich im Zug oder am Bahnhof umgekippt bin und dann mit einer Blutvergiftung im Krankenhaus wach wurde. Aber ich mag Duisburg. Und vor allen Dingen dieser Platz. Das ist mein Platz. Ich bin jeden Tag hier und mache Straßenkunst. Vor ein paar Tagen habe ich hier Hunderte Kerzen aufgestellt. Ich hab aus den Kerzen das Yin-und-Yang-Zeichen gebaut. Das kam voll gut an und war total schön! Jetzt plane ich was Neues. Solange male ich die Steine an. Wäre das nicht geil, wenn hier jeder Stein mit Edding bemalt würde? Jeder Duisburger oder jeder, der hier vorbeikommt, kann sich hier verewigen.«
»Und wieso?«, fragt der Ketzer.
»Na, weil’s total bunt wäre und jeder was hierlassen würde.«
Irgendwann loben die drei zum wiederholten Male meine Idee der Straßenlesung in den Himmel, bis ich schließlich anmerke, dass sie ja noch keinen Plan davon haben und somit nur schwer beurteilen können, ob ich wirklich – wie sie gerne anfügen – ein Künstler oder eher ein ziemlicher Depp bin: »Soll ich jetzt mal eine Straßenlesung halten?«
Die drei freuen sich richtig und springen plötzlich auf: Muffin zaubert von irgendwoher plötzlich einige Decken, Stephan macht es sich direkt auf einer gemütlich und der Ketzer zieht über den Platz: »Hört! Hört! Der Straßenleser beehert uns! Hört! So höret doch! Kommt her und hört zu! Deutschlands erster Straßenleser ist in Duisburg!«
Ich finde die drei so cool.
Tatsächlich schaffen es der Ketzer und Muffin einige Zuhörer anzuschleppen, die es sich auf den Decken bequem machen. Muffin drapiert noch seine leuchtenden Pois um meinen Spendenrucksack und schon beginnt eine sehr schöne Lesung mit lachendem und applaudierendem Publikum. Inmitten der Lesung gesellt sich eine gut zehnköpfige Gruppe zu uns. Die Jungs sind gut gelaunt, lachen und klatschen öfter mal. So schnell wie sie gekommen sind, verschwinden sie aber auch wieder. Wie sich kurz darauf herausstellt, verschwinden die Säcke jedoch mit Muffins Tablet und einer Tasche des Ketzers. Wie erbärmlich Menschen doch sein können.
Besonders Muffin trifft der Verlust hart: »Als ich am Bahnhof umgekippt bin, wurde mir bereits meine Tasche mit meinem Laptop und massenhaft Musik geklaut. Auf dem Tablet war das letzte Bisschen Musik, das ich noch besitze. Und jetzt ist auch die weg. Verdammt, wie soll ich denn so Jonglieren? Ohne Musik?«
Liebe Leser, falls Ihr einen MP3-Player oder Ähnliches zu viel habt und es Euch demnächst nach Duisburg verschlagen sollte … Muffin ist einer von den Guten. Ihr könnt diesen Aufruf auch mit dem Hashtag #MusikfürMuffin supporten. Vielleicht klappt’s ja. Wäre großartig.
»Vor ein paar Jahren bin ich noch im Anzug zur Arbeit gefahren. Da hätte ich Straßenkünstler wie dich eher Nase rümpfend beäugt. Aber das war nicht ich.«
Ich denke, dass Muffin noch immer sucht. Und ich wünsche ihm alles erdenklich Gute bei der Suche.
Der Ketzer will mich unbedingt zu sich nach Hause einladen. Nach reiflicher Überlegung lehne ich das freundliche Angebot aber ab und lasse Hartmut alleine nach Hause fahren. Ich will morgen früh raus, damit ich mein straffes Programm durchziehen kann. Und der Ketzer hat bereits angekündigt, was er mir gerne alles zeigen möchte. Ich hätte schon Lust drauf … aber ein anderes Mal. Nach Duisburg komme ich auf jeden Fall gerne wieder. Bevor er sich aufmacht, lässt mich der Ketzer noch den Spruch des Tages aus seinem Affirmationsbuch lesen und rappt (!) sein Anti-AKW-Credo. Selbstgeschrieben.
»Es war super. Du bist super! Rees und Xanten, Kleve und Goch: Das ist goldener Boden für dich. Die werden dich lieben! Das sind Kultursäcke von der Gutmensch-Rotwein-Fraktion. Nicht nur Kulturbeutel vonne Flaschbierabteilung. In Rees kenne ich liebe Menschen, die dir weiterhelfen. Bleib das Wochenende noch in Duisburg! Kannst jederzeit zu mir kommen. Aloha.«
Spricht’s und verschwindet. Kleinstädte. Kleinstädte … Ich werde es auf meiner nächsten Straßenleser-Tour probieren.
Als ich mich von Stephan und Muffin verabschiede, wird Stephan ganz traurig: »Dennis, ich wünsche mir, dass du länger bleibst. Dass du dich wieder zu mir setzt, das wünsche ich mir.«
Die Situation ist rührend und ich bin versucht, Stephans Wunsch zu erfüllen. Doch ich weiß, wenn ich jetzt noch ein, zwei Stunden sitzen bleibe, kann ich meinen morgigen Tagesplan in die Tonne treten. Ich drücke Stephan zum Abschied und schenke Muffin ein Exemplar von »Serendipity«. Dieser kriegt sich kaum noch ein, herzt das Buch, drückt mich und ruft mir – als ich schon 50 Meter entfernt bin – hinterher: »Ich habe heute vielleicht meine Musik verloren, aber ein Buch gewonnen. Danke!« ❤️
Freitag, 2. September 2016
Essen
Ich fahre ab sofort und bis nach Berlin nur noch über Land – was im Ruhrgebiet auf der Strecke Duisburg–Essen heißt, dass ich durch Mülheim an der Ruhr fahre. So vermeide ich zum einen Staus und zum anderen sieht man so viel mehr von Deutschland … und eben auch Mülheim. Bereits bei meiner ersten Etappe im Mai bin ich fast ausschließlich über Land gefahren. So macht Autofahren einfach viel mehr Spaß.
In Essen ist Markt und das ist in der Regel sehr gut für einen Straßenkünstler. Neben dem Stand der wie passend – Essener Zeitung ist noch Platz für mich und meinen Verstärker. Die beiden Vertreter der Zeituung bekunden auch direkt ihr Interesse an meiner Aktion. Gerade als ich mit dem Aufbau fertig bin, blökt mich eine Eisverkäuferin an, deren Stand gut zehn Meter gegenüber von mir steht: »Das können sie gleich mal wieder einpacken! Auf so etwas habe ich absolut keine Lust. Da bekomme ich Kopfschmerzen von. Ständig diese Musik …«
»Ich mache gar keine Musik.«
Nach einer zweisekündigen Pause giftet sie weiter: »Was? Und was machen sie? Lesen? Will ich auch nicht. Kopfschmerzen! Gehen sie weg!«
»Das hätten sie mir auch sagen können, bevor ich aufgebaut habe, oder?«
»Das ist doch schnell wieder eingepackt: Hauen sie ab!«
Die Frau hat natürlich nicht das Recht, mich des Platzes zu verweisen. Von einer Lesung mit einer dazwischenbrüllenden Querulantin bekomme am Ende aber ich Kopfschmerzen, fürchte ich, und baue mich 50 Meter entfernt auf. Zuvor gehe ich aber noch einmal kurz zu der Dame und richte ihr aus, dass man sein Anliegen auch respektvoll und mit Freundlichkeit kundtun kann.
»Ich will überhaupt nicht mit ihnen diskutieren!«
»Das ist auch keine Diskussion, sondern ein Hinweis darauf, dass ein gewisser Respekt einen Menschen wesentlich sympathischer wirken lässt, sie Arschloch.«
Den zweiten Teil des Satzes hört sie schon gar nicht mehr: Sie sucht das Weite. Menschen gibt’s …
Gelsenkirchen
Wer sich im Osten darüber aufregt, dass es angeblich zu viele Ausländer in seiner/ihrer Heimat gibt, sollte einen ganz großen Bogen um Gelsenkirchen machen. Was des Anklamer Angst vor Multikulti ist, ist im Pott, aber augenscheinlich speziell in Gelsenkirchen gelebte Realität.
Wieso Anklam?
Anklam hat einen ganz miesen Ruf als Neonazistadt. Kein Wunder bei diesen Zahlen, die nur zwei Tage nach meiner Lesung im bunten Gelsenkirchen bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern zutage kamen: Stärkste Partei wurde die AfD mit 26,2 % der Stimmen. Die NPD kommt auf 9,3 % und der Spitzenkandidat der AfD holt mit 30,8 % die mit Abstand meisten Erststimmen.
Aber wieso dieser Vergleich?
Jetzt kommt’s: Der Ausländeranteil in Anklam liegt bei sage und schreibe einem Prozent. Ein pupsekleines Prozent! Das sind 127 Ausländer bei 12.700 Einwohnern! Und deswegen wählen die dort Parteien wie die AfD und die NPD. Sagenhaft … dumm.
In Gelsenkirchen leben rund 260.000 Menschen, wovon gut 42.000 ausländische Wurzeln haben. Das sind circa 16 %. Nun liegen die Wahlen in Gelsenkirchen schon zwei Jahre in der Vergangenheit und die AfD hat sicherlich auch in Gelsenkirchen an Auftrieb gewonnen. Den hohen Ausländeranteil wird es aber auch 2014 schon gegeben haben. Und siehe da: Die Malocher, Schalker, Proleten etc. wählten zu über 50 % die SPD. Rechtsextremisten wie die Bürgerbewegung [sic!] pro NRW sind bei 4 % und die rechtspopulistischen Panikmacher der AfD haben es nur zu 4,98 % geschafft – noch ein gutes Prozent hinter den Grünen übrigens. (Mittlerweile kommt die AfD in gesamt NRW laut aktueller Umfrage jedoch tragischerweise auf bis zu 12 %.)
Genug der Politik:
Kaum beginne ich zu lesen, bleibt auch schon Bernd bei mir stehen … und kringelt sich vor Lachen: »Super! Was für eine Formulierung!«
Der Gute kriegt sich kaum noch ein, was auch mich ab und an mal ins Mikro prusten lässt. Eine bessere Werbung kann es zudem kaum geben. Darüber hinaus wirft er mir bei jeder gelungenen Pointe mehr und mehr Münzen in meinen Rucksack. Als ich zwischen zwei Kapiteln eine Pause einlege, kniet Bernd sich neben mich, stellt sich vor und erzählt mir aus seinem Leben. Das passiert mir erstaunlicherweise öfter mal. Eine Bekannte meinte, dass dies ja wohl kaum verwunderlich sei. Schließlich erzähle ich meinen Mitmenschen mit Mikrofon aus meinem Leben. Klar, dass manche sich dann denken: »Vielleicht hört der mir zu? Dann erzähle ich ihm jetzt meine Story.«
Vielleicht sollte ich doch noch Psychologie studieren … 😉
Ich empfehle Bernd ein vietnamesisches Restaurant, das ich nicht kenne. Er wollte es wissen! Er will weniger Fleisch essen. Wir haben übrigens mit keinem Wort darüber gesprochen, dass ich vegan lebe. Just sayin’. Bernd, der als Putzkraft arbeitet und auf Jazz steht, will also weniger Fleisch essen. Er weiß nur nicht so recht, wie er das anstellen soll. Falafel muss nicht sein, meint er. Also empfehle ich ihm eben den Vietnamesen gegenüber meiner »Lesebühne«. Da gibt’s bestimmt was Vegetarisches.
Bevor Bernd mit vegetarisch gefülltem Magen zurückkehrt, mir ein Buch für ganze 15 Euro abkauft und mich zu seiner Arbeitsstelle einlädt, gesellt sich ein Pärchen um die 30 zu mir, hört mir zu und kniet sich wenig später wie Bernd neben mich. Die beiden feiern heute Hochzeitstag. Der Bruder der Braut kommt demnächst von einer Rucksackreise zurück und sie überlegt, ob mein Buch nicht das optimale Geschenk für ihn wäre. Sie stellt ihrem Bruder ebendiese Frage per SMS, erhält keine postwendende Antwort und überlegt weiter. Ihr Mann denkt weniger lange nach und beantwortet die im Raum stehende Frage, indem er mir zwölf Euro in die Hand drückt: »Na, dann schenke ich das Buch schon mal meiner Frau zum Hochzeitstag.«
Bochum
Auf Bochum freue ich mich besonders, da ich nach Jahren endlich mal wieder meinen Kumpel Patrick Wendt zu Gesicht bekomme.
Patrick Wendt? Kenne ich nicht.
Solltest Du aber!
Wieso?
Weil ich über ihn einen Artikel für das Online-Fotomagazin Kwerfeldein verfasst habe und – der wesentlich triftigere Grund – Patrick ein großartiger Street Photographer ist.
Es ist reichlich spät, bis Patrick und ich uns nach einer ausgiebigen Unterhaltung mit Freunden Patricks in die City aufmachen. Am sogenannten Bermudadreieck ist immer viel los. Junge Menschen, Party, Alkohol … und eine Bühne, die frei ist. Ich baue mein Zeug auf, beginne zu lesen und werde wenige Minuten darauf auch schon wieder zum Abbruch gezwungen. Allerdings machen es die Jungs mit den orangefarbenen Crew-Shirts wesentlich cooler als die Glatze in Gladbach oder die Frau mit dem Herz aus Eis in Essen:
»Es tut uns echt sowas von leid. Wir würden dir wahnsinnig gerne zuhören und was wir bisher gehört haben, klingt auch echt lustig und cool. Aber unser Chef sagt leider, dass das nicht geht und du leider wieder abbauen musst.«
Schade. Als ich mit dem Abbau gerade fertig werde, kommen die Jungs schnellen Schrittes wieder auf mich zu, lächeln mich an und verkünden, dass sie ihren Chef belabert haben und dieser zustimmt, dass ich vor der Bühne lesen darf. Ich finde diesen Kompromiss super und will wieder aufbauen, als Patrick auf einmal meint, dass diese Ecke für eine Lesung ja wohl eher scheiße wäre: »Die sind alle besoffen. Es ist laut. Wir gehen zur Goldkante.«
In die Goldkante hat Patrick mich vor Jahren schon mal geführt. Der Laden ist cool und hat bis vor Kurzem auch Patricks Fotoserie »Daydreaming« ausgestellt. Wir erreichen die Bar, als mir vor der Kneipe ein bekanntes Gesicht auffällt.
»Wölfi, altes Haus!«, begrüßt Patrick den Sänger der legendären Kassierer und Bochumer Bürgermeisterkandidat 2015. Er wurde übrigens mit 7,91 % der Stimmen vierter.
»Dennis, das ist der Wölfi von den Kassierern!«, klärt Patrick mich unnötigerweise über die Prominenz auf.
»Weiß ich«, antworte ich. »Ich wollte nur keinen auf Fanboy machen.«
Da Patrick Wölfi wohl flüchtig und einen seiner Begleiter besser kennt, setzen wir uns zu ihnen an den Tisch. Wölfi (alias Wolfgang Wendland) findet mich, glaube ich, ganz cool. Vielleicht liegt’s an meinem Straßenleser-Schild, vielleicht auch daran, dass ich nicht ausgerastet bin, ihn zu sehen und ihn auch nicht nach einem Selfie mit ihm frage – was ein anderer Typ, der Wölfi erspäht übrigens genau so macht: »Geil, der Wölfi! Foto! Bitte! Tschüss!«
Photoshop-Künstler dürfen mir ihre Werke/Interpretationen dieser Begegnung sehr gerne zukommen lassen. Vielen Dank. 😀
Wölfi und ich unterhalten uns ganz gut. Lustigerweise stellt er mir ständig Fragen und hält die Unterhaltung eher am Laufen als ich es tue. Irgendwann macht die Frage die Runde, ob wir noch woanders feiern gehen. Ich stehe gerade in der Bar, als Wölfi auf mich zukommt und mich darum bittet, ihm mitzuteilen, falls wir noch woandershin abhauen sollten. Verkehrte Welt? Nein, ziemlich cool. Überhaupt ist Wölfi ein sehr sympathischer und kluger Mensch. Auch wenn das manch einer nicht glauben mag. Aber das sind in der Regel auch jene, die Punk einfach nicht verstanden haben. Eine Sache muss ich Wölfi dann aber doch noch in guter alter Fanboy-Manier mitteilen:
Wölfi lacht: »Der ist aber auch schwer zu merken.«
Recht hat er:
»Wer von der Quantentheorie nicht schockiert ist, hat sie nicht verstanden.«
(Nils Bohr)
Quantenphysik … aouh!
Quantenphysik … aouh!
Quantenphysik … aouh! Ah!
Quantenphysik … aouh!
Quantenphysik … aouh!
Quantenphysik … aouh! Ah!
Quantenphysik!
Quantenphysik!
Quan-ten-physik!
Huh, ah!
Huh, ah!
Quan-ten-phy-sik!
Quantenphysik … aouh!
Quantenphysik … aouh!
Quantenphysik … aouh! Ah!
Quantenphysik!
Quantenphysik!
Quan-ten-physik!
Max Planck!
Max Planck!
Max Planck!
Ja!
Quantenphysik … aouh!
Quantenphysik … aouh!
Quantenphysik … aouh! Ja!
Max Planck!
Max Planck!
Max Planck!
Oi!
Ich halte noch rotzbesoffen eine Lesung vor der Goldkante. Meine Zuhörer sind auf einem sehr ähnlichen Level wie ich. Nach einem Kapitel schmerzen mir die Augen vom Schielen und ich mache Feierabend. Von Wölfi habe ich mich vergessen zu verabschieden. Aber er hat meine Visitenkarte und weiß, dass wir die Kassierer jederzeit als Vorgruppe von 6 Gramm Caratillo willkommen heißen werden. Höhö.
Samstag, 3. September 2016
Münster

In Münster muss ich als erstes für meine Freundin ein Foto des aus der ZDF-Serie Wilsberg berühmt gewordenen Antiquariats Solder machen.

Danach lese ich ohne große Vorkomnisse in der Fußgängerzone dieser wirklich süßen Stadt.
Doch nun beginnen meine Probleme: Mein nächstes Ziel ist Bielefeld. Ich fahre stundenlang mit dem Auto durch Ostwestfalen … doch ich finde die Stadt einfach nicht. Es ist zum Verrücktwerden! Schließlich gebe ich irgendwann auf und fahre weiter nach Hannover … wo ich aufgrund meiner langen Bielefeld-Suche jedoch wieder sehr spät eintrudele.
Hannover
Zunächst hoffe ich, dass mir in Hannover vielleicht Ähnliches widerfährt wie in Duisburg. Diese Hoffnung zerschlägt sich jedoch sehr schnell: In der Fußgängerzone ist nichts los und wegen eines Volksfests in der Nähe ist der Geräuschpegel immens. Das bringt nichts. Also fahre ich zu Ralph, dem Freund meiner Schwester, und verbringe einen sehr schönen Abend mit ihm und zwei seiner Mitbewohner.
Sonntag, 4. September 2016
Braunschweig, Wolfsburg & Magdeburg
Wenn ich mal einen Manager haben sollte, muss dieser mich samstags anrufen und mich darauf aufmerksam machen, dass morgen Sonntag ist. Sonntage sind schlechte Tage für Straßenkünstler, da in den meisten Fußgängerzonen sonntags einfach nichts los ist. So ergeht es mir schließlich auch in Braunschweig, Wolfsburg und in Magdeburg. Zudem nieselt es auch noch den halben Tag lang. Keine Menschen + Regen = keine Lesung. So einen Spaß wie in Eisenach muss ich mir nicht noch einmal geben …
Ab 1:05 Minute erzähle ich von meiner Lesung in Eisenach
Dennoch finde ich es sehr schade, da ich möglichst viele Städte auf meine Liste der als Straßenleser bereisten Orte aufnehmen möchte.
Immerhin habe ich einen ganz netten Abend in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Zunächst langweile ich mich zwar beim Fußballgucken in der wohl spießigsten Studentenkneipe, die man sich nur vorstellen kann. Danach folge ich aber der Empfehlung des freundlichen Barkeepers und lande im Szenekiez (?) am Hasselbachplatz. Hier hat zwar nur noch eine Kneipe geöffnet, doch die ist ganz ulkig … und heißt Musikkneipe Flowerpower. Eine Althippie-Band gibt ’nen Cover-Song-Gig, während ich mit einem Hardrocker ins Gespräch komme. Als dieser sich auf den Heimweg macht, sitzt plötzlich ein 21-Jähriger mit Dreadlocks neben mir: »Kennst Du Wodka-Slush?«
»Was für’n Ding? – Ah! Wodka mit diesem pappsüßen Eiszeug?«
»Genau.«
»Nö, klingt schrecklich.«
»Willste einen?«
»Klar.«
Als wir uns den zweiten reinpfeifen, will der Barkeeper die Kneipe schließen … wogegen wir uns wehren.
»Guck mal, der drückt ’nen Knopf und ratzfatz eist die Slush-Maschine komplett ein. Soll das so sein? Und wie soll das überhaupt funktionieren, wenn da Wodka drin ist?«
»Ja, Mann! Ist da überhaupt Wodka drin?«
»Der hat uns verarscht!«
»Ja, ey! Gib mal noch so zwei, damit wir das überprüfen können!«
Wir bekommen keine Drinks mehr.
Vor der Kneipe denke ich an morgen und verabschiede mich mit den Worten: »Ich gehe jetzt besser mal zu meinem Auto.«
Im Nachhinein bin ich leicht erstaunt (oder amüsiert) darüber, dass mein Saufkumpane mit den Worten: »Besser ist das«, reagiert. Der Kollege weiß nämlich gar nicht, dass ich als Straßenleser unterwegs bin und des Öfteren auch mal in meinem Auto penne. Ich habe es natürlich keinen Meter mehr bewegt.
Montag, 5. September 2016
Brandenburg an der Havel
Ich schlafe tatsächlich auf der Rückbank meines Renault Clio bis elf Uhr Mittags durch. War wohl doch Wodka im Slush.
Das wirft meinen Zeitplan jetzt natürlich ein wenig aus dem Konzept. Und heute habe ich um 17 Uhr eine Verabredung mit einer Reporterin der Potsdamer Neueste Nachrichten. Den Termin muss ich natürlich einhalten.
Ich fahre ins beschauliche Brandenburg an der Havel. Ein nedliches Städtchen. Nur kann ich die Fußgängerzone nicht finden. Okay, da ist so ein Sträßchen, vielleicht 200 Meter lang, auf dem keine Autos, dafür aber Straßenbahnen fahren. Aber das kann doch nicht die Straße Brandenburgs sein. Oder doch? Ich frage ein paar Mädels, wo hier die Fußgängerzone oder ein Marktplatz ist.
»Ähm …«, schauen sie mich verwundert an. »Na, hier die Straße.«
Oha.
Wie gesagt, ist die »Fußgängerzone« eine einfache Straße, die für den Autoverkehr tabu ist. Es gibt einen Bordstein links und rechts, der aber nicht breiter ist als auf normalen Straßen. Setze ich mich da hin, kommt kein Mensch mehr an mir vorbei. Apropos Menschen: Heute ist Montag. Dennoch ist hier nichts los. Kaum einer ist hier auf der Straße unterwegs. Seltsam. Ich beschließe, erst mal zu Mittag zu essen und währenddessen zu überlegen, was ich nun mache.
Beim Vietnamesen stehen drei Alkis am Tresen. Einer skypt. Als ich mich an ihm vorbeidrücke, fragt die Stimme aus dem Computer, wer das denn eben war, der sich am Chatpartner vorbeigedrückt hat.
»Das war Deutschlands erster Straßenleser.«
»Aha.«
Als ich mein Essen bekomme, gerät der Laptop-Alki ins Schwärmen: »Ick muss euch en Video zeigen. Da bekomm ick immer ’ne Putenpelle von. Dit is ein Pfarrer und der singt ›Halleluja‹. Während ’ner Trauer … äh, Trauung. Also die trauern … trauen sich … die heiraten. Okay? Und der singt. Boah, wenn ick nur dran denke. Guck mal: Putenpelle. Jetzt schon.«
Dann klickt er auf den Play-Button.
Nach dem Video wischt er sich die Tränen aus dem Gesicht, während einer der anderen Alkis ständig wiederholt: »Ja, dit is ’ne jute Stimme.«
Ich habe keine Zeit für eine Lesung im leeren, aber schönen Brandenburg. Ich spaziere die Havel entlang zu meinem Auto zurück und mache mich auf den Weg zum Tourabschluss nach Potsdam.
Potsdam
In Potsdam einen erschwinglichen Parkplatz zu finden ist quasi unmöglich. Am preiswertesten scheint das Parkhaus des Krankenhauses zu sein. Ja, das ist tatsächlich billiger als auf der Straße zu parken. Faszinierend.
Ich erreiche den mit der Reporterin ausgemachten Treffpunkt am Brandenburger Tor – ja, gibt’s auch in Potsdam – fünf Minuten zu spät. Die Reporterin und der mitgekommene Fotojournalist sind wegen der fünf Minuten schon leicht nervös. Ich stehe anscheinend dem Feierabend im Weg, der im Falle der Reporterin wohl auch erst möglich ist, sobald der Artikel über mich verfasst wurde. Wir machen uns gemeinsam auf, einen geeigneten Platz für meine Lesung zu finden. Die Reporterin hätte am liebsten, dass ich mich sofort vor das Brandenburger Tor setze und loslege. Der Platz ist aber denkbar ungünstig.
»In der Brandenburger Straße ist es wesentlich besser«, erkläre ich. »Vor Cafés, Supermärkten oder Malls in einer möglichst nicht allzu breiten Straße. Das sind die Orte, die für eine Straßenlesung geeignet sind.«
Solch ein Ort befindet sich knapp 500 Meter vom Brandenburger Tor entfernt, was die beiden Journalisten nur mäßig amüsiert. Immerhin kann mich die Reporterin auf dem Weg zu ebendiesem Platz interviewen.
Die Lesung läuft schleppend an. Die Journalistin interviewt Passanten und zieht nach gut 20 Minuten von dannen. Kaum ist sie weg, verkaufe ich zwei Bücher. So kann’s gehen.

Berlin
Als ich in Berlin ankomme, hole ich Julia vom Flughafen ab. Ihr Kurzurlaub ist so vorbei wie meine Tour und in unseren Keller, in dem ich eine Kiste voll Erinnerungsstücke aufbewahre, wurde eingebrochen. Geklaut wurde nichts, doch meine Erinnerungsstücke liegen überall verteilt und teilweise zerstört auf dem modrigen Boden. That’s life.
Und wir sind alle Siegertypen,
Dennis Knickel
»Ich habe von dieser ganzen Religionskacke genug. Die Menschen müssen nur eines wissen und das reicht vollkommen aus: Gott heißt Rudi.«
Ich:
»Völler oder Dutschke?«
Stephan:
»Scheißegal. Hauptsache Rudi.«

I'm back in Berlin again and had a few lovely and weird days. This time I didn’t shoot a video tour diary. Instead, I’m happy to report in writing on the past six tour days:
Berlin, 31 August 2016
After, in 2016 – as already reported – I had been struggling with a few setbacks and problems, I already feared that I wouldn’t be able to start another tour this year. The decision to go on tour again after all came very spontaneously: My girlfriend Julia had to head toward Mainz, from where she wanted to set off with friends on a short trip south. However, there was a change of plans with her ride, which meant she had to find a new option to get to Mainz on time. Since none of the options were really that great, I offered to take her to Rheinhessen. That was about ten hours before departure, which starts in the early hours after two hours of sleep. Puke.
Wednesday, 31 August 2016
Alzey
After writing to all the newspapers in the cities I had in mind during the night, my plan is as follows: I drive Julia to Mainz, visit my parents in Alzey and travel as Germany’s first street reader through North Rhine-Westphalia, Lower Saxony, Saxony-Anhalt and Brandenburg back home.
When I arrive in Alzey, my voice is already pretty shot. Fantastic prerequisites for the first street reading in my Rheinhessian hometown. Given the spontaneity of the tour, I don’t expect to receive too many responses from the newspapers I contacted. But what is Facebook for? To my surprise, a few people from Alzey actually make their way to the Roßmarkt, where from 5 p.m. onward I read from »Serendipity – Die unverhofften Glücksfälle eines Backpackers in den USA«. The reading is fun, I sell books, and after my reading I also have some loose change in my “donation backpack.” Two women from Alzey are especially cool and after my reading each press five euros into my hand. A “Thank you for the great entertainment,” is added as well as: “A really lovely reading voice. You enjoy listening to that!”
And I like reading in front of people like that. Small towns! I think my next tour will be a pure small-town tour.
When I tell my parents and my acquaintance Ines after the reading that I stupidly left my reading stool in Berlin, Ines gives me a camping chair as a gift. Thanks again, dear Ines! The chair was very helpful and sturdy. 🙂
Thursday, 1 September 2016
Mönchengladbach
I’ve never been to Gladbach. And honestly, I wouldn’t know why I should go there again (for a street reading or in my free time). The city center is ugly and the people I meet are … strange. For example, I ask a teenage couple where a central market square might be or a place where a lot is going on. As I finish my question, I see the two suddenly turn into zombies: “Uh … uh-huh … uhh. Bismarckplatz?”
“Bismarckplatz.”
“Uh-huh.”
“Where is that?”
The two point in slow motion in the direction I’m walking anyway.
“I’m walking straight toward it?”
“Right. There … uh.”
A few minutes later, Bismarckplatz turns out to be an abandoned (park-)square with no shops, but with two bus stops. Great.
I ran into the two zombie kids in front of the Minto shopping center. The area in front of the mall still feels the most alive in this city. The reading is still very sluggish. I do have one or two listeners, but apparently nobody wants to buy books or get rid of loose change. Not even the bald suit-wearer who leaves the Minto and stomps toward me at a brisk pace. He does want something from me after all, though, and tells me so in the most glorious Westphalian: “You can’t just start some kind of action here in front of the Minto Center, sell stuff and yell around. We’ve got gastronomy here! People are complaining!”
Yeah, fuck you too. By the way, the people I could observe in the surrounding cafés looked very relaxed, and in hindsight I’m annoyed that I didn’t just ask the guy what the sidewalk actually has to do with the Minto Center and that he can feel free to get lost. But then the public order office would probably have shown up and slapped me with a fine. Oh well. Gladbach? Nobody needs it. Or, to put it in the words of the world-traveling photographer Patrick Wendt from Bochum: “Gladbach is soulless and full of strange people. I wouldn’t know a reason to go there …”
Duisburg
Since from Gladbach I trundle into the Ruhr area at what feels like walking speed through rush-hour traffic, I reach Duisburg far too late. At least I think so. In reality, my arrival around 9 p.m. will turn out to be a great stroke of luck. I stroll through Duisburg’s pedestrian zone with my fully packed backpack and the sign I carry in front of me, which explains who I am and what I do, and reach König-Heinrich-Platz. There’s still quite a bit going on here. Unfortunately, it’s already dark. Meanwhile, the shop windows of Karstadt illuminate the area in front of the store. Perfect, I think to myself, but then I realize that a dreadlocked hippie and a man around 60 with a beer bottle in his hand have already claimed the square for themselves and are sitting on a portable bench listening to music. Damn. I’m just about to look for another place when both suddenly shout and whistle after me: “Hey! Guy with the sign! We want to read what it says! Come here!”
As a (street) artist you should respond to such bold demands. I know that from experience. Not always, but more often than you’d think, experiences develop out of situations like that. And this situation was going to develop into exactly such an experience.
It takes less than 20 seconds for me to unfold Ines’ camping chair and sit down next to the guys. The hippie is a year younger than me and has been traveling for eight months. When I ask him where he’s from, he answers in hippie fashion: “That’s irrelevant. I’m a citizen of the world and at home everywhere.”
He calls himself Muffin and also makes a living as a street artist. He juggles and swings brightly glowing Pois. Stephan, sitting next to Muffin, is a much quieter fellow and a warm-hearted guy. When he opens his mouth, he likes to hand out compliments, sing “Schrei nach Liebe” by Die Ärzte (though only “Asshole”; otherwise he only sings “lalala”), reveal his appreciation for the person he’s talking to, or take a swig from his Lidl plastic bottle. He hands out the remaining bottles generously to Muffin, me, and Hartmut, the “heretic.” The heretic, young at 50, joins us a few minutes after I sit down. At first I think he’s Muffin’s social worker giving him advice. Then the heretic and Stephan briefly clash verbally, which is shortly thereafter put to rest with big apologies, lots of respect, and politeness. The heretic is not a social worker. To this day I have no idea what the heretic does. The heretic is eloquent and fires off one life lesson and affirmation after another. Some of his lines come from books and some spring from his own brain. In any case, it’s fun to listen to him – even if you don’t share all of his opinions.
“You’re all actually pretty okay,” Stephan would probably say. And the heretic would answer: “Do you know that we’re all winner types? All of us?”
Muffin, whom literally everyone in Duisburg seems to know, has had a lot of bad luck lately. As the evening goes on, I find myself wondering more and more where he might actually be from. To me he sounds like typical Ruhr area. However, in Berlin I once also ran into someone from Saarland who moved to the capital two years ago and now speaks only Berlin dialect. Which I find pretty ridiculous, by the way. But Muffin doesn’t strike me as someone copying a dialect. So I ask, and I hear his story, which starts with a sigh: “Ah, I did say I’ve been on the road for eight months. I’m from Kamp-Lintfort.”
“You’re from Kamp-Lintfort?”, Stephan interjects incredulously.
“Where exactly is that?”, I ask, though I think I already know that it’s actually in the Ruhr area.
“25 kilometers from here.”
Oh.
“I met a girl. Then we went to Croatia together, which was super nice. Then we went back to Duisburg and together to East Frisia. That was nice too. Only my girl met another guy there and told me I now have to continue on alone. So I went back to Duisburg, then briefly to Wiesbaden and already back to Duisburg again. Whatever I do: I keep coming back here. I don’t even know why I do that. When I got here again eight weeks ago, things went totally to shit: I only remember collapsing on the train or at the station and then waking up in the hospital with sepsis. But I like Duisburg. And above all this square. This is my square. I’m here every day and do street art. A few days ago I set up hundreds of candles here. I built the yin-and-yang symbol out of the candles. That went down really well and was really beautiful! Now I’m planning something new. In the meantime I paint the stones. Wouldn’t it be awesome if every stone here was marked with a Sharpie? Every Duisburger or everyone who comes by here can leave their mark.”
“And why?”, asks the heretic.
“Well, because it would be totally colorful and everyone would leave something here.”
At some point the three praise my idea of the street reading to the skies again and again, until I finally remark that they don’t even have a clue about it yet and therefore can hardly judge whether I really am – as they like to add – an artist or rather quite a fool: “Should I do a street reading now?”
The three are really happy and suddenly jump up: Muffin suddenly conjures up a few blankets from somewhere, Stephan makes himself comfortable right away, and the heretic roams across the square: “Hear! Hear! The street reader honors us! Hear! Hear you! Come here and listen! Germany’s first street reader is in Duisburg!”
I think the three of them are so cool.
In fact, the heretic and Muffin manage to bring in a few listeners who make themselves comfortable on the blankets. Muffin also drapes his glowing Pois around my donation backpack and then a very nice reading begins with a laughing and applauding audience. In the middle of the reading, a group of about ten joins us. The guys are in a good mood, laugh, and clap now and then. But as quickly as they came, they disappear again. As it turns out shortly afterward, however, the bastards disappear with Muffin’s tablet and one of the heretic’s bags. How pathetic people can be.
Muffin in particular is hit hard by the loss: “When I collapsed at the station, my bag with my laptop and loads of music was already stolen. On the tablet was the last little bit of music I still own. And now that’s gone too. Damn, how am I supposed to juggle like that? Without music?”
Dear readers, if you have an MP3 player or something similar to spare and you happen to end up in Duisburg soon … Muffin is one of the good ones. You can also support this call with the hashtag #MusikfürMuffin. Maybe it’ll work. That would be great.
“A few years ago I still went to work in a suit. Back then I would have looked at street artists like you with my nose turned up. But that wasn’t me.”
I think Muffin is still searching. And I wish him all the very best in that search.
The heretic really wants to invite me to his home. After careful consideration, however, I decline the friendly offer and let Hartmut drive home alone. I want to be up early tomorrow so I can stick to my tight program. And the heretic has already announced what all he’d like to show me. I’d actually be up for it … but another time. I definitely want to come back to Duisburg. Before he sets off, the heretic has me read the quote of the day from his affirmation book and raps (!) his anti-nuclear-power credo. Self-written.
“It was great. You’re great! Rees and Xanten, Kleve and Goch: that’s golden ground for you. They’ll love you! Those are culture sacks from the do-gooder red-wine crowd. Not just culture pouches from the bottled-beer department. In Rees I know lovely people who’ll help you. Stay in Duisburg for the weekend! You can come to me anytime. Aloha.”
Says it and disappears. Small towns. Small towns … I’ll try it on my next street-reader tour.
When I say goodbye to Stephan and Muffin, Stephan gets really sad: “Dennis, I wish you’d stay longer. That you sit down with me again, that is what I wish.”
The situation is touching, and I’m tempted to fulfill Stephan’s wish. But I know that if I sit here for another hour or two, I can throw tomorrow’s day plan in the trash. I hug Stephan goodbye and give Muffin a copy of “Serendipity.” He can hardly contain himself, hugs the book, hugs me, and calls after me – when I’m already 50 meters away –: “Maybe I lost my music today, but I gained a book. Thanks!” ❤️
Friday, 2 September 2016
Essen
From now on and until Berlin I’m only driving on country roads – which in the Ruhr area on the Duisburg–Essen route means I drive through Mülheim an der Ruhr. That way I avoid traffic jams on the one hand, and on the other you see so much more of Germany … and also Mülheim. Already on my first stage in May I drove almost exclusively on country roads. Driving is simply a lot more fun that way.
In Essen there’s a market and that’s usually very good for a street artist. Next to the stand of how fitting – the Essener Zeitung there’s still room for me and my amplifier. The two representatives of the newspaper also express their interest in my action right away. Just as I’m done setting up, an ice-cream vendor yells at me from her stand about ten meters across from me: “You can pack that right back up! I absolutely don’t feel like that. It gives me headaches. Always this music …”
“I’m not making any music.”
After a two-second pause she snaps further: “What? And what are you doing? Reading? Don’t want that either. Headaches! Go away!”
“You could have told me that before I set up, right?”
“That’s quickly packed up: Get out of here!”
Of course the woman doesn’t have the right to chase me off the spot. But I fear that in the end I’ll get headaches from a reading with a heckler screaming in between, and so I set up 50 meters away. Before that, though, I briefly go over to the lady again and tell her that you can also express your concern respectfully and with friendliness.
“I don’t want to discuss this with you at all!”
“This isn’t a discussion, but a hint that a certain respect makes a person seem much more likable, you asshole.”
She doesn’t hear the second part of the sentence anymore: she makes herself scarce. People, I swear …
Gelsenkirchen
Anyone in the East who gets upset that there are allegedly too many foreigners in his/her homeland should give Gelsenkirchen a very wide berth. What Anklam’s fear of multiculturalism is, is lived reality in the Ruhr area, but apparently especially in Gelsenkirchen.
Why Anklam?
Anklam has a really bad reputation as a neo-Nazi city. No wonder with these numbers that came to light only two days after my reading in colorful Gelsenkirchen at the state elections in Mecklenburg-Vorpommern: the strongest party became the AfD with 26.2 % of the votes. The NPD comes in at 9.3 %, and the AfD’s lead candidate gets by far the most first votes with 30.8 %.
But why this comparison?
Here it comes: the share of foreigners in Anklam is a whopping one percent. A puny little percent! That’s 127 foreigners out of 12,700 inhabitants! And that’s why people there vote for parties like the AfD and the NPD. Incredible … stupid.
In Gelsenkirchen around 260,000 people live, of whom a good 42,000 have foreign roots. That’s about 16 %. Now, the elections in Gelsenkirchen are already two years in the past and the AfD has certainly also gained momentum in Gelsenkirchen. But the high share of foreigners will already have existed in 2014. And look: the workers, Schalke fans, proles, etc. voted SPD at over 50 %. Right-wing extremists like the citizens’ movement [sic!] pro NRW are at 4 %, and the right-wing populist panic-mongers of the AfD only made it to 4.98 % – a good percent behind the Greens, by the way. (Meanwhile the AfD in all of NRW according to a current poll tragically reaches up to 12 %.)
Enough politics:
Hardly do I start reading when Bernd is already standing with me … and doubles over laughing: “Great! What a phrasing!”
The good guy can hardly contain himself, which now and then also makes me snort into the mic. There’s hardly better advertising. On top of that, with every successful punchline he throws more and more coins into my backpack. When I take a break between two chapters, Bernd kneels down next to me, introduces himself, and tells me about his life. That happens to me surprisingly often. An acquaintance said that this was hardly surprising. After all, I tell my fellow humans about my life with a microphone. Of course some then think: “Maybe he’ll listen to me? Then I’ll tell him my story now.”
Maybe I should study psychology after all … 😉
I recommend Bernd a Vietnamese restaurant that I don’t know. He wanted it! He wants to eat less meat. By the way, we didn’t speak a single word about the fact that I live vegan. Just sayin’. Bernd, who works as a cleaner and is into jazz, wants to eat less meat. He just doesn’t quite know how to go about it. Falafel doesn’t have to be, he says. So I recommend the Vietnamese place opposite my “reading stage.” They surely have something vegetarian.
Before Bernd returns with a vegetarian-filled stomach, buys a book from me for a full 15 euros, and invites me to his workplace, a couple around 30 joins me, listens to me, and a little later kneels down next to me like Bernd. The two are celebrating their wedding anniversary today. The bride’s brother is coming back soon from a backpacking trip and she’s considering whether my book might be the perfect gift for him. She asks her brother that very question via SMS, doesn’t get an immediate reply, and keeps thinking. Her husband thinks less long and answers the question hanging in the room by pressing twelve euros into my hand: “Well, then I’ll go ahead and give the book to my wife for our anniversary.”
Bochum
I’m especially looking forward to Bochum because after years I’ll finally get to see my buddy Patrick Wendt again.
Patrick Wendt? I don’t know him.
But you should!
Why?
Because I wrote a piece for the online photo magazine Kwerfeldein about him and – the much more compelling reason – Patrick is a great street photographer.
It’s quite late by the time Patrick and I head into the city after an extensive conversation with Patrick’s friends. At the so-called Bermuda Triangle there’s always a lot going on. Young people, partying, alcohol … and a stage that’s free. I set up my stuff, start reading, and a few minutes later I’m already forced to stop again. However, the guys with the orange crew shirts do it much cooler than the bald guy in Gladbach or the woman with the heart of ice in Essen:
“We’re really, really sorry. We’d love to listen to you and what we’ve heard so far also sounds really funny and cool. But our boss unfortunately says that doesn’t work and you unfortunately have to pack up again.”
Too bad. Just as I’m done packing up, the guys come briskly back toward me, smile at me, and announce that they talked their boss into it and he agrees that I’m allowed to read in front of the stage. I think this compromise is great and want to set up again when Patrick suddenly says that this corner would be pretty shitty for a reading: “They’re all drunk. It’s loud. We’re going to the Goldkante.”
Patrick already took me to the Goldkante years ago. The place is cool and until recently it also exhibited Patrick’s photo series “Daydreaming.” We reach the bar when a familiar face catches my eye in front of the pub.
“Wölfi, old man!”, Patrick greets the singer of the legendary Kassierer and Bochum mayoral candidate 2015. By the way, he came in fourth with 7.91 % of the votes.
“Dennis, that’s Wölfi from the Kassierer!”, Patrick unnecessarily informs me of the celebrity.
“I know,” I answer. “I just didn’t want to act like a fanboy.”
Since Patrick knows Wölfi at least in passing and one of his companions better, we sit down at their table. I think Wölfi finds me pretty cool. Maybe it’s because of my street-reader sign, maybe also because I didn’t freak out at seeing him and also don’t ask him for a selfie – which another guy who spots Wölfi does exactly like that: “Awesome, Wölfi! Photo! Please! Bye!”
Photoshop artists are very welcome to send me their works/interpretations of this encounter. Thank you. 😀
Wölfi and I have a pretty good conversation. Funny enough, he keeps asking me questions and keeps the conversation going more than I do. At some point the question goes around whether we want to go partying somewhere else. I’m standing at the bar when Wölfi comes up to me and asks me to let him know if we end up taking off somewhere else. Upside-down world? No, pretty cool. In general, Wölfi is a very likeable and smart person. Even if some people might not believe that. But those are usually also the ones who simply never understood punk. One thing I still have to tell Wölfi in good old fanboy fashion:
Wölfi laughs: “That one’s also hard to remember.”
He’s right:
“Anyone who is not shocked by quantum theory has not understood it.”
(Nils Bohr)
Quantum physics… aouh!
Quantum physics… aouh!
Quantum physics… aouh! Ah!
Quantum physics… aouh!
Quantum physics… aouh!
Quantum physics … aouh! Ah!
Quantum physics!
Quantum physics!
Quan-tum physics!
Huh, ah!
Huh, ah!
Quan-tum-phy-sics!
Quantum physics… aouh!
Quantum physics… aouh!
Quantum physics… aouh! Ah!
Quantum physics!
Quantum physics!
Quan-tum physics!
Max Planck!
Max Planck!
Max Planck!
Yes!
Quantum physics… aouh!
Quantum physics… aouh!
Quantum physics… aouh! Yes!
Max Planck!
Max Planck!
Max Planck!
Oi!
Still totally plastered, I do a reading in front of the Goldkante. My listeners are on a very similar level to me. After one chapter my eyes hurt from squinting and I call it a night. I forgot to say goodbye to Wölfi. But he has my business card and knows that we will welcome the Kassierer anytime as a support act for 6 Gramm Caratillo. Hehe.
Saturday, 3 September 2016
Münster

In Münster, the first thing I have to do is take a photo for my girlfriend of the antiquarian bookshop Solder, which became famous through the ZDF series Wilsberg.

After that I read without any major incidents in the pedestrian zone of this really cute city.
But now my problems begin: My next destination is Bielefeld. I drive for hours by car through East Westphalia … but I simply can’t find the city. It’s driving me insane! Eventually I give up and drive on to Hanover … where, because of my long Bielefeld search, I arrive very late again.
Hannover
At first I hope that maybe something similar will happen to me in Hanover as in Duisburg. But that hope is dashed very quickly: There’s nothing going on in the pedestrian zone and because of a folk festival nearby the noise level is immense. That won’t work. So I drive to Ralph, my sister’s friend, and spend a very nice evening with him and two of his roommates.
Sunday, 4 September 2016
Braunschweig, Wolfsburg & Magdeburg
If I ever have a manager, they have to call me on Saturdays and point out to me that tomorrow is Sunday. Sundays are bad days for street artists, because in most pedestrian zones there’s simply nothing going on on Sundays. That’s how it ends up for me in Braunschweig, Wolfsburg and Magdeburg as well. Plus, it drizzles for half the day. No people + rain = no reading. I don’t need to put myself through a “fun” like in Eisenach again …
From 1:05 minutes I talk about my reading in Eisenach
Still, I find it very unfortunate because I want to add as many cities as possible to my list of places I’ve traveled to as a street reader.
At least I have a pretty nice evening in the capital of Saxony-Anhalt. At first I’m bored watching football in what is probably the most square student pub you can imagine. After that, however, I follow the recommendation of the friendly barkeeper and end up in the scene district (?) around Hasselbachplatz. Only one pub is still open here, but it’s quite funny … and is called Musikkneipe Flowerpower. An old-hippie band plays a cover-song gig while I get into conversation with a hard rocker. As he heads home, a 21-year-old with dreadlocks suddenly sits down next to me: “Do you know vodka slush?”
“What kind of thing? – Ah! Vodka with that sickly-sweet ice stuff?”
“Exactly.”
“Nope, sounds terrible.”
“Want one?”
“Sure.”
As we down the second one, the barkeeper wants to close the pub … which we resist.
“Look, he presses a button and bam the slush machine completely freezes up. Is it supposed to do that? And how is that even supposed to work if there’s vodka in it?”
“Yeah, man! Is there even vodka in it?”
“He screwed us!”
“Yeah, hey! Give us two more so we can check that!”
We don’t get any more drinks.
Outside the pub I think about tomorrow and say goodbye with the words: “I’d better go to my car now.”
In hindsight I’m slightly astonished (or amused) that my drinking buddy reacts with the words: “Better that way.” The guy doesn’t even know that I’m traveling as a street reader and often sleep in my car. Of course I didn’t move it a single meter.
Monday, 5 September 2016
Brandenburg an der Havel
I actually sleep through until eleven in the morning on the back seat of my Renault Clio. Guess there really was vodka in the slush. That throws my schedule a bit out of whack now, of course. And today at 5 p.m. I have an appointment with a reporter from the Potsdamer Neueste Nachrichten. I obviously have to keep that appointment. I drive to the sleepy Brandenburg an der Havel. A cute little town. Only I can’t find the pedestrian zone. Okay, there’s this little street, maybe 200 meters long, where no cars drive, but trams do. But that can’t be the street of Brandenburg, can it? Or can it? I ask a few girls where the pedestrian zone or a market square is here. “Uhm …”, they look at me puzzled. “Well, this street here.” Oh wow. As I said, the “pedestrian zone” is a simple street that’s off-limits to car traffic. There’s a curb on the left and right, but it isn’t any wider than on normal streets. If I sit down there, nobody will be able to get past me anymore. Speaking of people: Today is Monday. Still, there’s nothing going on here. Hardly anyone is out on the street. Strange. I decide to eat lunch first and think about what I’m going to do now while I’m at it. At the Vietnamese place three drunks are standing at the counter. One is Skyping. As I squeeze past him, the voice from the computer asks who that was who just squeezed past the chat partner. “That was Germany’s first street reader.” “Uh-huh.” When I get my food, the laptop drunk starts raving: “I gotta show you a video. I always get goosebumps from it. This is a pastor and he sings ‘Hallelujah’. During a funeral … uh, wedding. So they’re mourning … uh, marrying … they’re getting married. Okay? And he sings. Man, when I just think of it. Look: goosebumps. Already.” Then he clicks the play button.
After the video he wipes the tears from his face while one of the other drunks keeps repeating: “Yeah, that’s a good voice.”
I don’t have time for a reading in empty but beautiful Brandenburg. I stroll along the Havel back to my car and head off for the tour finale in Potsdam.
Potsdam
In Potsdam, finding an affordable parking spot is basically impossible. The cheapest option seems to be the hospital parking garage. Yes, that’s actually cheaper than parking on the street. Fascinating.
I reach the agreed meeting point with the reporter at the Brandenburg Gate – yes, Potsdam has one too – five minutes late. The reporter and the photojournalist who came along are already slightly nervous because of the five minutes. I apparently am standing in the way of after-work time, which for the reporter likely only becomes possible once the article about me has been written. Together we set off to find a suitable place for my reading. The reporter would prefer that I sit down right in front of the Brandenburg Gate and start immediately. But the spot is extremely unsuitable.
“It’s much better in Brandenburger Straße,” I explain. “In front of cafés, supermarkets or malls in a street that’s preferably not too wide. Those are the places suitable for a street reading.”
Such a place is just under 500 meters from the Brandenburg Gate, which only amuses the two journalists moderately. At least the reporter can interview me on the way to that spot.
The reading gets off to a sluggish start. The journalist interviews passersby and leaves after a good 20 minutes. Hardly is she gone when I sell two books. That’s how it goes.

Berlin
When I arrive in Berlin, I pick up Julia from the airport. Her short trip is as over as my tour and our basement, where I keep a box full of keepsakes, was broken into. Nothing was stolen, but my keepsakes are scattered everywhere and partially destroyed on the moldy floor. That’s life.
And we are all winner types,
Dennis Knickel
Me:
“Völler or Dutschke?”
Stephan:
“Doesn’t fucking matter. The main thing is Rudi.”


