Tag 9: Chaloklum und der Chàang-dtat-phóm

Curry-Competition

2010 03 04 16.36.16

Donnerstag, 4. März 2010
Chaloklum, Koh Pha Ngan

Heute spazieren wir durch Chaloklum, das sich seinen asiatischen Charme gr√∂√ütenteils noch erhalten konnte. Es gibt zwar auch hier einen 7-Eleven, weitere G√§stezimmer werden gebaut und jeder zweite Rollerfahrer ist ein Farang, aber die zwei Stra√üen, aus denen der Kern Chaloklums besteht, sind Authentizit√§t pur. Chaloklum ist ein Fischerdorf. √úberall gibt es kleine Fischl√§den, vor denen man flei√üig am Ausnehmen und Zerschnippeln ist. Tintenfischfilets, so d√ľnn wie Carpaccio werden √ľber Gitternetzen in der Sonne getrocknet und auf dem Wasser tummeln sich die vielen bunten, h√∂lzernen Fischerboote mit den Gl√ľhlampenmasten neben den ebenso bunten und h√∂lzernen Longtail Booten. Diese werden von einem oftmals freiliegenden Motor angetrieben, der wie ein pervers lauter Rasenm√§hermotor rattert und auf einer Stange befestigt ist, an deren anderem Ende die Schraube, bestimmt noch mal zwei Meter hinter dem Motor und dem f√ľnf bis zehn Meter langen Boot, im Wasser liegt. Deswegen hei√üen diese Boote auch Longtail, also ¬Ľlanger Schwanz¬ę. Das Boot selbst ragt vielleicht einen halben Meter √ľber dem Wasser heraus und dient oftmals als Taxi zwischen den Str√§nden. Au√üerdem gibt es gut drei Tauchschulen, mindestens ein Spa-Haus und viele Massageh√§user und -bambusgestelle, wie man sie auch an jedem Strand vorfindet.

Ich will zum Friseur. Meine Wolle auf dem Kopf muss gek√ľrzt werden. Also schauen wir in unserem Thai-Kauderwelsch-Lexikon× nach und machen uns auf die Suche: ¬ĽYuu th√¨i-n√°i ch√†ang-dtat-ph√≥m??¬ę, frage ich h√∂flich die Kassiererin im 7-Eleven. Hier denken wir uns, kann man uns auch auf Englisch weiterhelfen, falls mein Thai noch nicht ‚Ķ¬†perfekt klingen sollte.
¬ĽH√§?¬ę, antwortet die offensichtlich Schwerh√∂rige.
¬ĽCh√†ang-dtat-ph√≥m?¬ę, sage ich noch eine Nuance nasaler, als ich sowieso schon spreche ‚Ästder Authentizit√§t wegen. Der Kollege eilt zur Hilfe.
¬ĽCh√†ang-dtat-ph√≥m!?¬ę
Er greift nach meinem W√∂rterbuch. Ich lasse es los und zeige ihm die Zeile, in der ¬ĽFriseur¬ę steht.
¬ĽAh! Ch√†ang-dtat-ph√≥m!¬ę, wiederholt er Silbe f√ľr Silbe, in √§hnlich gutem Thai wie dem meinigen meine Frage. ¬ĽYou go here. Fifehunha left.¬ę
Ich merke, dass ich auch langsam des Thai-Verstehens m√§chtig werde und schreite mit einem: ¬ĽKop khun krap¬ę, von dannen.
Der Friseur, knapp √ľber 50 Meter weiter, hat geschlossen. Wir spazieren also weiter und Essen in einem kleinen, offenen Stra√üenrestaurant zu Mittag. Wie immer √§u√üerst lecker und hier extrem billig: zwei Hauptgerichte (Pad Thai No Egg with Tofu und Fried Rice with Tofu), ein Wasser (0,9 Liter) und eine Dose Erdbeer-Fanta f√ľr insgesamt 2,20 Euro.

Wir sehen einen Baum mit Plastikt√ľten um die bald fallreifen Fr√ľchte herum und kommen kurz darauf an einem Obststand vorbei, wo wir weitere uns bislang unbekannte Fr√ľchte entdecken. Wir erkundigen uns, ob sie auch Durian haben. Eine Frucht, von der unser Nachbar Alex immerzu schw√§rmt. Haben sie nicht, daf√ľr ¬ĽThai Red Apple¬ę, wenn wir das richtig verstanden haben. Dieser Apfel (?) sieht aus wie eine kleine rote Wachsbirne, die tats√§chlich apfel√§hnlich schmeckt. Dazu gibt es noch eine junge frisch gek√∂pfte Kokosnussmilch aus der ¬ĽOriginalverpackung¬ę. Einen Roller vermieten die Damen vom Obststand auch noch: vier Euro f√ľr 24 Stunden.

Auf dem R√ľckweg sehen wir, dass der Friseur wieder ge√∂ffnet hat. Um beim Finanziellen zu bleiben: f√ľr f√ľnf Euro gibt es eine dreifache Haarw√§sche ‚Ästich war vorher duschen ‚Ästund einen Haarschnitt in Rekordzeit. Nach keiner viertel Stunde sind wir wieder drau√üen ‚Ķ¬†und nun sehe ich auch aus wie ein Thai.

Wir trinken noch einen Fruit Shake in einem Strandrestaurant und treffen beim Hinausgehen ein kleines thail√§ndisches M√§dchen von vielleicht zwei Jahren, das uns ununterbrochen zuwinkt. Die Erwachsenen drum herum animieren es freudig und elanvoll dabei: ¬ĽBye bye! Bye bye! Make bye!¬ę

Die Sonne geht bald unter und so machen wir uns auf den Heimweg. Und jetzt sitze ich hier nachts auf der Terrasse. Es ist schon bald drei Uhr und ich werde von den krassesten Tieren aus dem Urwald um uns herum heimgesucht: Vier kleine Geckos sind Standard. Heute aber waren schon zwei Riesengeckos hier auf der Terrasse. Die Kollegen sind etwa 40 Zentimeter lang! So weit so cool. Mir knallt aber auch st√§ndig das ekeligste, fette K√§ferzeugs an die Hauswand und dann vor meine F√ľ√üe. Bu√§h! Gerade eben hat sich ein Vogel oder eine Fledermaus im Vorbeifliegen den fetten K√§fer, der wie eine Mischung aus Frosch und Wespe aussieht, geschnappt! Allerdings hat er ihn nur schwer verletzt und nun hat sich das bestimmt sieben Zentimeter lange K√§fervieh zum Verrecken direkt vor unsere T√ľr gelegt ‚Ķ Aaarrgh! Nachdem es mehrere Minuten regungslos auf dem R√ľcken lag, ist es wieder auferstanden!
Da kann ich eigentlich nur noch die Entdeckung des Tages verk√ľnden und mich dann mal langsam in die Kissen legen: An den gelben Geldautomaten der Bank of Ayutthaya, die sich meistens neben den 7-Eleven-Superm√§rkten befinden, kann man mit der VISA-Karte Geld abheben, ohne Geb√ľhren zahlen zu m√ľssen. An anderen Automaten kostet es pro Transaktion drei Euro.
R√ľckzug. Und tsch√ľss ‚Ķ¬†oder laa gon, wie der Thai zu sagen pflegt.


× Reise Know-How: ¬ĽKauderwelsch Band 19 ‚Äď Thai Wort f√ľr Wort¬ę (Martin Lutterjohann).

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